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Dresden
Dienstag, 7. Februar 2012
(Sächsische Zeitung)

INNERE NEUSTADT

Dresdens sinnloseste Bänke

Von Tobias Winzer

Kunst ist nicht immer praktisch. Im Barockviertel hagelt es Kritik für den von einem Künstler gestalteten Kunsthausplatz. Der Stadt sind die Hände gebunden.

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„Diese Bänke sind eher zum Balancieren als zum Sitzen geeignet“, sagt die Anwohnerin vom neu gestalteten Kunsthausplatz, Regina Schröder. Nachbesserungen an dem Platz lehnt der Künstler, Jozef Legrand, jedoch ab. Fotos: André Wirsig (2)

Wenn Regina Schröder aus ihrer Wohnung auf den Kunsthausplatz schaut, muss sie mit dem Kopf schütteln. „Das ist eine Betonwüste“, sagt sie. Die Stadt hatte den ehemaligen Wendehammer, dessen Umgestaltung 270000 Euro gekostet hat, als Treffpunkt für Anwohner und Besucher des Barockviertels konzipiert. Doch rund vier Monate nach der Fertigstellung wird immer mehr Kritik an dem Platz am südlichen Ende der Rähnitzgasse laut.

Für Ärger sorgen vor allem die Bänke, die sich um drei Ahornbäume schlängeln. Die Sitzflächen aus Lärchenholz sind zwischen 30 und 120 Zentimeter hoch und nur 20Zentimeter breit. „Das finde ich ziemlich lachhaft“, sagt Regina Schröder. Die Bänke seien eher zum Balancieren als zum Sitzen geeignet. Mit ihrer Kritik steht die 59-Jährige nicht alleine da.

Platz wird „belächelt“

„Die Gestaltung des Platzes entspricht nicht so ganz dem Anspruch“, sagt Roland Steffan, ebenfalls Anwohner am Kunsthausplatz. „Die Bänke sind natürlich viel zu schmal“, sagt Steffan. „Und die Höhen zum Sitzen vollkommen ungeeignet.“ Offenbar macht sich die Stadt mit dem Kunsthausplatz gerade zum Gespött der Dresdner. „Bei uns im Haus gibt es keine erregte Debatte um den Platz“, sagt Steffan. „Er wird eher belächelt.“

Denn neben den Bänken stoßen auch andere Gestaltungselemente auf Unverständnis bei Anwohnern. „Zu viel Stein, zu wenig Grün“, sagt eine Frau, die ihren Namen nicht in der Zeitung lesen will. Heinz Hemmerling ärgern vor allem die Fahrzeuge, die trotz eines Parkverbots rings um den Platz stehen. Die Autos würden regelmäßig den Weg für Rettungswagen versperren. Nach Ansicht von Hemmerling ist daran die Stadt schuld. „Es müsste mehr Verbotsschilder geben“, sagt der 70-Jährige. Außerdem befürchtet der Rentner, dass die Bänke im Sommer von Skateboard-Fahrern genutzt werden könnten.

Der Verwaltung sind die Bedenken seit Langem bekannt. Die Stadt hatte die Bewohner des Barockviertels im vergangenen Herbst zu aktuellen oder gerade beendeten Bauprojekten in dem Quartier befragt. Einer der größten Kritikpunkte dabei: die Gestaltung des Kunsthausplatzes. Die neuen Bänke seien für ältere Menschen nicht geeignet. Außerdem fehlen Mülleimer, Parkplätze und Fahrradständer, hieß es damals. Der Leiter des Stadtplanungsamtes, Stefan Szuggat, hatte daraufhin im vergangenen November versprochen, Nachbesserungen zu prüfen.

Künstler verteidigt Gestaltung

Wie jetzt erst bekannt wird, sind der Verwaltung dabei jedoch die Hände gebunden. Und das aus eigenem Verschulden. Der Grund: Die Stadt hat mit dem künstlerischen Gestalter des Platzes, Jozef Legrand, einen Vertrag abgeschlossen. Dieser Kontrakt verbietet Veränderungen an dem Platz für die kommenden 25 Jahre. Das teilte Rathaussprecherin Anke Hoffmann mit. So sei bereits das Anbringen von zusätzlichen Mülleimern in der Mitte des Platzes von dem belgischen Künstler abgelehnt worden.

Legrand sieht den von ihm gestaltenen Platz als „Gesamtkunstwerk“. Die Kritik an den Bänken kann er nur teilweise nachvollziehen. „Man sitzt sehr bequem auf den Bänken. Und die Nutzer können sich die ideale Höhe aussuchen.“ Vor allem ältere Menschen würden sich aber Rücklehnen wünschen, sagt Legrand.

Die Bänke nachrüsten will er aber nicht. „Da die Bänke an keiner Stelle gerade sind, wäre das technisch sehr kompliziert und teuer“, sagt er. Außerdem würden Lehnen die Durchlässigkeit des Platzes einschränken. Seiner Meinung nach gebe es durch die Gestaltung eine „erhebliche Qualitätsverbesserung“. Regina Schröder kann das nicht verstehen. „Die Verwaltung sollte doch eigentlich Geld ausgeben, um etwas für die Bürger zu tun und nicht für die Selbstdarstellung eines Künstlers.“

Die Stadt versucht nun, zu retten, was zu retten ist. Am Rand des Kunsthausplatzes sollen noch in diesem Frühjahr zwei weitere Bänke und ein Pflanzbeet entstehen sowie ein weiterer Mülleimer aufgestellt werden. Die Kritik an den geschwungenen Bänken kann auch die Verwaltung nicht nachvollziehen. Bei der Bank handele es sich um eine künstlerisch umgesetzte „Mehrgenerationenbank“, die durchaus genutzt werden soll, sagte Hoffmann.



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