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Kultur
Dienstag, 20. Dezember 2011
(Sächsische Zeitung)

Steg über Marmor

Von Georg-Stefan Russew

Zum 300. Geburtstag vom „Alten Fritz“ geht es auf einer Plexiglasbrücke quer durch den teils renovierten Marmorsaal im Neuen Palais von Park Sanssouci.

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Die Fußbodenschäden im Marmorsaal sind akribisch untersucht worden – mithilfe von Kameras, die in jede Öffnung schauten. Nun ist jeder Riss im Computer dokumentiert. Foto: ZB

Der mit kunstvollen Intarsien geschmückte Fußboden im Marmorsaal des Neuen Palais’ im Park von Potsdam-Sanssouci bleibt den Besuchern seit Jahren verborgen. Pünktlich zum 300. Geburtstag des „Alten Fritz“ ist er ab April 2012 wieder zu besichtigen. Auf einer Plexiglasbrücke soll der 90 Tonnen schwere Boden in dem 600 Quadratmeter großen Saal wieder begehbar sein, sagte der Generaldirektor der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg (SPSG), Hartmut Dorgerloh, gestern in Potsdam. Im Februar 2008 musste der Boden gesperrt werden, weil durchgefaulte Holzträger gefunden wurden und die Decke nicht mehr tragfähig war. Die Sanierung dauert noch einige Jahre.

Der Marmorfußboden, der wie ein ornamentaler Teppich wirkt und zu den herausragenden Beispielen des friderizianischen Rokoko zählt, ist das größte Einzelkunstwerk der Stiftung. „Friedrich II. ist beim Bau des Schlosses ein großes Risiko eingegangen“, betonte Dorgerloh. Alles habe 1763 auf die Schnelle gehen müssen. Als Konjunkturpaket nach dem Siebenjährigen Krieg habe Friedrich II. das Palais errichten lassen, erläuterte der SPSG-Chef.

Außerdem wurde der Marmor auf einer unebenen Decke verlegt und erst im Anschluss geschliffen. Dabei drang auch noch Wasser ins Gebälk. Zudem sind 19 Meter lange Trägerbalken eingezogen worden, die nur rund zwei Jahre Zeit hatten zu trocknen. „Normal wären aber bis zu zehn Jahre gewesen“, erklärte der Chef der SPSG-Natursteinsanierung, Stefan Klappenbach.

Schon zehn Jahre nach der Eröffnung um 1780 musste der komplette Saal generalüberholt werden; 20Jahre darauf noch einmal. Viele der 128 Balken hätten nachgegeben, schildern die Vertreter der Stiftung. Die Holzbalken seien weich wie Wackelpudding gewesen. „Solche Schwingungen sind natürlich Gift für den kunstvoll gestalteten Boden“, so Klappenbach. Die direkte Folge hiervon: Risse im Marmor – verteilt über jeden Zentimeter der 600 Quadratmeter.

In den vergangenen zwei Jahren sind Architekten der Holz- und Marmorkonstruktion mit Kameras zu Leibe gerückt. „Wir haben in jede Öffnung geschaut. Danach konnten wir einen genauen Sanierungsplan erstellen und haben dann auch gleich losgelegt“, sagte Architektin Heike Zeymer. Hierfür steht ein Budget von 4,4 Millionen Euro zur Verfügung.

Balken wurden ausgetauscht; Naturstein wurde aus Florenz besorgt; erste Marmorareale wurden materialauthentisch kunstvoll wiederhergestellt. „Das ist nicht wirklich einfach, denn hier wurden zehn Natursteinarten in verschiedenen Farbnuancen verbaut“, berichtete Klappenbach. Von Woche zu Woche wachse das wiederhergestellte Marmormosaik. Zur „Friederrisiko“-Ausstellung sei der Saal natürlich noch nicht fertig. „Wir brauchen noch bis 2017.“

Die Besucher können sich aber dennoch den Raum anschauen. „Aus Sicherheitsgründen führen wir sie über eine Brücke aus Plexiglas. So können sie alles sehen und haben sogar einen leicht erhöhten Blick“, so Klappenbach. (dpa)



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