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Riesa
Freitag, 10. September 2010
(Sächsische Zeitung)

Wieder Ärger um den Zirkus im kleinen Dorf Groptitz

Von Thomas Trappe

In dem Ortsteil der Gemeinde Stauchitz sind drei Zirkusse gemeldet. Aber nur einer macht immer wieder Probleme.

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Nach seinem Unfall bei einem Gastspiel in Aue liegt Artist Benito mit Knochenbrüchen im Krankenhaus. Das Unternehmen seiner Familie, der „Circus Arena“, ist auch in Groptitz zu Hause, macht aber keinen Ärger. Foto: CMP/Norbert Fleischer

Riesa. Nach dem Unfall eines Zirkusartisten in Aue (SZ berichtete) richten sich die Blicke in ein kleines Dorf in der Nähe von Riesa. Denn nicht nur der „Circus Arena“ des Artisten ist in dem kaum hundert Einwohner zählenden Groptitz gemeldet. Sondern auch der „Zirkus Frankello“ und „Africas Big Circus“. Vor allem Letzterer macht dem Dorf immer wieder Ärger.

Groptitz gehört zum Ort Stauchitz. Dessen Bürgermeister Peter Geißler (parteilos) hält die Anwesenheit von drei Zirkussen in seinem Dorf kaum für spektakulär. Kontakt hat Geißler regelmäßig nur mit dem „Circus Arena“ und dem „Zirkus Frankello“. Die zwei Brüder mit ihren 40 Verwandten hätten dort ihr Winterquartier und meldeten sich regelmäßig bei der Gemeindeverwaltung, so Geißler. Der Dritte, „Africas Big Circus“, sei dagegen eigentlich nicht mehr präsent.

Alle drei Zirkusse sind familiär verbunden. So erklärte Big-Circus-Chef Hardy Weisheit, dass er ein entfernter Verwandter der beiden Brüder sei, die die zwei anderen Zirkusse betreiben. Das bestreitet Georg Frank, Betreiber des „Circus Arena“. Bezeichnenderweise legt er Wert darauf, nicht mit Hardy Weisheit in Verbindung gebracht zu werden.

Scham überrascht kaum

Die Scham der Verwandten scheint bei einem Blick auf die Chronik des „Big Circus“ nicht weiter überraschend. Der jüngste Auftritt im hessischen Hofheim kann beruhigt als exemplarisch bezeichnet werden. Dort sorgte der Zirkus für „einen bleibenden Eindruck“, berichtet Stadtsprecherin Iris Bernadelli.

In Hofheim kam der Zirkus bei seinem Besuch im Frühjahr nicht nur einen Tag früher an als angemeldet. Laut Sprecherin Bernadelli verschafften sich Weisheit und seine Truppe dort auch illegal Zutritt zur Drachenwiese, eine Festwiese etwas außerhalb des Ortes. Leider hätten sich die Zirkusleute dann mit schwerem Gerät nicht auf dem betonierten Parkplatz, sondern auf der angrenzenden Wiese niedergelassen. Nach einer Woche Regen habe es dort entsprechend ausgesehen. Hardy Weisheit ärgert sich sehr über diese Darstellung. Er habe nicht gewusst, dass es sich bei der Drachenwiese wirklich um eine Wiese handelt, schließlich gebe es in anderen Städten auch betonierte Festwiesen. Nach einer Woche Regen und der anschließenden Abfahrt habe es dann tatsächlich wie durchgepflügt auf der Drachenwiese ausgesehen, räumte er gegenüber der SZ ein. Aber deswegen habe er ja dann auch einen Trupp entsandt, der mit einem Traktor und einer Walze die Wiese repariert habe. Dass er das Geld, das die Stadt wegen des „angeblichen Schadens“ nun fordert, nicht zahlt, sei ja wohl verständlich, sagte er.

Nur Opfer einer Kampagne?

Wie in Hofheim läuft es anscheinend auch in anderen Kommunen. So schlecht die Erfahrungen der örtlichen Ordnungsämter sind – auch zum Beispiel in Stuttgart „will man so einen Zirkus nicht mehr in der Stadt haben“ – so unbeanstandet ist meist der Anmeldevorgang im Vorfeld des Besuchs. In Hofheim seien „alle nötigen Unterlagen vorgelegt“ worden, erklärte die Sprecherin. Gezeigt werden müssten meist ja nur die Bescheinigungen zur ordnungsgemäßen Tierhaltung. Und die hat der Zirkus auch dank des Riesaer Amtes, wohin die betroffenen Ordnungsämter ihren Fingerzeig richten.

Und das ist das Dilemma. Hans-Jörg Klaue vom Veterinäramt in Meißen erteilte 2003 die Genehmigung für den Zirkus. Und sieht auch bis heute keinen Grund, diese zurückzunehmen. Die Auffälligkeiten von „Africas Big Circus“ seien meist ordnungsrechtlicher Natur. Die Ordnungsämter der Städte seien in der Pflicht, er könne dem Zirkus „nicht hinterher reisen“.

Hardy Weisheit sieht sich nun als Opfer einer Kampagne von fundamentalistischen Tierschützern und verweist auf Städte wie Fulda und Bad Kissingen, die ihm bescheinigten, dass sein Zirkus einen guten Eindruck hinterlassen habe. Einzelne Vorfälle würden grundlos aufgebauscht, so Weisheit.

Was auch immer die Wahrheit ist, eins steht fest: Die Groptitzer Verwandtschaft bleibt auf Distanz. Und sie hofft auf die baldige Genesung ihres Artisten Benito, dem es schon besser gehen soll, so Großvater und Zirkusdirektor Georg Frank.



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