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Dresden
Dienstag, 7. Februar 2012
(online-Redaktion)

Klappern im Kalten


Mit einem Flashmob machten Dutzende Familien am Dienstag vor dem Dresdner Rathaus auf die prekäre Kitaplatz-Situation in der Stadt aufmerksam.

Bildergalerie

Junge Familien versammeln sich vor dem Dresdner Rathaus. Fotos: szo/Nörkau

Dresden. Viele Kinderwagen und Tragetücher, ungefähr 100 junge Mütter und Väter und massenweise Dresdner Nachwuchs im Krabbelalter formten am Dienstagnachmittag vor dem Dresdner Rathaus eine bunte und laute Menschentraube.

Der Anlass war ein Flashmob, zu dem zwei Dresdnerinnen geladen hatten. Die Demonstration lief unter dem Motto "Kindergarten oder Tagesmutti gesucht? Du bist nicht allein!" und wollte auf das Fehlen von Betreuungsplätzen für Kleinkinder aufmerksam machen.

Auf "verheerende Betreuungssituation" aufmerksam machen

Susan Rautert (27) ist eine der Organisatorinnen der Spontan-Versammlung, die mit Rasseln, Klappern und anderem Lärmgerät auch akustisch für Aufmerksamkeit sorgte. "Die Betreuungssituation in Dresden ist verheerend. Die Stadt hat in Sachen Kita-Plätze einfach zu lange geschlafen und zu viele leere Versprechungen gemacht.", sagt die Mutter, die ihre 11-monatige Tochter Emilia Zoe zur Demo mitgebracht hat. "Der Flasmob ist aus einer Schnapsidee entstanden, die meine Freundin Kristin Obitz und ich seit geraumer Zeit mit uns herum tragen", so Susan Rautert weiter.

Dresdens Sozialbürgermeister Martin Seidel (parteilos) zeigte sich beeindruckt von der Demonstration, da sie plastisch die Probleme illustriere, mit denen die Stadt derzeit kämpft. "Aktuell fehlen in Dresden 800 bis 900 Betreuungsplätze, Mitte 2012 werden es ca. 1.500 sein. Das ist keine befriedigende Situation. Übermorgen wird der Stadtrat über ein entsprechendes Maßnahmenpaket abstimmen. Den Flashmob sehe ich deshalb auch als wichtiges Signal an die Entscheidungsträger", so Seidel.

Engpässe durch Bauverzögerungen, Zuzüge und "Hierbleiber"


Wenig später lud Seidel die Demonstrierenden - auch wegen der Temperaturen - in einen Versammlungsraum des Rathauses ein, um dort weiter Rede und Antwort zu stehen. Die Engpässe bei der Kinderbetreuung begründete der Sozialbürgermeister unter anderem mit Verzögerungen bei Kita-Neubauten, unerwartet hohen Zuzügen von außerhalb und einer gewachsenen Zahl von Studenten, die nach ihrer Ausbildung in Dresden bleiben und Familien gründen.

Das vielleicht drängendste Problem der anwesenden Eltern: Manche von ihnen mussten oder müssen aufgrund eines nicht vorhandenen Betreuungsplatzes ihren Job aufgeben. Im Gegensatz dazu haben beispielsweise Bezieher von ALG II Anspruch auf einen Betreuungsplatz und bekommen ihn sogar bezahlt. Ein Dilemma, das die Laune arbeitswilliger Mütter und Väter nicht unbedingt bessert.

Zumindest mittelfristig kann aber Entwarnung gegeben werden: Ab 1. Januar 2013 haben Eltern in Deutschland einen Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz für Kinder bis drei Jahre. Bis dahin heißt es: warten und hoffen. (szo/an)


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