Dresden
Mittwoch, 21. Oktober 2009
(Sächsische Zeitung)
(Sächsische Zeitung)
Pfleger gratulieren Elefantendame Schöpfi zum 50.
Von Nadja Laske
Auch hochbetagt ist die Jubilarin noch immer ein Kindskopf. Zum Geburtstag gibt es ein extra großes Brot und der ganze Zoo feiert.
Mit einem Schwimmring um den Hals kam Schöpfi als einjähriges Elefantenbaby von hoher See: Ein Schiff brachte sie von Indien nach Deutschland. Der Dresdner Zoo hatte sie von einem Händler gekauft. Geboren worden war sie in einem Arbeitscamp für Elefanten im Dschungel. Repro: Steffen Füssel
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Dresden - Ein Tier sucht sich seinen Pfleger aus, hat ein großer Elefantenkenner einst gesagt – nicht der Zoodirektor den Pfleger für das Tier.
Schöpfi hat sich Jörg Burger ausgesucht. Die Chemie zwischen den beiden stimmt. „Ich bin Pfleger, Animateur, Schutzpatron und Gefängniswärter in einem“, sagt er. Heute ist er vor allem Gratulant. Denn die betagte Elefantendame des Dresdner Zoos feiert ihren 50. Geburtstag. Ein stattliches Alter für die dickhäutige Inderin. So, als lebe ein Mensch 80 oder gar 100 Jahre.
„Da stellen sich so einige Beschwerden ein. Sie ist eben ein alter Elefant“, sagt Jörg Burger. Schon 25 Jahre füttert, bürstet, duscht, erzieht und beobachtet er sie. Er führt sie spazieren, streichelt ihre graue, lederne Haut mit den drahtigen Haaren. Und wenn er sich mit dem Rücken an ihre Brust zwischen die schulterhohen Vorderbeine stellt, fühlt sich Schöpfi geborgen, obwohl sie ihn birgt.
Elefant mit Faible für Technik
„Das ist Schöpfis Wesen“, sagt ihr Pfleger. Anlehnungsbedürftig und harmoniesüchtig. Gar kein Leittier, obwohl sie wegen ihres Alters die Matriarchin in der fünfköpfigen Elefantengruppe des Zoos ist. Und sie ist ein Pfiffikus, ein echter Schelm, oft mehr Kindskopf als Grande Dame.
Und Schöpfi hat ein großes Faible: Sie liebt Technik. „Bagger, Förderbänder, Planierraupen, ihr kommt jede Baustelle wie gerufen“, erzählt Jörg Burger. Wenn er mit der Elefantin den täglichen Spaziergang durch die Zooanlage macht, sind neu entstehende Gehege wie das Giraffenhaus und nun das neue Tropenhaus die beste Unterhaltung. Ganz sanft und konzentriert untersucht Schöpfi Bauzäune und Gerätschaften. Kaum eine Schraube, die, nicht ganz festgezurrt, Schöpfis Rüssel widersteht. „Sie bekommt alles auf“, sagt Jörg Burger. Der „Oberelefantenmann“ mag es nicht, Tiere zu vermenschlichen. Und doch: „Nach 25 Jahren kennen wir beide uns, wie sich eben zwei Menschen über diese lange Zeit kennenlernen.“ Da geht man durch dick und dünn, wie im Jahr 1990, als Schöpfi die Elefantenpocken bekam und sehr schwer krank war.
Vertrauen wächst langsam
Auch ihre beste Freundin Bombay hatte Pocken und starb daran. Das war für Schöpfi ein schlimmes Erlebnis. „Ja ich bin sicher, die Krankheit und vor allem dieser traurige Verlust waren große Schmerzen für ihre Seele“, meint ihr Pfleger.
Zu seinem Team gehören noch fünf weitere Tierpfleger, die Schöpfi betreuen und ihr den Lebensabend behaglich machen. Rund 20 haben im Laufe der vergangenen 50 Jahre mit ihr gearbeitet. „Das sind nur die, die sie wirklich akzeptiert hat“, sagt Burger. Auf nochmal so viele kommt er, wenn er die Zahl derer schätzt, die versucht haben, ihr Pfleger zu sein. Ob der Funke überspringt, das wisse man nach der ersten Woche, nach einem halben Jahr funktioniert der Alltag, aber viele Jahre dauert es, bis ein echtes Vertrauensverhältnis gewachsen ist.
Zu Schöpfis Geburtstagsfeier werden heute 14 Uhr fast alle ihrer gut 20 Pfleger in den Zoo kommen. Dann gibt es für die Jubilarin ein extra großes, frisch gebackenes Geburtstagsbrot aus Sauerteig. „Das liebt sie am meisten“, sagt Jörg Burger. Und dann wird angestoßen – auf Schöpfi und auf alle, die ihr fast 50 Jahre lang ein geborgenes und unterhaltsames Leben in der Begrenztheit des Zoos geboten haben.
Schöpfi hat sich Jörg Burger ausgesucht. Die Chemie zwischen den beiden stimmt. „Ich bin Pfleger, Animateur, Schutzpatron und Gefängniswärter in einem“, sagt er. Heute ist er vor allem Gratulant. Denn die betagte Elefantendame des Dresdner Zoos feiert ihren 50. Geburtstag. Ein stattliches Alter für die dickhäutige Inderin. So, als lebe ein Mensch 80 oder gar 100 Jahre.
„Da stellen sich so einige Beschwerden ein. Sie ist eben ein alter Elefant“, sagt Jörg Burger. Schon 25 Jahre füttert, bürstet, duscht, erzieht und beobachtet er sie. Er führt sie spazieren, streichelt ihre graue, lederne Haut mit den drahtigen Haaren. Und wenn er sich mit dem Rücken an ihre Brust zwischen die schulterhohen Vorderbeine stellt, fühlt sich Schöpfi geborgen, obwohl sie ihn birgt.
Elefant mit Faible für Technik
„Das ist Schöpfis Wesen“, sagt ihr Pfleger. Anlehnungsbedürftig und harmoniesüchtig. Gar kein Leittier, obwohl sie wegen ihres Alters die Matriarchin in der fünfköpfigen Elefantengruppe des Zoos ist. Und sie ist ein Pfiffikus, ein echter Schelm, oft mehr Kindskopf als Grande Dame.
Und Schöpfi hat ein großes Faible: Sie liebt Technik. „Bagger, Förderbänder, Planierraupen, ihr kommt jede Baustelle wie gerufen“, erzählt Jörg Burger. Wenn er mit der Elefantin den täglichen Spaziergang durch die Zooanlage macht, sind neu entstehende Gehege wie das Giraffenhaus und nun das neue Tropenhaus die beste Unterhaltung. Ganz sanft und konzentriert untersucht Schöpfi Bauzäune und Gerätschaften. Kaum eine Schraube, die, nicht ganz festgezurrt, Schöpfis Rüssel widersteht. „Sie bekommt alles auf“, sagt Jörg Burger. Der „Oberelefantenmann“ mag es nicht, Tiere zu vermenschlichen. Und doch: „Nach 25 Jahren kennen wir beide uns, wie sich eben zwei Menschen über diese lange Zeit kennenlernen.“ Da geht man durch dick und dünn, wie im Jahr 1990, als Schöpfi die Elefantenpocken bekam und sehr schwer krank war.
Vertrauen wächst langsam
Auch ihre beste Freundin Bombay hatte Pocken und starb daran. Das war für Schöpfi ein schlimmes Erlebnis. „Ja ich bin sicher, die Krankheit und vor allem dieser traurige Verlust waren große Schmerzen für ihre Seele“, meint ihr Pfleger.
Zu seinem Team gehören noch fünf weitere Tierpfleger, die Schöpfi betreuen und ihr den Lebensabend behaglich machen. Rund 20 haben im Laufe der vergangenen 50 Jahre mit ihr gearbeitet. „Das sind nur die, die sie wirklich akzeptiert hat“, sagt Burger. Auf nochmal so viele kommt er, wenn er die Zahl derer schätzt, die versucht haben, ihr Pfleger zu sein. Ob der Funke überspringt, das wisse man nach der ersten Woche, nach einem halben Jahr funktioniert der Alltag, aber viele Jahre dauert es, bis ein echtes Vertrauensverhältnis gewachsen ist.
Zu Schöpfis Geburtstagsfeier werden heute 14 Uhr fast alle ihrer gut 20 Pfleger in den Zoo kommen. Dann gibt es für die Jubilarin ein extra großes, frisch gebackenes Geburtstagsbrot aus Sauerteig. „Das liebt sie am meisten“, sagt Jörg Burger. Und dann wird angestoßen – auf Schöpfi und auf alle, die ihr fast 50 Jahre lang ein geborgenes und unterhaltsames Leben in der Begrenztheit des Zoos geboten haben.







