Politik
Samstag, 4. Februar 2012
(Sächsische Zeitung)
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IM BLICKPUNKT
Immer die Erste
Von Tim Braune, Berlin
Die „Wirtschaftsweise“ Beatrice Weder di Mauro wechselt zur Schweizer Großbank UBS. Dabei geht es nicht nur um Geld.
Geld entspannt sie. Das schrieb Beatrice Weder di Mauro einmal in einem Fragebogen. Bei der Schweizer Großbank UBS dürfte es ihr daran kaum mangeln. Doch man täte der in Deutschland bekanntesten Ökonomin sicher Unrecht, ihren Wechsel in den UBS-Verwaltungsrat nur mit finanziellen Motiven zu begründen.
Weder di Mauro wuchs in Guatemala auf, wo ihr Vater Manager einer Schweizer Chemie-Firma war. Die Armut und die Probleme Lateinamerikas prägen ihren Blick auf die Welt. Nach der Rückkehr in die Heimat überlegt sie als Teenagerin lange, ob sie Biochemie studieren soll. Doch sie entscheidet sich für die Ökonomie. „Als ich in die Schweiz kam, fragte ich mich, warum geht es den Leuten hier so gut, und in Guatemala geht es ihnen so schlecht? Ich hatte ein Problem damit und fand keine einleuchtende Erklärung dafür“, erzählte Weder di Mauro vor Jahren.
Ihre Diplomarbeit schreibt sie über die Schuldenkrise Lateinamerikas. Der Internationale Währungsfonds wird auf sie aufmerksam. 1994 geht sie nach Washington und bekommt gleich einen spannenden Job. Sie ist im Team, das nach dem Kollaps des Ostblocks die Hilfen für das zentralasiatische Land Kirgisistan koordiniert.
Weder di Mauro arbeitet auch für die Weltbank, die Vereinten Nationen und ist als leidenschaftliche Forscherin immer wieder in Basel an der Uni. Im Jahr 2001 wird sie Professorin in Mainz.
Vier Jahre später steht die Frau und Mutter, die sieben Sprachen spricht und die schweizerische und italienische Staatsbürgerschaft besitzt, schlagartig im Rampenlicht. Die Bundesregierung beruft sie in den Sachverständigenrat, der die Spitzenpolitik berät. Weder di Mauro ist im Olymp der Ökonomen angekommen und bricht alle Rekorde. Bei den „Wirtschaftsweisen“ ist sie die Jüngste, die erste Frau und die erste Ausländerin.
Mit Ausbruch der Weltfinanzkrise 2008 wächst das öffentliche Interesse an ökonomischen Zusammenhängen enorm. Im Fernsehen ist die stets elegant gekleidete Professorin mit dem schulterlangen blonden Haar und dem leichten Schweizer Akzent ein geschätzter Gast. Sie kann souverän und auch für Laien gut verständlich die Schuldenkrise und die Euro-Rettung erklären.
Doch nach 20 Jahren steiler Karriere in Wissenschaft und Institutionen dürfte bei der 46-Jährigen der Wunsch nach einer neuen beruflichen Herausforderung groß gewesen sein. Daran dürfte es bei der UBS nicht mangeln. Das Institut steckt in der Krise. (dpa)
Weder di Mauro wuchs in Guatemala auf, wo ihr Vater Manager einer Schweizer Chemie-Firma war. Die Armut und die Probleme Lateinamerikas prägen ihren Blick auf die Welt. Nach der Rückkehr in die Heimat überlegt sie als Teenagerin lange, ob sie Biochemie studieren soll. Doch sie entscheidet sich für die Ökonomie. „Als ich in die Schweiz kam, fragte ich mich, warum geht es den Leuten hier so gut, und in Guatemala geht es ihnen so schlecht? Ich hatte ein Problem damit und fand keine einleuchtende Erklärung dafür“, erzählte Weder di Mauro vor Jahren.
Ihre Diplomarbeit schreibt sie über die Schuldenkrise Lateinamerikas. Der Internationale Währungsfonds wird auf sie aufmerksam. 1994 geht sie nach Washington und bekommt gleich einen spannenden Job. Sie ist im Team, das nach dem Kollaps des Ostblocks die Hilfen für das zentralasiatische Land Kirgisistan koordiniert.
Weder di Mauro arbeitet auch für die Weltbank, die Vereinten Nationen und ist als leidenschaftliche Forscherin immer wieder in Basel an der Uni. Im Jahr 2001 wird sie Professorin in Mainz.
Vier Jahre später steht die Frau und Mutter, die sieben Sprachen spricht und die schweizerische und italienische Staatsbürgerschaft besitzt, schlagartig im Rampenlicht. Die Bundesregierung beruft sie in den Sachverständigenrat, der die Spitzenpolitik berät. Weder di Mauro ist im Olymp der Ökonomen angekommen und bricht alle Rekorde. Bei den „Wirtschaftsweisen“ ist sie die Jüngste, die erste Frau und die erste Ausländerin.
Mit Ausbruch der Weltfinanzkrise 2008 wächst das öffentliche Interesse an ökonomischen Zusammenhängen enorm. Im Fernsehen ist die stets elegant gekleidete Professorin mit dem schulterlangen blonden Haar und dem leichten Schweizer Akzent ein geschätzter Gast. Sie kann souverän und auch für Laien gut verständlich die Schuldenkrise und die Euro-Rettung erklären.
Doch nach 20 Jahren steiler Karriere in Wissenschaft und Institutionen dürfte bei der 46-Jährigen der Wunsch nach einer neuen beruflichen Herausforderung groß gewesen sein. Daran dürfte es bei der UBS nicht mangeln. Das Institut steckt in der Krise. (dpa)








