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Politik
Mittwoch, 2. Februar 2011
(Sächsische Zeitung)

IM BLICKPUNKT

Der Anti-Sarrazin

Von Haiko Prengel, Berlin

Werner Felten hat beim türkischsprachigen Sender „Metropol FM“ allein unter Türken gearbeitet und ein Buch darüber geschrieben.

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Werner Felten hat überwiegend gute Erfahrungen mit Türken gemacht. Foto: dpa

Integration kann so einfach sein. „Tesekkür ederim“, sagt Werner Felten höflich. Der Kellner in dem türkischen Restaurant in Berlin-Mitte guckt verdutzt. Dann aber freut er sich sichtlich über den deutschen Gast, der sich tatsächlich auf Türkisch für seinen Tee bedankt. Felten kann noch mehr als anatolischen Smalltalk: Als Programmchef bei „Metropol FM“, Deutschlands erstem türkischsprachigem Radiosender, arbeitete er in der Hauptstadt acht Jahre lang als einziger Deutscher unter türkischen Mitarbeitern. Wenn jemand weiß, wie die hierzulande größte ausländische Bevölkerungsgruppe tickt, dann Felten.

In seinem Buch „Allein unter Türken“ fasst der 58-Jährige seine Erfahrungen während seiner Zeit bei „Metropol FM“ zusammen. Es ist keine fremdelnde Abrechnung mit Menschen aus einem anderen Kulturkreis, die man nie verstanden hat. Sondern ein oft heiterer Bericht, der auf überwiegend guten Erfahrungen fußt. In der Debatte um die Integration von Ausländern ist es ein Beitrag mit einer ganz anderen Sichtweise – ja praktisch ein „Anti-Sarrazin“, wie Felten betont.

Der Autor hält nicht viel von den Thesen des Ex-Finanzsenators. Dessen Bestseller „Deutschland schafft sich ab“ verkaufte sich bislang 1,2 Millionen Mal in Deutschland. Ironischerweise sind die Bücher von Sarrazin und Felten bei derselben Verlagsgruppe erschienen.

Was der studierte Germanist Felten über in Deutschland lebende Türken geschrieben hat, überrascht zuweilen auch. Auf den 240 Seiten findet sich manches Klischee – etwa dass Pünktlichkeit bei türkischen Mitbürgern nicht viel zählt. „In Bezug auf die Pünktlichkeit meiner neuen türkischen Freunde habe ich ganz schnell resigniert. Ich habe mir einfach ein Tässchen türkischen Tee eingeschenkt und in aller Demut abgewartet“, schreibt Felten. Dass die Resonanz auf sein Buch bei Türken dennoch „überwiegend begeistert“ ausfällt, wie Felten sagt, liegt wohl daran, dass er viel mit einem Augenzwinkern aufgeschrieben hat.

Türkisch zu lernen war für den Job bei „Metropol FM“ kein Muss; alle Mitarbeiter sprachen Deutsch. Felten lernte freiwillig ein paar Brocken, so wie viele Deutsche gern „Grazie“ sagen beim Italiener oder „Merci“ beim Franzosen. Aber wer kann hierzulande schon Türkisch, die Sprache von Millionen Mitbürgern? „Wir können keine zehn Wörter – das ist blamabel“, sagt Felten. Dabei würde ihnen schon bei einem einfachen „Tesekkür ederim“ das Herz aufgehen. (dpa)



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