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Kultur
Samstag, 4. Februar 2012
(Sächsische Zeitung)

Die Richtung stimmt

Von Thomas Schade

Daniel Libeskinds Keil gilt als architektonisches Highlight des neuen Militärhistorischen Museums. Wohin zeigt er?

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Wohin zeigt der Keil? Foto: dapd

Steigt der Besucher in die vierte Etage des Militärhistorischen Museums und tritt hinaus unter die Spitze des keilförmigen Neubaus, so liegt ihm tatsächlich die Stadt zu Füßen. Nur verzinkte Metalllamellen schützen hier in fast 30 Metern Höhe vor dem Wind. Vom Dresdner Fernsehturm im Osten bis zum Goldenen Wagen in der Hoflößnitz erstreckt sich das Panorama, das der neue „Dresden Blick“ des Architekten Daniel Libeskind bietet.

Zudem hat der Meister der asymetrischen Formen seinem gewaltigen Keil jede Menge Symbolik mit auf den Weg gegeben. So erklärt er auf seiner Internetseite, dass die Spitze des Keils exakt auf das Gebiet zeige, auf das beim Luftangriff am 13. Februar 1945 die ersten Feuerbomben fielen. Stimmt das?

In der Nachbarschaft des Militärhistorischen Museums hat ein privatisiertes Amt sein Domizil, das es wissen muss: der Staatsbetrieb Geobasisinformation und Vermessung Sachsen, kurz GeoSN, die Landvermesser des Freistaates. Sie haben seit Jahren eine topografische Karte aus dem Jahre 1938 im Angebot. Auf der ist die 15 Quadratkilometer große Flächenzerstörung Dresdens eingezeichnet. Demnach beginnt dieses Areal des Todes im Westen an der Marienbrücke und folgt der Eisenbahnlinie. Im Osten reicht es bis hinter den Großen Garten nach Striesen. Überliefert ist, dass eines der ersten Flugzeuge in der verhängnisvollen Nacht um 22.05 Uhr seine Zielmarkierungsbomben abwarf. Viele fielen ins Stadion des Dresdner SC im Ostragehege. Zuvor war die Stadt schon durch schwebende Leuchtbomben, „Christbäume“ genannt, erhellt worden. Wenig später fielen 650.000 Stabbrandbomben auf Dresden und zerstörten große Teile der Stadt.

Ein Landvermesser wollte anhand dieser Fakten genau wissen, wohin Libeskinds Keil zeigt. Der Mann, der ungenannt bleiben möchte, ermittelte aus den Flankenlinien des Keils die Winkelhalbierende, übertrug sie auf die Karte und verlängerte die Linie. Sie läuft einige Hundert Meter westlich am Stadion im Ostragehege vorbei. Das Hauptzerstörungsgebiet verfehlt sie. Nun wird vermutet, die leichte Abweichung könnte mit der Bauform des Keils zu tun haben. „Hauptsache scheen, die Richtung stimmt ja“, würde der Sachse sagen. Na, und die Ästhetik des Keils wurde ja ausführlichst debattiert.



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