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Ratgeber
Freitag, 3. Februar 2012
(Sächsische Zeitung)

Die neue Facebook-Zeitleiste Top oder Flop?

Von Andreas Rentsch

Nutzer sollen bald ihr ganzes Leben im Netz erzählen. Das hat Vorteile. Doch die Mehrheit findet die Chronik beängstigend – und das nicht ohne Grund.

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So sieht die Seite aus, auf der Facebook die Vorzüge seiner neuen Chronik („Timeline“) preist. Als Beispielnutzer muss Mitarbeiter Matt Brown herhalten. Screenshots: sz-online

Facebook will’s wissen: Die gewohnten Nutzerprofile im weltgrößten Online-Netzwerk werden in diesen Tagen abgeschafft. Stattdessen ersetzt der Konzern die Pinnwand durch eine Zeitleiste. Die soll zur digitalen Chronik („Timeline“) des eigenen Lebens werden. Bisher konnte man wählen, ob man sein Profil umstellen möchte oder nicht. Das geht jetzt nicht mehr: Facebook hat entschieden, das System zwangsweise zu renovieren. Die Nutzer müssen sich entweder umgewöhnen – oder abmelden. Keine leichte Entscheidung.

Was verändert sich mit der Facebook-Chronik?

Vieles, sowohl strukturell als auch optisch. Zusätzlich zum Profilbild kann man jetzt ein fast seitenbreites Querformat einbinden – laut Facebook möglichst ein besonderes Foto, „das dich am besten darstellt“. Ideal sind 815 mal 315 Pixel. Im Seitenkopf stehen zudem persönliche Angaben – Job, Ausbildung, Wohnort, Beziehungsstatus – und vier Fenster, in denen die Facebook-Freunde, Bilder, Aufenthaltsorte und „Gefällt mir“-Klicks zusammengefasst werden. Darunter startet der Zeitstrahl. Links und rechts davon stehen die aktuellen Aktivitäten oder Inhalte, immer zu Blöcken komprimiert. Je weiter man nach unten geht, desto älter die Einträge. Der Zeitstrahl endet mit der Geburt. Künftig kann man per Mausklick in der Chronik zu jedem Datum springen, um zu schauen, was ein Nutzer damals geschrieben, hochgeladen oder geteilt hat. Auch lange zurückliegende Inhalte des virtuellen Lebenslaufs sind nun leicht zu recherchieren. Der rheinland-pfälzische Datenschützer Edgar Wagner sieht darin eine „Ausbeutung der Privatsphäre“.

Woran merke ich, dass mein Profil umgeschaltet wird?

Facebook benachrichtigt Nutzer, wenn es los geht. Von da an hat man noch sieben Tage bis zur Freischaltung. Diese Frist gilt auch für Nutzer, die freiwillig umschalten. In dieser Zeit sollte man kontrollieren, wie das eigene Profil für andere aussieht – und gegebenenfalls Inhalte löschen oder hinzuzufügen.

Wie lösche oder verberge ich Beiträge in der Chronik?

Dazu klickt man im Seitenkopf auf „Informationen bearbeiten“. Wer Beiträge verbergen will, geht ins Aktivitätenprotokoll direkt daneben. Kleine Kreise zeigen, dass die jeweiligen Beiträge zunächst standardmäßig für die Chronik zugelassen sind. Klickt man darauf, kann man das ändern. Möglich ist auch, einzelne Punkte hervorzuheben.

Auf die Privatsphäre-Einstellungen hat der Wechsel zur Chronik keine Auswirkungen. Es empfiehlt sich aber, das Publikum für ältere Beiträge zu beschränken. Gerade wenn man schon lange bei Facebook ist und anfangs nicht abzusehen war, wie viele Kontakte sich eines Tages ansammeln würden.

Kann ich die Chronik auch wieder deaktivieren?

Nein. Es werden aber derzeit auf Facebook Apps angeboten, die genau das bewerkstelligen sollen. „Dahinter steckt dann meist eine Abofalle, Spam oder andere Abzocke“, warnt Philipp Roth, Gründer des Blogs allfacebook.de.

Was ändert sich derzeit noch auf Facebook?

Die Betreiber der Seite führen eine neue, reibungslose Form des Teilens von Inhalten ein. Dieses „Frictionless Sharing“ läuft über Apps, die mit Facebook verbunden sind. Hört man Musik, liest man Nachrichten oder schaut Filme über solche Dienste, melden die es direkt an das soziale Netzwerk – und es wird in der Liste der eigenen Aktivitäten angezeigt. Der „Gefällt mir“-Knopf wird damit überflüssig. Allerdings muss man bei Inbetriebnahme einer solche App zustimmen.

Wie erfahre ich, welche Daten Facebook von mir speichert?

Dazu muss man unter „Kontoeinstellungen“ die Schaltfläche „Lade eine Kopie deiner Facebook-Daten anklicken. Dort wird auch aufgeführt, was in der Datei enthalten ist: geteilte Fotos oder Videos, Pinnwandeinträge, Nachrichten, Chatprotokolle, Namen von Freunden, teils mit Mail-Adressen. Andere Daten, etwa Kommentare, die man zu Beiträgen anderer Personen hinterlassen hat, fehlen dagegen.

Wie reagieren die Nutzer auf die neuen Profile?

Eine Umfrage des Softwaredienstleisters Sophos ergab, dass mehr als die Hälfte aller Facebook-Mitglieder die Chronik beängstigend finden. Ein Drittel der Nutzer weiß demnach nicht mehr, warum sie noch auf Facebook sind. Acht Prozent gaben an, ihnen gefalle die Chronik. Die übrigen erklärten, sie würden sich schon noch daran gewöhnen. Auch Branchenexperten raten zur Vorsicht: „Es gibt gute Gründe, erst einmal innezuhalten, anstatt die Chronik begeistert als gänzlich positive Neuerung anzunehmen“, sagt IT-Blogger Graham Cluley.

Wer sich abmelden will, muss in den Hilfebereich gehen und das Suchwort „löschen“ eintippen. Auf der ersten Ergebnisseite wird erklärt, wie man sich von Facebook verabschiedet, und der Link dazu angeboten. Alternativ kann man sein Profil auch deaktivieren.

Fazit

Facebook bleibt sich treu und versucht immer eifriger, möglichst viele Nutzerdaten zu sammeln. Die Chronik ist das neueste Werkzeug dafür. Noch viel mehr von dem, was man täglich tut, soll sich im eigenen Aktivitätenprotokoll wiederfinden. Gleichzeitig lässt sich dieses virtuelle Tagebuch komfortabler durchstöbern. Nur: Wer will ständig mit den ollen Kamellen konfrontiert werden?



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