sz-online.de | Sachsen im Netz
Kultur
Dienstag, 4. Oktober 2011
(Sächsische Zeitung)

Der Haderlump katscht bomforzionös

Von Peter Ufer

Im ausverkauften Dresdner Schauspielhaus ehrte die Sächsische Zeitung am Tag der Deutschen Einheit die schönsten sächsischen Wörter des Jahres 2011.

Bildergalerie

"Der Haderlump ist zum einen ein Landstreicher, ein zerlumpter, unehrenhafter, gesinnungsloser Mensch, aber zugleich ein gewitzter Schlingel, ein Schelm. Genau genommen ist der Haderlump ein doppeltes Wörtchen, ein Verbal-Zwilling, denn schon der Hader alleine bezeichnet ja einen Lumpen. Seinen sprachlichen Ursprung findet der Hader im Althochdeutschen Hadara, dem Lappen oder Altsächsisch Hadilin, dem Lumpen. Und jener, der einst selbst in Lumpen ging, das war der Haderlump, also der Lumpenlump, doppelt- gemoppelt runtergekommen. Der Sachse liebt doppelte Wörter, weil er sich so im Alltagsgemetzel besser verständlich machen kann. So sagt er beispielsweise zum Floh Hubbefloh, zum Fenster Nausguckfenster und zu seinen Klamotten Anziehsachen. Mit einem Hader kann man übrigens nur in Sachsen den Fußboden wischen, denn er heißt hier Scheuerlappen. Im Rest des deutschen Sprachlandes ist es der Ärger, der Hass." Manfred Uhlig, sächsische Radio- und Fernsehlegende

Das beste Sächsisch spricht man immer selbst, das grauenhafte immer die anderen. Doch es gibt sächsische Vokabeln, die alle schön finden. Nur leider gehen viele davon immer mehr verloren.

Um sie vor dem Aussterben zu retten, kürten die Sachsen gestern ihr Lieblingswort. In diesem Jahr heißt es katschn. Auf Platz 2 landete Ränftl (Brotkanten) und auf Platz 3 Dorheeme (zu Hause). Über 20.000 Sachsen nahmen an der Abstimmung im Internet teil. Zur gestrigen Wort-Gala im ausverkauften Dresdner Schauspielhaus zelebrierte der Kabarettist Uwe Steimle das Katschn, präsentierte aber zugleich sein persönliches Lieblingswort, die Dämse, was mit warmem, schwülem Wetter übersetzt werden kann. Tom Pauls erklärte wortreich das schönste Wort des Jahres: Bomforzionös. Das bedrohte Wort des Jahres heißt: Haderlump.

Als Überraschungsgast brillierte das Fernseh- und Radio-Urgestein Manfred Uhlig mit den Erklärungen sächsischer Städtenamen. Über 24 Jahre lang hatte der 84-Jährige bei Radio DDR die Sendung „Alte Liebe rostet nicht“ moderiert und war einer der drei Dialektiker in der Unterhaltungssendung „Ein Kessel Buntes“. Die Dresdner Blue Wonder Jazzband lieferte gestern den Sound zu den Wörtern. Zudem las der Schriftsteller Thomas Rosenlöcher eine Eloge an die sächsische Sprache, durch das Programm führe MDR-Moderator Andreas Berger.

Seit vier Jahren wird das Sächsische Wort des Jahres am Tag der Deutschen Einheit gekürt. Vergangenes Jahr gewannen Hornzsche, bäbbeln und dschidschoriengrien.



Gesamte Ausgabe Druckvorschau Artikel empfehlen Feedback


Link senden an Facebook Link senden an Twitter Link senden an StudiVZ Link senden an Mr. Wong Link senden an MySpace Link senden an del.icio.us bodytext Link senden an Folkd Link senden an Google Bookmarks Link senden an Live-MSN Link senden an YahooMyWeb Link senden an Linkarena Link senden an NewsVine Link senden an Reddit Link senden an StumbleUpon Link senden an Y!GG ...mehr



sz-online-Partnersites

Weitere Online-Angebote der Bertelsmann AG | Weitere Online-Angebote der DD+V-Mediengruppe