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Dresden
Sonntag, 11. Oktober 2009
(Sächsische Zeitung)

GORBITZ

Hochhaus-Mieter schlagen Schimmel-Alarm


Bewohner der Häuser am Amalie-Dietrich- Platz beklagen, die Gagfah lasse die Gebäude bewusst verkommen. Der Vermieter widerspricht der Kritik.

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Fünf von 46 (v.l.): Sonja Branz, Irene Stenzel, Bernhard Kasper, Andreas Kühnelt und Maik Franz beklagen sich über den zunehmend schlechteren Zustand der Hochhäuser am Amalie-Dietrich-Platz. Sie werfen der Gagfah vor, die Plattenbauten bewusst verkommen zu lassen. Foto: Steffen Unger

Dresden - Wirklich schön ist an den Hochhäusern am Amalie-Dietrich-Platz 7 bis 9 nur der Blick über die Stadt, den man aus den oberen Etagen hat. Innen haben die Mieter der Gagfah mit vielfältigen Problemen zu kämpfen. Dazu zählen undichte Fugen, defekte Heizkörper, Taubenkot auf den Balkonen – und immer wieder Schimmel. So jedenfalls schildert es Andreas Kühnelt, der unter Nachbarn Mängelprotokolle herumgereicht hat. Bisher trugen 46 Parteien ihre Beschwerden in die Listen ein.

Der EU-Rentner wohnt seit September 2006 in Haus Nummer 8 und hat schon vor dem Einzug Schimmel in seiner künftigen Wohnung bekämpft. „Ich hatte dann erst einmal ein knappes Jahr Ruhe“, berichtet er. Als der Pilzbefall 2008 zurückkehrte, schaltete er das städtische Gesundheitsamt ein und klagte auf Mietminderung. Der Gerichtsstreit läuft noch.

Maximal 18 Grad im Winter

Nicht alle gehen so forsch vor. Eine junge Mutter zog kürzlich entnervt aus. „Im Winter wurde es in meiner Wohnung maximal 18 Grad warm, obwohl das Thermostat auf höchster Stufe stand.“ Der herbeigerufene Hausmeister habe ihr erklärt, das sei „schon in Ordnung so“.

Was die Frau erzählt, ließe sich vom Vermieter mühelos als Steilvorlage nutzen. Schimmelbefall, so erklärt Gagfah-Sprecherin Bettina Benner, sei nämlich oft auf falsches oder unzureichendes Lüften zurückzuführen. Grundsätzlich nehme man derlei Probleme aber sehr ernst. Kämen tatsächlich bauliche Mängel als Ursache infrage, werde ein Gutachter der Dekra beauftragt. „Dringt Wasser von außen ein, beauftragen wir eine Fachfirma.“

Angesichts der Tatsache, dass jedes Hochhaus über 208 Wohneinheiten verfüge, sei die Zahl der Beschwerden aber gering, sagt Benner. „Zum Teil haben wir die gemeldeten Mängel schon beseitigt.“

Verweis zum Hausmeister

Bewohner wie Bernhard Kasper geben sich damit nicht zufrieden. In Wirklichkeit lasse der nur auf Profit orientierte Immobilienriese die Wohnungen schlicht verkommen, schimpft der 67-Jährige. Im Haus kursieren haarsträubende Geschichten. Etwa die von einem jungen Mann, der eine andere Wohnung im Stadtgebiet aufgeben musste, weil er dort gesundheitliche Probleme mit Schimmel bekam. Dass der Umzug in die neue Bleibe am Amalie-Dietrich-Platz zum Sprung vom Regen in die Traufe wurde, habe ihm niemand gesagt, erzählt Andreas Kühnelt.

Für ihn selbst kommt die juristische Auseinandersetzung mit der Gagfah zum denkbar ungünstigsten Zeitpunkt: Der 44-Jährige hat Krebs und muss sich Bestrahlungen und Chemotherapie unterziehen. Der Vorschlag zu einer außergerichtlichen Einigung sei vom Anwalt der Gagfah abgelehnt worden, klagt Kühnelt. Auf SZ-Nachfrage erklärt Konzernsprecherin Benner, zu dem laufenden Verfahren keine Auskunft geben zu wollen.

Genauso ins Leere laufen Mieter, die neue Missstände in ihrer Wohnung behoben haben wollen. Bei der Hotline der Hausservice-Firma geht nur noch der Anrufbeantworter an: „Leider sind wir für Reparaturarbeiten in ihrem Wohngebiet nicht mehr zuständig. Wenden Sie sich diesbezüglich bitte an Ihren Hausmeister.“ Andreas Rentsch



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