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Sachsen
Dienstag, 30. Dezember 2008

Schatten auf Sachsens Solar-Branche - gedämpfte Erwartungen für 2009


Chemnitz - Nach Jahren steilen Wachstums hat Sachsens Solar-Branche ihre Erwartungen wegen der Finanzmarktkrise und des konjunkturellen Abschwungs deutlich zurückgeschraubt. Das ergab eine Umfrage der Deutschen Presse-Agentur dpa. Der Zulieferer Roth & Rau aus Hohenstein-Ernstthal (Kreis Zwickau) hofft nach einer Umsatzsteigerung von etwa 60 Prozent auf rund 250 Millionen Euro in diesem Jahr 2009 lediglich auf einen Gleichstand. Wenn der Finanzmarkt standhalte, könnten die Zahlen von 2008 wieder erreicht werden, sagte Finanzvorstand Carsten Bovenschen.

„Wir werden erst noch sehen, ob es eine Delle gibt.“ 2009 könne das „Jahr der Konsolidierung“ werden. Für 2009 habe er einen Auftragsbestand von 220 bis 250 Millionen Euro in seinen Büchern, sagte Bovenschen. Er sei überzeugt, mittelfristig werde das Wachstum in der Solar-Wirtschaft aber wieder anziehen. „An dem Problem ändert sich nichts: Die fossilen Rohstoffquellen sind begrenzt.“ Auch der Chef der SolarWorld AG, Frank Asbeck, sieht härtere Zeiten auf die Branche zukommen. „Wir sind in einem klassischen Konjunkturtal.“ Den Solar-Firmen gehe es zwar noch allgemein gut. Viele Leute legten ihr Geld jetzt sogar lieber in einem eigenen Solar-Dach an als bei der Bank. Aber: „Die Solar-Unternehmen, die jetzt nicht eine bestimmte Größe haben, werden es nicht schaffen.“

SolarWorld sieht Asbeck nicht in Gefahr. „Wir werden eine der führenden Firmen der Branche bleiben.“ Deshalb werde weiter investiert. Für rund 350 Millionen Euro soll in Freiberg in den kommenden zwei Jahren eine weitere Fabrik entstehen. Die Solar- Industrie werde in den nächsten Jahren wieder jährlich 20 bis 30 Prozent wachsen, erklärte Asbeck.

Bankenkrise deutlich spürbar

„Die Bankenkrise ist deutlich zu spüren“, räumte Matthias Gerhardt, Vertriebschef der Signet Solar AG aus Mochau bei Döbeln ein. „Die Banken prüfen jetzt genauer.“ Das 2006 im Silicon Valley in den USA gegründete Unternehmen hat 2008 in Sachsen für 50 Millionen Euro ein Werk gebaut. In den vergangenen Monaten wurde die Produktion von großformatigen Dünnschicht-Solarmodulen auf Glas hochgefahren.

Nach den Plänen von Signet Solar soll die Zahl der Mitarbeiter von derzeit 140 perspektivisch auf 400 steigen. Im kommenden Jahr soll noch eine Logistik-Zentrum und bis Ende 2010 ein zweites Fabrikgebäude entstehen. Gerhardt zufolge hat sich der Zeitablauf der Investition wegen der Bankenkrise um bis zu vier Monate verzögert. „Bislang sind die sächsischen Solar-Unternehmen vergleichsweise gut durch die Krise gekommen“, attestierte der Geschäftsführer des Bundesverbandes Solarwirtschaft, Carsten Körnig. Aber auch sie könnten sich nicht gänzlich der Finanzkrise entziehen. „Dies betrifft vor allem das Projektgeschäft, das völlig zu Unrecht die Auswirkungen der restriktiven Kreditvergabe-Praxis bei den Banken zu spüren bekommt.“ Das sei der aktuellen allgemeinen Unsicherheit im Finanzsystem geschuldet und rational nicht nachvollziehbar.

„Die Dynamik der vergangenen Jahre wird sich nicht fortsetzen“, betonte Randolf Schließer von der Verbundinitiative Industrielles Netzwerk Erneuerbare Energien Sachsen. Aber selbst wenn die Solar-Branche im nächsten Jahr nur eine „schwarze Null“ schreiben sollte, werde sie immer noch vergleichsweise gut dastehen.

Umfrage: Ralf Hübner, dpa


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