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Dresden
Montag, 16. Mai 2011
(Sächsische Zeitung)

Stadt fordert winzige Höfe am Neumarkt

Von Bettina Klemm

Investoren planen Wohnungen und schlagen einen großen statt vieler kleiner Innenhöfe vor. Doch das Rathaus lehnt das ab. Stadträte sind empört.

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Das Luftfoto zeigt den Neumarkt mit der Frauenkirche in der Mitte. Ringsum sind schon Gebäudekomplexe entstanden. Auf der Fläche rechts unten im Bild will nun eine Investorengruppe vorrangig Wohnungen bauen. Doch darum gibt es Streit. Foto: Jürgen-M. Schulter

Die Stadt verprellt Investoren am Neumarkt. Johannes Hegeman ist ein ruhiger und geduldiger Mensch, doch nun läuft dem Geschäftsführer des Bauunternehmens Kondor Wessels die Galle über: „Wir fühlen uns gegängelt. Bei Bauprojekten muss natürlich immer um Lösungen gerungen werden. Aber in Dresden gibt es weder klare Visionen noch Entscheidungen“, sagt er. Das niederländische Unternehmen will seit über fünf Jahren am Neumarkt bauen und ist nun nahe dran, sich aus der Stadt zurückzuziehen.

Um welche Fläche am Neumarkt geht es?

Kondor Wessels möchte gemeinsam mit Nobelpreisträger Günter Blobel eine Fläche vor dem Johanneum bebauen. Dabei sollen das Dinglinger Haus und das Regimentshaus originalgetreu und die Fassaden des Chiapponischen und Klepperbeinischen Hauses sowie des Gebäudes Frauenstraße 8 nach historischem Vorbild entstehen. „Wir rechnen mit einer Investitionssumme von 35 Millionen Euro“, sagt Hegemann.. Für archäologische Grabungen und einen städtebaulichen Wettbewerb hat Kondor Wessels bereits rund eine Million Euro ausgegeben. Der Streit um den Bau eines modernen Gewandhauses brachte mehrere Jahre Verzögerung. Vor fast einem Jahr hat der Stadtrat aber beschlossen, dass die Fläche hinter dem einstigen Gewandhaus bebaut werden soll. Die Ansicht vom Neumarkt aus soll der vor der Zerstörung im Krieg entsprechen.

Warum ist nun ein erneuter Streit entbrannt?

Es geht um die Gestaltung der Innenhöfe. Vor dem Krieg war die Fläche eng bebaut. In den 1920er-Jahren gab es sogar Abrisspläne, um ein menschenwürdigeres Leben auf dem Neumarkt zu sichern. „Doch wir sollen jetzt wieder 25 Quadratmeter große Hinterhöfe bauen“, sagt Hegeman. Damit wäre es ausgeschlossen, Wohnungen im Quartier zu errichten. Deshalb wollen die Investoren zwar einen Kompromiss beim Dinglinger Haus erreichen, aber ansonsten einen größeren Innenhof mit Bäumen und Sträuchern schaffen.

Das scheint aber die Gestaltungskommission nicht zu interessieren. Zur letzten Sitzung soll sie sogar Kondor Wessels Architekten rausgeschmissen haben. Die Gestaltungskommission habe lediglich auf die Abweichungen vom städtebaulich-gestalterischen Konzept hingewiesen und um eine Überarbeitung gebeten, beschwichtigt Rathaus-Sprecherin Nora Jantzen.

Was sagen die Stadträte zu dem Konflikt?

Die Entscheidung liegt beim Stadtrat. Die Gestaltungskommission soll ihn beraten. „Doch wir bekommen nicht einmal die Pläne vorgestellt“, kritisiert Grünen-Stadtrat Thomas Löser. Dreimal habe er dies schon beantragt. Unterstützung erhält er von CDU-Rat Hans-Joachim Brauns: „Die Stadtplanung versucht nur, den Wiederaufbau zu torpedieren. Wir wollen das Projekt sehen und keine Ergänzungen der Stadtplaner.“ Selbst die Gesellschaft Historischer Neumarkt ist für einen großen Innenhof. „Die Wohnungen brauchen Licht“, sagt Vorstand Torsten Kulke.



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