Ratgeber
Samstag, 23. Juni 2007
(Sächsische Zeitung)
(Sächsische Zeitung)
Wechselhaftes Klima im Fonds
Von Berti Kolbow
Ein gutes Gewissen ist ein schlechter Trost, wenn man mit Öko-Anlagen sein Geld verliert.
Immer mehr Fonds und Zertifikate zieren sich mit Begriffen wie „nachhaltig“, „öko“ oder „Klima“: Die Investmentbranche hat den Klimawandel entdeckt. „Sein Geld vermehren und dabei Gutes tun“, lautet die verlockende Werbebotschaft. Doch Anleger sollten bei den „grünen“ Anlageprodukten wählerisch sein, gesunde Skepsis bewahren und die Grundregeln der Vermögensanlage nicht außer Acht lassen.
„Anleger müssen sich über ihre Risikobereitschaft im Klaren sein, auch bei nachhaltigen Investments“, sagt der Finanzexperte der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen, Thomas Bieler. Damit sind Geldanlagen gemeint, die sich an ökologischen, ethischen oder sozialen Kriterien orientieren. Die allgemeine Umwelteuphorie sei ein schlechter Ratgeber und sollte zu nichts verleiten, was nicht dem eigenen Anlageprofil entspricht. So seien für risikoscheue Zeitgenossen eng geschnittene Themenfonds und -zertifikate ein Tabu. Deren Kurse schwankten stark.
Auf die Mischung kommt es an
Das betrifft derzeit vor allem Wertpapiere, die sich stark auf börsennotierte Unternehmen der Branchen Neue Energien, Umwelttechnik sowie Wasserversorgung und -aufbereitung konzentrieren. „Solche Papiere sollten dem Depot nur beigemischt werden und nicht mehr als zehn Prozent ausmachen“, empfiehlt Karin Baur von der Stiftung Warentest. Für vorsichtigere Anleger, die in „grüne“ Produkte investieren wollen, gilt: Die Mischung macht‘s. Breit aufgestellte Aktien-, Renten- oder Mischfonds seien die bessere Wahl.
Die „innere Befriedigung“ nennt das Forum Nachhaltige Geldanlage als Vorteil von nachhaltigen Geldanlagen gegenüber konventionellen Investments. Doch nicht jedes Produkt ist so sauber, wie es sich Anleger wünschen. Häufig orientieren sich die Fondsmanager am Best-in-Class-Ansatz, bei dem sie die jeweils Branchenbesten herauspicken. „Jedes Fondsmanagement variiert ihn ein wenig. Eine einheitliche Definition von nachhaltigen Investments gibt es zu Recht nicht. Der Anleger muss selbst entscheiden, inwiefern das Produkt seinen Prinzipien entspricht“, erläutert Paschen von Flotow, Leiter des Sustainable Business Institut an der European Business School in Oestrich-Winkel.
Geld verdienen und die Umwelt schützen, suggeriert manches Finanzkonzept. Rund 140 nachhaltige Fonds sind im deutschsprachigen Raum zugelassen. Diesen Aspekt sollten Anleger aber nicht überbewerten. „In der Investmentbranche gehört Klappern zum Handwerk. Trendthemen vermarkten sich leichter, zurzeit ist eben der Klimawandel dran“, sagt Verbraucherschützer Bieler. „Zunächst einmal gibt man das Geld dem vorherigen Besitzer des Wertpapiers. Das gilt besonders beim Kauf von Einzelaktien und Zertifikaten, aber auch bei Fonds“, gibt Jörg Weber vom Branchendienst „Eco-Reporter.de“ zu bedenken. Bei der Anlageentscheidung sollten generell nicht nur ideelle Überlegungen eine Rolle spielen: „Ein gutes Gewissen ist ein schwacher Trost, wenn man Geld verliert.“
Qualität über längere Zeit
So nutzen manche unseriöse Finanzvertriebe den Idealismus einiger Anleger aus: „Die Vermittlung ausländischer Aktien zu überhöhten Preisen ist eine beliebte Masche“, warnt Weber. Die Kontaktaufnahme erfolgt meist per Telefon. Anleger sollten sich in solchen Fällen vor Finanzgeschäften in Acht nehmen. Auch manche geschlossene Ökofonds, die das Geld jahrelang in allzu exotischen Nischen wie der Holzwirtschaft binden, sollten Anleger mit Vorsicht genießen.
Im Fonds-Dauertest der Zeitschrift „Finanztest“ haben sich zum Beispiel die nach strengen Maßstäben anlegenden Produkte Öko-Vision und Green Effects NAI-Werte gut behauptet. Der Naturaktienindex (NAI), an dem sich letztgenannter Fonds orientiert, ist in der Branche die wohl konsequenteste Umsetzung der Idee, Geld nach ethisch-ökologischen Kriterien anzulegen. Auf Sicht von zehn Jahren wird sogar der Deutsche Aktienindex um Längen geschlagen. Auch bei der „grünen“ Geldanlage sollten Investoren generell zu Papieren greifen, die ihre Qualität über einen längeren Zeitraum demonstriert haben, also ab drei Jahren. Neue Anlageprodukte müssen diesen Beweis erst einmal erbringen. (dpa)
www.forum-ng.de
www.ecoreporter.de
www.nachhaltiges-investment.org www.stiftung-warentest.de
„Anleger müssen sich über ihre Risikobereitschaft im Klaren sein, auch bei nachhaltigen Investments“, sagt der Finanzexperte der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen, Thomas Bieler. Damit sind Geldanlagen gemeint, die sich an ökologischen, ethischen oder sozialen Kriterien orientieren. Die allgemeine Umwelteuphorie sei ein schlechter Ratgeber und sollte zu nichts verleiten, was nicht dem eigenen Anlageprofil entspricht. So seien für risikoscheue Zeitgenossen eng geschnittene Themenfonds und -zertifikate ein Tabu. Deren Kurse schwankten stark.
Auf die Mischung kommt es an
Das betrifft derzeit vor allem Wertpapiere, die sich stark auf börsennotierte Unternehmen der Branchen Neue Energien, Umwelttechnik sowie Wasserversorgung und -aufbereitung konzentrieren. „Solche Papiere sollten dem Depot nur beigemischt werden und nicht mehr als zehn Prozent ausmachen“, empfiehlt Karin Baur von der Stiftung Warentest. Für vorsichtigere Anleger, die in „grüne“ Produkte investieren wollen, gilt: Die Mischung macht‘s. Breit aufgestellte Aktien-, Renten- oder Mischfonds seien die bessere Wahl.
Die „innere Befriedigung“ nennt das Forum Nachhaltige Geldanlage als Vorteil von nachhaltigen Geldanlagen gegenüber konventionellen Investments. Doch nicht jedes Produkt ist so sauber, wie es sich Anleger wünschen. Häufig orientieren sich die Fondsmanager am Best-in-Class-Ansatz, bei dem sie die jeweils Branchenbesten herauspicken. „Jedes Fondsmanagement variiert ihn ein wenig. Eine einheitliche Definition von nachhaltigen Investments gibt es zu Recht nicht. Der Anleger muss selbst entscheiden, inwiefern das Produkt seinen Prinzipien entspricht“, erläutert Paschen von Flotow, Leiter des Sustainable Business Institut an der European Business School in Oestrich-Winkel.
Geld verdienen und die Umwelt schützen, suggeriert manches Finanzkonzept. Rund 140 nachhaltige Fonds sind im deutschsprachigen Raum zugelassen. Diesen Aspekt sollten Anleger aber nicht überbewerten. „In der Investmentbranche gehört Klappern zum Handwerk. Trendthemen vermarkten sich leichter, zurzeit ist eben der Klimawandel dran“, sagt Verbraucherschützer Bieler. „Zunächst einmal gibt man das Geld dem vorherigen Besitzer des Wertpapiers. Das gilt besonders beim Kauf von Einzelaktien und Zertifikaten, aber auch bei Fonds“, gibt Jörg Weber vom Branchendienst „Eco-Reporter.de“ zu bedenken. Bei der Anlageentscheidung sollten generell nicht nur ideelle Überlegungen eine Rolle spielen: „Ein gutes Gewissen ist ein schwacher Trost, wenn man Geld verliert.“
Qualität über längere Zeit
So nutzen manche unseriöse Finanzvertriebe den Idealismus einiger Anleger aus: „Die Vermittlung ausländischer Aktien zu überhöhten Preisen ist eine beliebte Masche“, warnt Weber. Die Kontaktaufnahme erfolgt meist per Telefon. Anleger sollten sich in solchen Fällen vor Finanzgeschäften in Acht nehmen. Auch manche geschlossene Ökofonds, die das Geld jahrelang in allzu exotischen Nischen wie der Holzwirtschaft binden, sollten Anleger mit Vorsicht genießen.
Im Fonds-Dauertest der Zeitschrift „Finanztest“ haben sich zum Beispiel die nach strengen Maßstäben anlegenden Produkte Öko-Vision und Green Effects NAI-Werte gut behauptet. Der Naturaktienindex (NAI), an dem sich letztgenannter Fonds orientiert, ist in der Branche die wohl konsequenteste Umsetzung der Idee, Geld nach ethisch-ökologischen Kriterien anzulegen. Auf Sicht von zehn Jahren wird sogar der Deutsche Aktienindex um Längen geschlagen. Auch bei der „grünen“ Geldanlage sollten Investoren generell zu Papieren greifen, die ihre Qualität über einen längeren Zeitraum demonstriert haben, also ab drei Jahren. Neue Anlageprodukte müssen diesen Beweis erst einmal erbringen. (dpa)
www.forum-ng.de
www.ecoreporter.de
www.nachhaltiges-investment.org www.stiftung-warentest.de








