(Sächsische Zeitung)
Der Haderlump katscht bomforzionös
Im ausverkauften Dresdner Schauspielhaus ehrte die Sächsische Zeitung am Tag der Deutschen Einheit die schönsten sächsischen Wörter des Jahres 2011.
"Der Haderlump ist zum einen ein Landstreicher, ein zerlumpter, unehrenhafter, gesinnungsloser Mensch, aber zugleich ein gewitzter Schlingel, ein Schelm. Genau genommen ist der Haderlump ein doppeltes Wörtchen, ein Verbal-Zwilling, denn schon der Hader alleine bezeichnet ja einen Lumpen. Seinen sprachlichen Ursprung findet der Hader im Althochdeutschen Hadara, dem Lappen oder Altsächsisch Hadilin, dem Lumpen. Und jener, der einst selbst in Lumpen ging, das war der Haderlump, also der Lumpenlump, doppelt- gemoppelt runtergekommen. Der Sachse liebt doppelte Wörter, weil er sich so im Alltagsgemetzel besser verständlich machen kann. So sagt er beispielsweise zum Floh Hubbefloh, zum Fenster Nausguckfenster und zu seinen Klamotten Anziehsachen. Mit einem Hader kann man übrigens nur in Sachsen den Fußboden wischen, denn er heißt hier Scheuerlappen. Im Rest des deutschen Sprachlandes ist es der Ärger, der Hass." Manfred Uhlig, sächsische Radio- und Fernsehlegende
In sz-online
Video: Mitschnitt aus der Veranstaltung im Dresdner Schauspielhaus am Tag der Einheit
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Special
So lief die Verleihung 2010
Um sie vor dem Aussterben zu retten, kürten die Sachsen gestern ihr Lieblingswort. In diesem Jahr heißt es katschn. Auf Platz 2 landete Ränftl (Brotkanten) und auf Platz 3 Dorheeme (zu Hause). Über 20.000 Sachsen nahmen an der Abstimmung im Internet teil. Zur gestrigen Wort-Gala im ausverkauften Dresdner Schauspielhaus zelebrierte der Kabarettist Uwe Steimle das Katschn, präsentierte aber zugleich sein persönliches Lieblingswort, die Dämse, was mit warmem, schwülem Wetter übersetzt werden kann. Tom Pauls erklärte wortreich das schönste Wort des Jahres: Bomforzionös. Das bedrohte Wort des Jahres heißt: Haderlump.
Als Überraschungsgast brillierte das Fernseh- und Radio-Urgestein Manfred Uhlig mit den Erklärungen sächsischer Städtenamen. Über 24 Jahre lang hatte der 84-Jährige bei Radio DDR die Sendung „Alte Liebe rostet nicht“ moderiert und war einer der drei Dialektiker in der Unterhaltungssendung „Ein Kessel Buntes“. Die Dresdner Blue Wonder Jazzband lieferte gestern den Sound zu den Wörtern. Zudem las der Schriftsteller Thomas Rosenlöcher eine Eloge an die sächsische Sprache, durch das Programm führe MDR-Moderator Andreas Berger.
Seit vier Jahren wird das Sächsische Wort des Jahres am Tag der Deutschen Einheit gekürt. Vergangenes Jahr gewannen Hornzsche, bäbbeln und dschidschoriengrien.







