Dresden
Mittwoch, 23. Juni 2010
(Sächsische Zeitung)
(Sächsische Zeitung)
Dresden will Ex-Stasi-Gelände verkaufen
Von Thilo Alexe
Stadträte setzen sich für den Erhalt der Gedenkstätte auf der Bautzner Straße ein. Sie fürchten, dass sie mit dem Verkauf verschwindet.
Erhalt ist das Ziel von Herbert Wagner für die Gedenkstätte auf dem einstigen Stasigelände. Der Ex-Oberbürgermeister ist neuer Chef des Gedenkstättenvereins. Foto: Steffen Füssel
Die Adresse weckt ungute Erinnerungen: Bautzner Straße 112 – 116. Bis 1989 residierte am Elbhang die Dresdner Bezirksverwaltung des Ministeriums für Staatssicherheit. Der frühere Oberbürgermeister der Stadt denkt mit Schaudern an den Überwachungsapparat. Heute erinnert in dem Areal eine Gedenkstätte an die finsteren Seiten der DDR. Herbert Wagner ist Chef des Vereins.
Stadträte sorgen sich jetzt um den Erhalt der Einrichtung. Denn Dresden will Gebäudeteile verkaufen. Daher fordern CDU, Grüne und die Bürgerfraktion Oberbürgermeisterin Helma Orosz (CDU) per Antrag zur „dauerhaften Sicherung des Gedenkstättenbetriebs“ auf. Voraussichtlich am Donnerstag entscheidet der Stadtrat darüber. Anliegen der Fraktionen ist es, dass die vom Verein „Erkenntnis durch Erinnerung“ betriebenen historischen Räume weiter für die Öffentlichkeit zugänglich sind. Dazu zählen der als „Fuchsbau“ bekannte unterirdische Gefängnistrakt, ein Kinosaal sowie eine Büroetage des Staatssicherheitsministeriums.
Ferner soll sich Orosz dafür einsetzen, dass sich der Trägerverein auch nach dem Eigentümerwechsel in der Immobilie einmieten kann. Dazu seien Verhandlungen der Stadt mit der Stiftung Sächsische Gedenkstätten, der Stiftung Aufarbeitung und dem Bundeskulturbeauftragten nötig, heißt es in dem Antrag. Weiterer Punkt: Das im Original vorhandene Büro des Dresdner Stasi-Chefs sowie ein benachbarter Beratungsraum samt aufwendiger Holztäfelung und Ausstattung der Hellerauer Werkstätten sollen erhalten bleiben. Dazu sei allerdings die Überführung des Mobiliars in einen anderen Gebäudeteil nötig. Die drei Fraktionen hegen, wie sie schreiben, „ernsthafte Befürchtungen für den Fortbestand dieser Räume als öffentlich zugängliche authentische Orte der Vermittlung von Lokal- und Regionalgeschichte“. Sie beziehen sich dabei auf eine sogenannte „stadtplanungsrechtliche Beurteilung“ des Rathauses. Die sieht zwar den Erhalt der Gedenkstättenräume vor. Doch wenige Zeilen später ist auch von einer denkbaren „Neuordnung des Areals“ sowie einer möglichen „Neubebauung“ die Rede.
Aus Sicht von CDU, Grünen und der Bürgerfraktion wäre es am besten, wenn die als Gedenkstätte genutzten Gebäudeteile im Besitz der Stadt blieben oder deren öffentliche Nutzung fixiert würde.
Das Interesse an der jüngeren Geschichte ist offenbar groß. Seit Jahren steigen die Besucherzahlen. Neben Einzelgästen besuchen nach Angaben der Fraktionen immer mehr Schulklassen und Seminargruppen der Bundeswehr den Ort. Zudem werde die historische Stätte immer häufiger als Drehort für Dokumentationen und Filme genutzt.
Nach dem Verkauf drohe die Gefahr, dass nicht mehr genügend Platz für Reisebusse oder technische Anlagen vorhanden sei. Bereits jetzt werde es gelegentlich eng. Denn die zehn vorhandenen Stellplätze entsprächen gerade lediglich den gesetzlichen Mindestanforderungen. Verschärfend hinzu komme, dass die Patienten naheliegender Arztpraxen die Parkflächen nutzten.
Interessierte können die Gedenkstätte an Werktagen (9 – 16 Uhr) besuchen. Am jeweils letzten Sonnabend im Monat, wie am 26. Juni, ist ebenfalls geöffnet (10 – 16 Uhr). Um 11 Uhr gibt es Führungen.
Stadträte sorgen sich jetzt um den Erhalt der Einrichtung. Denn Dresden will Gebäudeteile verkaufen. Daher fordern CDU, Grüne und die Bürgerfraktion Oberbürgermeisterin Helma Orosz (CDU) per Antrag zur „dauerhaften Sicherung des Gedenkstättenbetriebs“ auf. Voraussichtlich am Donnerstag entscheidet der Stadtrat darüber. Anliegen der Fraktionen ist es, dass die vom Verein „Erkenntnis durch Erinnerung“ betriebenen historischen Räume weiter für die Öffentlichkeit zugänglich sind. Dazu zählen der als „Fuchsbau“ bekannte unterirdische Gefängnistrakt, ein Kinosaal sowie eine Büroetage des Staatssicherheitsministeriums.
Ferner soll sich Orosz dafür einsetzen, dass sich der Trägerverein auch nach dem Eigentümerwechsel in der Immobilie einmieten kann. Dazu seien Verhandlungen der Stadt mit der Stiftung Sächsische Gedenkstätten, der Stiftung Aufarbeitung und dem Bundeskulturbeauftragten nötig, heißt es in dem Antrag. Weiterer Punkt: Das im Original vorhandene Büro des Dresdner Stasi-Chefs sowie ein benachbarter Beratungsraum samt aufwendiger Holztäfelung und Ausstattung der Hellerauer Werkstätten sollen erhalten bleiben. Dazu sei allerdings die Überführung des Mobiliars in einen anderen Gebäudeteil nötig. Die drei Fraktionen hegen, wie sie schreiben, „ernsthafte Befürchtungen für den Fortbestand dieser Räume als öffentlich zugängliche authentische Orte der Vermittlung von Lokal- und Regionalgeschichte“. Sie beziehen sich dabei auf eine sogenannte „stadtplanungsrechtliche Beurteilung“ des Rathauses. Die sieht zwar den Erhalt der Gedenkstättenräume vor. Doch wenige Zeilen später ist auch von einer denkbaren „Neuordnung des Areals“ sowie einer möglichen „Neubebauung“ die Rede.
Aus Sicht von CDU, Grünen und der Bürgerfraktion wäre es am besten, wenn die als Gedenkstätte genutzten Gebäudeteile im Besitz der Stadt blieben oder deren öffentliche Nutzung fixiert würde.
Das Interesse an der jüngeren Geschichte ist offenbar groß. Seit Jahren steigen die Besucherzahlen. Neben Einzelgästen besuchen nach Angaben der Fraktionen immer mehr Schulklassen und Seminargruppen der Bundeswehr den Ort. Zudem werde die historische Stätte immer häufiger als Drehort für Dokumentationen und Filme genutzt.
Nach dem Verkauf drohe die Gefahr, dass nicht mehr genügend Platz für Reisebusse oder technische Anlagen vorhanden sei. Bereits jetzt werde es gelegentlich eng. Denn die zehn vorhandenen Stellplätze entsprächen gerade lediglich den gesetzlichen Mindestanforderungen. Verschärfend hinzu komme, dass die Patienten naheliegender Arztpraxen die Parkflächen nutzten.
Interessierte können die Gedenkstätte an Werktagen (9 – 16 Uhr) besuchen. Am jeweils letzten Sonnabend im Monat, wie am 26. Juni, ist ebenfalls geöffnet (10 – 16 Uhr). Um 11 Uhr gibt es Führungen.








