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Kirchentag 2011 in Dresden
Dienstag, 31. Mai 2011

Rock-Gottesdienste und Poetry-Slam

Von Christiane Raatz

Von wegen Kirche ist öde. Das Jugendprogramm zum 33. Deutschen Evangelischen Kirchentag in Dresden mit Poetry Slam, rockigen Gottesdiensten und Chill-Out-Ecken zeigt: Glaube kann auch „cool“ sein.

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Freiwillige Helferinnen und Helfer des 33. Evangelischen Kirchentags bauen in der Messehalle 3 in Dresden aus Sitzhockern aus Pappe eine symbolische Frauenkirche. Das Programm des Kirchentages soll möglichst viele junge Menschen ansprechen. Foto: dpa

Dresden. Wenn Jugendliche das Wort Kirche hören, verdrehen viele genervt die Augen - beten, singen und der Predigt lauschen, finden viele einfach nur öde. Das bekommen Kirchengemeinden überall in Deutschland zu spüren. Vielerorts fehlt der Nachwuchs. „Vor allem auf dem Land ist es schwierig, die Jugendlichen zusammenzubringen“, sagt Christiane Thomas vom Landesjugendpfarramt Sachsen. Sie setzt deshalb große Hoffnungen auf den 33. Evangelischen Kirchentag (1. bis 5. Juni) in Dresden. „Eine Chance, viele Jugendliche zu erreichen.“

Die Organisatoren strickten ein buntes Programm und eine Agenda, die speziell auf junge Leute zugeschnitten ist. Die Angebote drehen sich vor allem um Themen, die Jugendliche bewegen - wie Medien, Partnerschaft und Sexualität. „Wir hoffen, dass auch kirchenferne Jugendliche merken, dass Glaube ja eigentlich ganz cool ist“, hofft Thomas.

Chill Out-Ecken und Palmenlounge

Rock-Gottesdienste, Heavy-Metal-Konzerte, Chill Out-Ecken, Palmenlounge - das Programm soll möglichst viele junge Menschen ansprechen. Ein Großteil der Kirchentagsbesucher ist erfahrungsgemäß unter 30 Jahre alt. Allein im Jugendzentrum, bestehend aus drei Bühnen und neun Workshop-Zelten, werden in Dresden bis zu 10.000 Teilnehmer erwartet. „Die Jugendlichen sind die größte Zielgruppe auf dem Kirchentag“, erklärt Barbara Likus, die für das Jugendprogramm auf Deutschlands größtem Glaubensfest verantwortlich ist.

Mehr als 300 Veranstaltungen bieten Unterhaltung und Gesprächsstoff - die Hälfte sind Mitmachangebote. „Jugendliche wollen ein anderes Programm, sie möchten aktiv eingebunden werden“, sagt Likus. So laden viele Konzerte zum Mitsingen ein, Mädchen und Jungen haben selbst Gottesdienste gestaltet - etwa mit Poptexten des Sängers Clueso und Psalmen in moderner Sprache. „Gemeinden können sich das eine oder andere abschauen, um ihre Gottesdienste attraktiver für Jugendliche zu machen“, so Likus.

Bei einem Band-Contest stellen Musikgruppen aktuelle Projekte vor, ein Tanztheater lädt zum Mitmachen ein. „Wir wollen auch diejenigen erreichen, die eigentlich keine Kirchgänger sind“, sagt Likus. Bei gemeinsamen Aktionen und Gesprächen sei es leichter, miteinander ins Gespräch zu kommen und Vorurteile abzubauen.

Rockende Pfarrer

Mit dabei sind auch drei rockende Pfarrer aus Sachsen. Ihre Band „Die Schwarzen Löcher“ spielt und gestaltet einen Rock-Gottesdienst. Statt Predigt und Kirchenbuch-Gesang erklingen Bässe, Gitarre und Schlagzeug. „Das Glaubensbekenntnis oder Vaterunser wird bei uns gerockt“, sagt Pfarrer und Bassist Hans-Jörg Rummel. Auch Diashow und vertonte Gedichte, etwa von Rilke, gehören zum Programm. „Unser Gottesdienst zeigt, dass es nicht immer verstaubt zugehen muss.“

Die Andacht soll zwar nicht zur Show werden, „aber junge Leute müssen eben anders abgeholt werden“. Letztendlich gehe es aber immer um den Glauben. „Bei uns werden die Inhalte nur nicht mit erhobenem Zeigefinger vermittelt“, sagt Rummel. So könnten viele eben auf eine nicht ganz alltägliche Weise erkennen, „dass Gott ja doch ganz ok ist“. (dpa)


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