Freital
Montag, 22. August 2011
(Sächsische Zeitung)
(Sächsische Zeitung)
FREITAL
Wie man Edelsteine im Internet poliert
Von Christian Müller
Martina Dressel hat ein Buch über Benimm-Regeln für E-Mails geschrieben. Das soll auch gegen Stau im Postfach helfen.
Martina Dressel empfängt bei bester Laune in ihren eleganten Büroräumen in Weißig. Sie residiert im obersten Stock eines sanierten Altbaus an der Steilen Straße. Die Aussicht über Freital ist auch bei schlechtem Wetter beeindruckend. „Ein Büro mit solchem Ausblick war immer eines meiner Berufsziele“, erklärt die gelernte Verfahrenstechnikerin. Erfüllt hat sich die 53-Jährige diesen Traum mit ihrer eigenen Firma, der Webgold Akademie.
Seit 1999 entwirft die gebürtige Ost-Berlinerin Workshops für Unternehmen, die ihre Internet-Kommunikation verbessern wollen. Nebenbei bietet sie Coachings für Führungskräfte an. Nach der Wende war sie selbst als Führungskraft für den Vertrieb von Produkten zuständig. In den Neunzigern hat sie die halbe Welt bereist, sie stieg schnell in die Führungsriege bei Diagnostic Products Corporation auf und investierte viel eigenes Geld in Weiterbildungen in den USA.
In ihrer Firma war sie eine der Ersten, die E-Mails versandte. Im Umgang mit den Vertriebspartnern merkte sie schnell, wie viel Geld jede Firma mit elektronischer Kommunikation sparen kann und wie brutal die meisten dabei mit den E-Mailadressen ihrer Kunden umgehen. Ein Einstellungswechsel war da gefragt. „Es existiert bei vielen Unternehmen immer noch die Geisteshaltung: Ist doch nur ’ne E-Mail. Und so versenden sie, ohne nachzudenken, rasch mal eine Rundmail an alle ihre Kunden. Voller Rechtschreibfehler, mit offener Empfängerliste.“ Dass man sich so schwere Image-Schäden einhandeln kann, bedenken manche noch heute nicht, von rechtlichen Problemen ganz zu schweigen.
Zeitfresser sind vermeidbar
Mit Schulungen, wie sich Geschäftspost effizient erstellen und abwickeln lässt, machte sie sich selbstständig, heute berät sie große börsennotierte Konzerne. „Viele Firmen machen das schon von sich aus sehr gut und wollen dann den Edelstein nur noch polieren. Aber die grausigsten Mails schreiben solche Firmen, die meinen, alles richtig zu machen.“
2003 fasste sie ihre Erkenntnisse in einem offiziellen E-Mail-Knigge zusammen. Das Buch erschien 2008 in der dritten Auflage. Darin beschreibt sie, wie man höflich, verständlich, präzise und in Übereinstimmung mit geltendem Recht seine Geschäftspost handhabt, jede Auflage wurde komplett überarbeitet und auf den neuesten Stand gebracht. Größeren Unternehmen hilft sie auch dabei, ihre interne Kommunikation zu optimieren. „Jede eingehende Mail rückt uns aus dem aktuellen Gedankenkreis heraus. Gerade wenn Mitarbeiter über zwei Tische hinweg per Mail kommunizieren, entstehen Probleme. Man kann einfach nicht jede Anfrage sofort beantworten. Es entsteht viel Stau im Postfach. Da ist der persönliche Kontakt doch viel besser“, so die Expertin.
Die schnelle Mail ist also häufig nicht die optimale Kommunikationslösung für ein Problem. Spam-Filter halten inzwischen den Großteil unerwünschter Botschaften von den Arbeitsplätzen fern. Größte Zeitfresser sind ständige Rückfragen aufgrund unklarer Formulierungen oder zu großer Verteiler. Martina Dressler erarbeitet mit jedem verbindliche Regeln für die interne wie externe Kommunikation.
Ob denn das Thema E-Mail nicht langsam aus der Mode kommen würde? Immerhin gibt es doch inzwischen eine ganz neue Web-Generation, 2.0 genannt. Haftet der Diskussion um die richtige Form der E-Mail-Kommunikation nicht etwas Altbackenes, Staubiges an? „Nein“, widerspricht Dressel vehement. „Es überrascht mich ja selbst immer wieder, wie aktuell das Thema immer noch ist. Einige der Dinge, die ich Führungskräften über ihre Kommunikationskultur vermittle, sind Erkenntnisse, die ich vor zehn Jahren gewonnen habe. Und immer noch gibt es Nachholbedarf.“ Derzeit tritt das Thema Social Networks hinzu. Viele Unternehmen wollen sich im Web 2.0 präsentieren, wissen aber nicht wie. Martina Dressler ist vorbereitet, ihr neues Buch zu diesem Thema erscheint demnächst.
Seit 1999 entwirft die gebürtige Ost-Berlinerin Workshops für Unternehmen, die ihre Internet-Kommunikation verbessern wollen. Nebenbei bietet sie Coachings für Führungskräfte an. Nach der Wende war sie selbst als Führungskraft für den Vertrieb von Produkten zuständig. In den Neunzigern hat sie die halbe Welt bereist, sie stieg schnell in die Führungsriege bei Diagnostic Products Corporation auf und investierte viel eigenes Geld in Weiterbildungen in den USA.
In ihrer Firma war sie eine der Ersten, die E-Mails versandte. Im Umgang mit den Vertriebspartnern merkte sie schnell, wie viel Geld jede Firma mit elektronischer Kommunikation sparen kann und wie brutal die meisten dabei mit den E-Mailadressen ihrer Kunden umgehen. Ein Einstellungswechsel war da gefragt. „Es existiert bei vielen Unternehmen immer noch die Geisteshaltung: Ist doch nur ’ne E-Mail. Und so versenden sie, ohne nachzudenken, rasch mal eine Rundmail an alle ihre Kunden. Voller Rechtschreibfehler, mit offener Empfängerliste.“ Dass man sich so schwere Image-Schäden einhandeln kann, bedenken manche noch heute nicht, von rechtlichen Problemen ganz zu schweigen.
Zeitfresser sind vermeidbar
Mit Schulungen, wie sich Geschäftspost effizient erstellen und abwickeln lässt, machte sie sich selbstständig, heute berät sie große börsennotierte Konzerne. „Viele Firmen machen das schon von sich aus sehr gut und wollen dann den Edelstein nur noch polieren. Aber die grausigsten Mails schreiben solche Firmen, die meinen, alles richtig zu machen.“
2003 fasste sie ihre Erkenntnisse in einem offiziellen E-Mail-Knigge zusammen. Das Buch erschien 2008 in der dritten Auflage. Darin beschreibt sie, wie man höflich, verständlich, präzise und in Übereinstimmung mit geltendem Recht seine Geschäftspost handhabt, jede Auflage wurde komplett überarbeitet und auf den neuesten Stand gebracht. Größeren Unternehmen hilft sie auch dabei, ihre interne Kommunikation zu optimieren. „Jede eingehende Mail rückt uns aus dem aktuellen Gedankenkreis heraus. Gerade wenn Mitarbeiter über zwei Tische hinweg per Mail kommunizieren, entstehen Probleme. Man kann einfach nicht jede Anfrage sofort beantworten. Es entsteht viel Stau im Postfach. Da ist der persönliche Kontakt doch viel besser“, so die Expertin.
Die schnelle Mail ist also häufig nicht die optimale Kommunikationslösung für ein Problem. Spam-Filter halten inzwischen den Großteil unerwünschter Botschaften von den Arbeitsplätzen fern. Größte Zeitfresser sind ständige Rückfragen aufgrund unklarer Formulierungen oder zu großer Verteiler. Martina Dressler erarbeitet mit jedem verbindliche Regeln für die interne wie externe Kommunikation.
Ob denn das Thema E-Mail nicht langsam aus der Mode kommen würde? Immerhin gibt es doch inzwischen eine ganz neue Web-Generation, 2.0 genannt. Haftet der Diskussion um die richtige Form der E-Mail-Kommunikation nicht etwas Altbackenes, Staubiges an? „Nein“, widerspricht Dressel vehement. „Es überrascht mich ja selbst immer wieder, wie aktuell das Thema immer noch ist. Einige der Dinge, die ich Führungskräften über ihre Kommunikationskultur vermittle, sind Erkenntnisse, die ich vor zehn Jahren gewonnen habe. Und immer noch gibt es Nachholbedarf.“ Derzeit tritt das Thema Social Networks hinzu. Viele Unternehmen wollen sich im Web 2.0 präsentieren, wissen aber nicht wie. Martina Dressler ist vorbereitet, ihr neues Buch zu diesem Thema erscheint demnächst.








