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Großenhain
Montag, 22. März 2010
(Sächsische Zeitung)

Autobahnbrücke zentimetergenau eingepasst

Von Manfred Müller
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Der 500-Tonnen-Kran wird vorbereitet.

Wer in der Nacht zum Sonntag von Dresden nach Berlin unterwegs war, der musste sich durch die enge Allee zwischen Linz und Schönborn quälen. Von 20 Uhr abends bis acht Uhr morgens war die A13 an der Abfahrt Thiendorf voll gesperrt. Drei Kilometer weiter nördlich wurde eine Straßenbrücke über die Autobahn gelegt. Das alte Bauwerk war bereits im Oktober 2009 abgerissen worden. Der Brückenbau steht im Zusammenhang mit der geplanten Verbreiterung der Autobahn zwischen Thiendorf und der brandenburgischen Landesgrenze. Die Spannweite der alten Brücke hätte für die neue Trasse nicht mehr ausgereicht.

97 Tonnen schwer

Mit Einbruch der Dunkelheit erhellen riesige Bauscheinwerfer das einsame Waldstück an der Fasanerie. Schwerlasttransporter haben die beiden jeweils 97 Tonnen schweren Brückenträger aus Bautzen bereits antransportiert. Auf der Baustelle werden sie von den Brückenbau-Experten der Heidenauer Firma Karl Köhler in Empfang genommen. Dann bringen die Montagefachleute einen mobilen 500-Tonnen-Kran in Position. Die Vorbereitungen brauchen Zeit. Als der erste Träger an die vier armdicken Doppel-Stahlseile angehängt wird, ist es schon nach Mitternacht. Dann endlich kann der stählerne Verbundfertigteil-Koloss Zentimeter für Zentimeter angehoben werden. Damit er nicht unkontrolliert abschwenkt, sichern ihn an den Enden zwei Brückenbauer mit Seilen. Das ist wichtig, weil neben den Beton-Widerlagern auf beiden Autobahnseiten Baukrane stehen.

Aber die Karl-Köhler-Leute sind alte Hasen im Brückenbau. Zentimetergenau schwenken sie das Riesenteil über die Widerlager und die Hilfsstütze in der Autobahnmitte. Eine kurze Anweisung an den Kranführer, und der Träger senkt sich in die Haltevorrichtung. Es ist 0.45 Uhr und Teil eins der Brückenmontage geschafft.

Trotz der gewaltig anmutenden Trägerspannweite ist das neue Bauwerk mit seinen sechs Metern Fahrbahnbreite eine relativ kleine Brücke. Es verbindet die Orte Schönborn und Liega und wird fast ausschließlich von Landwirtschaftsfahrzeugen genutzt. Da die Brücke nur Feld- und Waldwege über die A13 führt, erscheinen die Baukosten von einer Million Euro riesig. „So sind nun einmal die Vorschriften“, erklärt Stefan Schulz vom Ingenieurbüro Leonhardt, Andrä und Partner. „Wo eine Brücke war, kommt auch wieder eine hin.“

Arbeit bei Minusgraden

Der Bauüberwacher muss sich nun um den anderen Träger kümmern, der gerade in den Baustellenbereich einrollt. Kurz nach vier Uhr morgens liegt auch das zweite Verbundfertigteil über der Autobahn. „Ziemlich unspektakulär, nicht wahr?“ sagt Schulz. „Aber das ist ja auch gut so.“

Mit der alten Straßenbrücke haben die Autobahnbauer das wichtigste Hindernis für die Verbreiterung im Nordabschnitt der A13 beseitigt.

Die Arbeiten an den Fundamenten und Widerlagern waren auch während der Frostperiode im Januar und Februar fortgeführt worden, das Betonieren wurde nur eingestellt, wenn sich das Thermometer der Minus-zehn-Gradmarke näherte.

Technologisch ist das machbar, wenn man mit vorgewärmtem Beton arbeitet. Beim Erhärten entwickelt die Masse dann soviel Eigenwärme, dass ihr ein paar Frostgrade nichts anhaben können. Nachdem die Stahlträger nun eingesetzt sind, wird bis Ostern der Untergrund für die Fahrbahn aufgebracht. Eine erneute Vollsperrung der Autobahn ist dazu nicht erforderlich.



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