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Kultur
Donnerstag, 11. März 2010
(Sächsische Zeitung)

Schimanski und Superman

Von Helge Toben

Ein Museum im Ruhrgebiet begibt sich auf die Suche nach Helden und Sehnsucht nach dem Besonderen.

Irgendwann fragt sich der Besucher: Wer sind eigentlich meine Helden? Warum habe ich als Kind gern „Superman“-Comics gelesen und geweint, als Winnetou starb? Warum finde ich Schimanski immer noch klasse? Und warum bekomme ich beim Anblick der dreckigen Taschenlampe eines New Yorker Polizisten, der bei den Terroranschlägen auf das World Trade Center 2001 ums Leben kam, eine Gänsehaut?

„Helden – Von der Sehnsucht nach dem Besonderen“ hat der Landschaftsverband Westfalen-Lippe seine zweite große Schau zum Kulturhauptstadtjahr Ruhr.2010 betitelt. Im Industriemuseum Henrichshütte Hattingen, einem ehemaligen Stahlwerk, ist sie ab Freitag bis zum 31. Oktober zu sehen.

Nuckelflasche und Herakles

Gezeigt werden rund 850 Gegenstände von der Antike bis in die Gegenwart. Ein Exponat ist 2300 Jahre alt: eine Nuckelflasche mit einem Bild des antiken Helden Herakles. Daneben liegen die Silberbüchse Winnetous, eine Filmjacke von Tatort-Kommissar Schimanski oder eine Spezialleiter, mit der Greenpeace-Aktivisten Absperrzäune von Atomkraftwerken überwanden.

Der New Yorker Polizist und Sicherheitsexperte James Francis Lynch hatte nach einer Schulteroperation am 11. September 2001 eigentlich frei. Doch als er von den Anschlägen auf das World Trade Center hörte, fuhr er sofort zum Unglücksort, um zu helfen. Knapp drei Monate später wurden seine Überreste aus den Trümmern des Südturms geborgen. Seine Taschenlampe mit seiner Dienstnummer hatte er noch in der Hand. Auch die Schirmmütze, die er bei seinem Tod trug, ist in der Ausstellung zu sehen. Gezeigt werden überdies ein Stahlträger des World Trade Centers sowie der Helm eines ebenfalls getöteten Feuerwehrmannes. Sie zählen zu den bewegendsten Exponaten der Helden-Schau.

Heldentypen der Antike

Sporthelden, Nationalhelden oder von Medien gemachte Gegenwartshelden wie ein Sieger der Castingshow „Das Supertalent“: Der ehrgeizige Ritt, den die aufwendige Ausstellung vor allem durch die Heldenverehrung in den vergangenen 200 Jahren macht, gelingt. Kritisch setzt sie sich auch mit Kriegshelden auseinander, wenn ein nachgebautes Kriegsgräberfeld als Kulisse für Kriegsorden dient. Helden auf Plakaten werden eine Beinprothese oder Fotos verwundeter Soldaten gegenübergestellt. Und eine Sichtachse erlaubt einen Blick auf eine Comicfigur der Neuzeit: Superman. „Doch die Heldentypen wurden bereits in der Antike und im Mittelalter entwickelt“, sagt Chefkurator Dietmar Osses. (dpa)



www.helden-ausstellung.de



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