Politik
Donnerstag, 1. Dezember 2011
(Sächsische Zeitung)
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IM BLICKPUNKT
Steiler Aufstieg nach harten Lehrjahren
Von Georg Ismar
Die SPD-Politikerin Aydan Özoguz wird die erste Vize-Chefin der SPD mit türkischen Wurzeln.
Aydan Özoguz hat harte Lehrjahre in der Politik hinter sich. „Es war eine bedrückende Zeit“, sagt die künftige SPD-Vizevorsitzende über ihre Anfangszeit als Abgeordnete in der Hamburger Bürgerschaft. Grund war der Rechtspopulist Ronald Schill, der von 2001 bis 2003 Innensenator war. In Ausschüssen sei oft versucht worden, Leute einzuschüchtern. „Ich habe zudem regelmäßig rassistische Briefe in mein Postfach bekommen“, erzählt die Tochter türkischer Kaufleute. „Das war eine Zeit, in der man das Gefühl bekam, jetzt wird das salonfähig. Immerhin hatte ein Fünftel der Hamburger diesen Schill gewählt“, betont die Hamburgerin.
Özoguz soll beim SPD-Bundesparteitag an diesem Montag zur ersten stellvertretenden Parteivorsitzenden mit türkischen Wurzeln in der rund 150-jährigen Geschichte der deutschen Sozialdemokratie gewählt werden. Im Parteivorstand müssen künftig 15 Prozent der Mitglieder ausländische Wurzeln haben. Daher musste ein fünfter Vizeposten her für jemanden mit Migrationshintergrund. Die 44-Jährige, die mit dem Hamburger Innensenator Michael Neumann (SPD) verheiratet ist, sitzt erst seit 2009 im Bundestag.
In der Fraktion ist Özoguz dafür zuständig, Vorschläge für eine Integrationspolitik im Falle eines Regierungswechsels 2013 zu erarbeiten. Mit Blick auf die migrantenkritischen Aussagen des SPD-Politikers Thilo Sarrazin zeigt sie sich besorgt. „Da ist eine große Zahl an Büchern, die in eine ähnliche Richtung geht, nur nicht ganz so viel Aufmerksamkeit bekommt“, sagt sie. „Ich glaube, dass sich unbemerkt und unbewusst durchaus in Teilen der Gesellschaft Gedanken in eine Richtung bewegen, die andere Religionen und Kulturkreise diskriminieren oder auch ausgrenzen.“
Sie findet es bedauerlich, dass sie nun auch immer wieder auf ihre Brüder Yavuz und Gürhan angesprochen wird. Die betreiben das Portal „Muslim-Markt“, ihnen werden etwa mit Blick auf Israel teils radikale Ansichten vorgeworfen. „Meine Brüder sind meine Brüder, und man soll mich nachdem beurteilen, was ich mache“, sagt Özoguz. „Ich teile ihre politische Auffassung nicht.“ Sippenhaft dürfe es doch in diesem Land wirklich nicht mehr geben.
Özoguz bewegt sich noch etwas schüchtern im Scheinwerferlicht des Berliner Politikbetriebs. „Ich finde, dass die Quote nicht ein Allheilmittel sein sollte“, sagt sie. Dennoch könnte ihre Wahl ein Signal sein, um Migranten in der Politik sichtbarer werden zu lassen. „Manchmal ist es wichtig, ein paar Türen aufzustoßen“, sagt sie. (dpa)
Özoguz soll beim SPD-Bundesparteitag an diesem Montag zur ersten stellvertretenden Parteivorsitzenden mit türkischen Wurzeln in der rund 150-jährigen Geschichte der deutschen Sozialdemokratie gewählt werden. Im Parteivorstand müssen künftig 15 Prozent der Mitglieder ausländische Wurzeln haben. Daher musste ein fünfter Vizeposten her für jemanden mit Migrationshintergrund. Die 44-Jährige, die mit dem Hamburger Innensenator Michael Neumann (SPD) verheiratet ist, sitzt erst seit 2009 im Bundestag.
In der Fraktion ist Özoguz dafür zuständig, Vorschläge für eine Integrationspolitik im Falle eines Regierungswechsels 2013 zu erarbeiten. Mit Blick auf die migrantenkritischen Aussagen des SPD-Politikers Thilo Sarrazin zeigt sie sich besorgt. „Da ist eine große Zahl an Büchern, die in eine ähnliche Richtung geht, nur nicht ganz so viel Aufmerksamkeit bekommt“, sagt sie. „Ich glaube, dass sich unbemerkt und unbewusst durchaus in Teilen der Gesellschaft Gedanken in eine Richtung bewegen, die andere Religionen und Kulturkreise diskriminieren oder auch ausgrenzen.“
Sie findet es bedauerlich, dass sie nun auch immer wieder auf ihre Brüder Yavuz und Gürhan angesprochen wird. Die betreiben das Portal „Muslim-Markt“, ihnen werden etwa mit Blick auf Israel teils radikale Ansichten vorgeworfen. „Meine Brüder sind meine Brüder, und man soll mich nachdem beurteilen, was ich mache“, sagt Özoguz. „Ich teile ihre politische Auffassung nicht.“ Sippenhaft dürfe es doch in diesem Land wirklich nicht mehr geben.
Özoguz bewegt sich noch etwas schüchtern im Scheinwerferlicht des Berliner Politikbetriebs. „Ich finde, dass die Quote nicht ein Allheilmittel sein sollte“, sagt sie. Dennoch könnte ihre Wahl ein Signal sein, um Migranten in der Politik sichtbarer werden zu lassen. „Manchmal ist es wichtig, ein paar Türen aufzustoßen“, sagt sie. (dpa)








