Sport
Donnerstag, 21. Januar 2010
(Sächsische Zeitung)
(Sächsische Zeitung)
Savchenko/Szolkowy verpassen EM-Titel
Von Britta Körber
Das Chemnitzer Duo muss sich Kawaguti/Smirnow aus Russland geschlagen geben.
Die Chemnitzer Aljona Savchenko/Robin Szolkowy zeigten bei der Paarlauf-Entscheidung eine gute, aber nicht ganz fehlerfreie Kür. Foto: AP/Iwan Sekretarew
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Generalprobe misslungen, Titel nicht verteidigt : Als Vize-Europameister fliegen Aljona Savchenko und Robin Szolkowy zu den Winterspielen von Vancouver. Die Weltmeister aus Chemnitz holten sich in Tallinn die EM-Silbermedaille und konnten damit drei Wochen vor der olympischen Paarlauf-Entscheidung noch kein sportliches Ausrufezeichen setzen.
Nach einer geschmeidigen, aber wackligen Vorstellung mussten die Sachsen gestern Abend mit nur 211,72 Punkten die Russen Yuko Kawaguchi/Alexander Smirnow (213,15) an sich vorbeiziehen lassen und holten Paarlauf-Silber. Bronze ging an Maria Muchortowa/Maxim Trankow (Russland/202,03). Die deutschen Vizemeister Maylin Hausch und Daniel Wende (Oberstdorf/Essen) beendeten den Wettbewerb als Neunte und vertreten zusammen mit Savchenko/Szolkowy die deutschen Farben in Vancouver.
Trainer Ingo Steuer machte an der Bande ein angespanntes Gesicht und tröstete die Chemnitzer, die nach einer eindrucksvollen Kurzkür am Vortag Schwächen gezeigt hatten. „Sie waren gut im Training, aber es hat nicht gereicht. Schade, denn sie wurden nach Aljonas überstandener Grippe nach dem Jahreswechsel wieder von Tag zu Tag sicherer“, sagte Steuer. Der Ex-Weltmeister weiß, dass gegen die starke chinesische Konkurrenz Olympia-Gold noch schwerer zu erreichen sein wird.
Steuer stellte gestern bei der EM klar, unter den derzeitigen erschwerten Bedingungen ohne öffentliche Zuschüsse kein neues deutsches Paar mehr trainieren zu wollen. „Das tue ich mir nicht mehr an“, sagte Steuer, der trotz seiner Stasi-Vergangenheit auf eine Nominierung ohne Wenn und Aber für die Spiele in Vancouver hofft.
Steuer: deutsche Paare tabu
Die Anfragen aus dem Ausland stapeln sich, deutsche Eislaufpaare sind für Steuer jedoch in Zukunft tabu. „Unter den gegebenen Voraussetzungen trainiere ich kein deutsches Paar mehr, das tue ich mir nicht mehr an“, erklärte der Chemnitzer in Tallinn.
Der 43-Jährige hat sich zu einem der besten Paarlauf-Trainer der Welt hochgearbeitet. Wegen seiner Stasi-Vergangenheit als „IM Torsten“ darf die klamme Deutsche Eislauf-Union jedoch keine Bundesmittel für ihn verwenden. Steuer ist ganz von seinen Schützlingen abhängig. Zwar könnte es sein, dass Savchenko/Szolkowy noch ein oder zwei Jahre dranhängen, doch danach will er nur noch für andere Eislauf-Nationen arbeiten.
Trotzdem sehnt kaum einer die Einkleidung für die Winterspiele so sehr herbei wie er. „Die Jacken aus der Schweiz und der Ukraine waren kein Problem, zur Not ziehe ich eine von ihnen an“, sagt der international tätige Coach in seiner zynischen Art am Rande der EM in Tallinn.
Doch hinter dem Spruch steckt viel mehr: Wenn der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) morgen den zweiten Teil seines Teams für Vancouver nominiert, möchte er ohne Wenn und Aber dabei sein. Schwarz-Rot-Gold will er mit Stolz tragen, genauso wie er stets seine Heimatliebe zu Chemnitz betont und Angebote aus dem Ausland ausschlägt.
Aus sportlicher Sicht ist alles klar. Seine Doppel-Weltmeister Aljona Savchenko und Robin Szolkowy gelten als Medaillen-Kandidaten für den 15. Februar im Pacific Coliseum. Ein kleines Fragezeichen bleibt dennoch, weil kein Funktionär sich bisher aus der Deckung wagte und die Stasi-Problematik für abgehakt erklärte. Dabei will niemand an das Desaster von 2006 erinnert werden, als kurz vor den Spielen in Turin das Thema publik wurde, Steuer sich die Akkreditierung erklagte und sein entnervtes Paar weit unter Wert nur auf Rang sechs kam. Ausländische Interessenten für Steuers Dienste gibt es bereits genug.
Erste Interessenten sind da
Die Schweizer Anais Morand/Antoine Dorsaz sind noch jung und zahlen gut. Der Ukrainer Stanislaw Morosow hört auf, und Steuer wird mit der hoch talentierten Tatjana Wolossoschar ein neues Paar zusammenstellen. Zehn Partner reißen sich um die 23-Jährige, Steuer wird den besten aussuchen – mit Sicherheit aber keinen deutschen, um 2014 in Sotschi auf dem Treppchen zu stehen.
„Eigentlich ist es sehr schade, denn die deutschen Sportler werden bestraft“, findet der Ex-Weltmeister, der die Hoffnung auf eine Anerkennung in Deutschland aber noch nicht aufgegeben hat: „Das wird schon irgendwann.“ Seine Sicht wird Steuer demnächst als Buch herausbringen. Zum Frühjahr soll „Eiszeiten“ erscheinen, bis dahin gibt er auf der gerade fertiggestellten Webseite „eis-zeiten.de“ Auskunft über seine Projekte.
Im Frühjahr muss auch das leidige Streitthema um die finanziellen Forderungen von Steuer, Savchenko und Szolkowy an den deutschen Verband geklärt werden. Die von dem Trio geforderten 250 000 Euro kann der kleine Wintersport-Verband niemals aufbringen, die gemeinsame Sponsorensuche scheiterte auch am Entgegenkommen der Sachsen. (dpa)
Nach einer geschmeidigen, aber wackligen Vorstellung mussten die Sachsen gestern Abend mit nur 211,72 Punkten die Russen Yuko Kawaguchi/Alexander Smirnow (213,15) an sich vorbeiziehen lassen und holten Paarlauf-Silber. Bronze ging an Maria Muchortowa/Maxim Trankow (Russland/202,03). Die deutschen Vizemeister Maylin Hausch und Daniel Wende (Oberstdorf/Essen) beendeten den Wettbewerb als Neunte und vertreten zusammen mit Savchenko/Szolkowy die deutschen Farben in Vancouver.
Trainer Ingo Steuer machte an der Bande ein angespanntes Gesicht und tröstete die Chemnitzer, die nach einer eindrucksvollen Kurzkür am Vortag Schwächen gezeigt hatten. „Sie waren gut im Training, aber es hat nicht gereicht. Schade, denn sie wurden nach Aljonas überstandener Grippe nach dem Jahreswechsel wieder von Tag zu Tag sicherer“, sagte Steuer. Der Ex-Weltmeister weiß, dass gegen die starke chinesische Konkurrenz Olympia-Gold noch schwerer zu erreichen sein wird.
Steuer stellte gestern bei der EM klar, unter den derzeitigen erschwerten Bedingungen ohne öffentliche Zuschüsse kein neues deutsches Paar mehr trainieren zu wollen. „Das tue ich mir nicht mehr an“, sagte Steuer, der trotz seiner Stasi-Vergangenheit auf eine Nominierung ohne Wenn und Aber für die Spiele in Vancouver hofft.
Steuer: deutsche Paare tabu
Die Anfragen aus dem Ausland stapeln sich, deutsche Eislaufpaare sind für Steuer jedoch in Zukunft tabu. „Unter den gegebenen Voraussetzungen trainiere ich kein deutsches Paar mehr, das tue ich mir nicht mehr an“, erklärte der Chemnitzer in Tallinn.
Der 43-Jährige hat sich zu einem der besten Paarlauf-Trainer der Welt hochgearbeitet. Wegen seiner Stasi-Vergangenheit als „IM Torsten“ darf die klamme Deutsche Eislauf-Union jedoch keine Bundesmittel für ihn verwenden. Steuer ist ganz von seinen Schützlingen abhängig. Zwar könnte es sein, dass Savchenko/Szolkowy noch ein oder zwei Jahre dranhängen, doch danach will er nur noch für andere Eislauf-Nationen arbeiten.
Trotzdem sehnt kaum einer die Einkleidung für die Winterspiele so sehr herbei wie er. „Die Jacken aus der Schweiz und der Ukraine waren kein Problem, zur Not ziehe ich eine von ihnen an“, sagt der international tätige Coach in seiner zynischen Art am Rande der EM in Tallinn.
Doch hinter dem Spruch steckt viel mehr: Wenn der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) morgen den zweiten Teil seines Teams für Vancouver nominiert, möchte er ohne Wenn und Aber dabei sein. Schwarz-Rot-Gold will er mit Stolz tragen, genauso wie er stets seine Heimatliebe zu Chemnitz betont und Angebote aus dem Ausland ausschlägt.
Aus sportlicher Sicht ist alles klar. Seine Doppel-Weltmeister Aljona Savchenko und Robin Szolkowy gelten als Medaillen-Kandidaten für den 15. Februar im Pacific Coliseum. Ein kleines Fragezeichen bleibt dennoch, weil kein Funktionär sich bisher aus der Deckung wagte und die Stasi-Problematik für abgehakt erklärte. Dabei will niemand an das Desaster von 2006 erinnert werden, als kurz vor den Spielen in Turin das Thema publik wurde, Steuer sich die Akkreditierung erklagte und sein entnervtes Paar weit unter Wert nur auf Rang sechs kam. Ausländische Interessenten für Steuers Dienste gibt es bereits genug.
Erste Interessenten sind da
Die Schweizer Anais Morand/Antoine Dorsaz sind noch jung und zahlen gut. Der Ukrainer Stanislaw Morosow hört auf, und Steuer wird mit der hoch talentierten Tatjana Wolossoschar ein neues Paar zusammenstellen. Zehn Partner reißen sich um die 23-Jährige, Steuer wird den besten aussuchen – mit Sicherheit aber keinen deutschen, um 2014 in Sotschi auf dem Treppchen zu stehen.
„Eigentlich ist es sehr schade, denn die deutschen Sportler werden bestraft“, findet der Ex-Weltmeister, der die Hoffnung auf eine Anerkennung in Deutschland aber noch nicht aufgegeben hat: „Das wird schon irgendwann.“ Seine Sicht wird Steuer demnächst als Buch herausbringen. Zum Frühjahr soll „Eiszeiten“ erscheinen, bis dahin gibt er auf der gerade fertiggestellten Webseite „eis-zeiten.de“ Auskunft über seine Projekte.
Im Frühjahr muss auch das leidige Streitthema um die finanziellen Forderungen von Steuer, Savchenko und Szolkowy an den deutschen Verband geklärt werden. Die von dem Trio geforderten 250 000 Euro kann der kleine Wintersport-Verband niemals aufbringen, die gemeinsame Sponsorensuche scheiterte auch am Entgegenkommen der Sachsen. (dpa)







