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Politik
Samstag, 4. Februar 2012
(Sächsische Zeitung)

„Das ist uns Bockwurst, wir machen es!“

Von Gunnar Saft

Das „Bündnis Dresden nazifrei“ will im Februar erneut Rechtsextremisten blockieren. Dass die ihren Aufmarsch überraschend abgesagt haben, stört nicht.

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Linken-Chefin Gesine Lötzsch probt mit Mitgliedern des Bündnisses „Dresden nazifrei“ Straßenblockaden – im Saal. Foto: Ronald Bonß

Gesine Lötzsch, Parteichefin der Linken, hat ein Problem: Die Politikerin sitzt im Versammlungssaal des Dresdner Gewerkschaftshauses auf dem Fußboden und weiß sofort, welche Kleidung für eine Straßenblockade völlig ungeeignet ist: „Einen Rock ziehe ich am 18. Februar nicht an“, murmelt sie genervt. Unterdessen klicken die Kameras der Pressefotografen. Ein Fernsehteam macht Nahaufnahmen.

Das Bündnis „Dresden nazifrei“ hat am Freitag zum öffentlichen Blockadetraining gerufen, und einige Dutzend Unterstützer sind gekommen. Offenbar alles schon Profis, denn an den praktischen Übungen „einfache Querreihe sitzend“ und „Doppelreihe nach hinten“ beteiligen sich nur wenige. Auch die vorherige Info-Stunde bietet für sie kaum Neues. Straßenblockaden seien legitim, solange sie nicht von der Polizei aufgelöst werden sollen, beharrt Johannes Lichdi vom Podium aus. Nur wenn es zur Auflösung komme, müsse jeder für sich selbst entscheiden, wie weit er gehe. Der Jurist und Landesabgeordnete der sächsischen Grünen sieht darin einen wichtigen Unterschied. „Straßenblockaden werden nur in Sachsen kriminalisiert“, wettert danach der Politiker Lichdi in die Runde angesichts von 900 Verfahren, die die Justiz bisher gegen Dresdner Blockadeteilnehmer angestrengt hat. Den meisten Zuhörern im Saal scheint das egal. „Das ist uns Bockwurst, wir machen es einfach“, sagt Benjamin Kümmig vom Dresdner Bündnis und beantwortet damit gleichzeitig die einzige Frage, die von den Besuchern gestellt wird: Sollen wir kommen, auch wenn die Neonazis ihren Aufmarsch vorerst abgesagt haben? Kümmig nickt. Die Busse sind bestellt, die Tickets Selbstläufer, erklärt er. Und wenn kein Nazi auftaucht, sei das auch ein Sieg. Ach so, Sachsens Ministerpräsident Stanislaw Tillich ist diesmal herzlich eingeladen, sich an den Blockaden zu beteiligen. „Es wird für ihn sicher eine positive Erfahrung“, lockt Kümmig. Die Runde lacht wissend und ist zufrieden.



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