Dresden
Samstag, 20. März 2010
(Sächsische Zeitung)
(Sächsische Zeitung)
Dresden hilft Dynamo
Von Thilo Alexe
Der Stadtrat beschließt weiteres Geld fürs Stadion. Von der Finanzspritze profitiert Dynamo. Die Unterstützung ist umstritten.
Bier, Schal, Sonnenbrille: Die rund 500 Dynamo-Fans vor dem Rathaus waren gut drauf. Mehr als zwei Stunden sangen sie, sodass es auch im Plenarsaal unüberhörbar war: „Hier regiert die SGD!“ Wirklich? Jedenfalls hat der finanziell gebeutelte Klub erreicht, dass weiteres städtisches Geld fürs Stadion fließt. Und das trotz erheblicher Widerstände in der CDU und der Bürgermeisterriege.
Zum Auftakt der Debatte ging Finanzbürgermeister Hartmut Vorjohann (CDU) hart ins Gericht mit dem Verein, aber auch den Dynamo-Lobbyisten im Stadtrat. Zwölf Millionen Euro habe Dresden bislang für das Stadion zugeschossen und mit 40 Millionen Euro für den Bau gebürgt. „Das ist Geld, das vom Steuerzahler kommt.“ Die präzise und scharfsinnige Auflistung des Kämmerers hatte einen Zweck: zu zeigen, dass die Finanzprobleme der Gelb-Schwarzen wegen des Stadions großteils hausgemacht sind. „Niemand kann heute sagen, er hätte von der Kostenentwicklung, die auf uns zuläuft, nichts gewusst.“
Verein droht Insolvenz
Dennoch erkannte Vorjohann an, dass der Verein durch die Verträge zur Stadionmiete insolvenzgefährdet ist. Rund 312000 Euro fehlten den Kickern pro Jahr. Die Stadt, so die Offerte des Kämmerers, erhöhe daher ihre Zuschüsse von jährlich rund 2,1 Millionen Euro an die Stadiongesellschaft. Sogar um rund 528000 Euro. Das entlaste die Gelb-Schwarzen zu Genüge. Vorjohann verwies auf den dreistelligen Millionenbetrag, den Dresden wegen der Finanzkrise in den kommenden drei Jahren einsparen müsse.
Dynamo-Präsident Hauke Haensel hatte es nicht leicht, als er im Anschluss ans Pult trat. Denn der Verein hoffte auf 1,5 Millionen Euro zusätzlicher Stütze. Andernfalls drohe die Pleite. „Wir bitten einzig und allein um eine faire Chance“, sagte Haensel, der im Hauptberuf Banker ist. Dynamo habe sich konsolidiert und die Misswirtschaft der vergangenen Jahre überwunden. Haensel: „Wir haben unsere Hausaufgaben gemacht.“
Dann ging’s rund. „Dynamo gehört zu Dresden wie die Oper“, sagte der ehemalige Balletttänzer Jan Kaboth (Bürgerfraktion). „Am Wettlauf um höhere Zuschüsse werden wir uns nicht beteiligen“, konterte Anke Wagner von der CDU. Ihr Fraktionskollege Georg Böhme- Korn erkannte sogar das „Paradies auf Erden“ für Dynamo. Durch Vorjohanns Vorstoß werde dem Verein quasi die Grundmiete finanziert. „Wenn Sie alle wegblieben, bekommt Dynamo sogar noch was ausbezahlt“, rief er den auf der Tribüne sitzenden Fans zu.
Das war den Fußballfans unter den Stadträten dann doch zu viel. „Wenn wir Dynamo heute nicht helfen, schicken wir den Verein zum Insolvenzrichter“, sagte Linksfraktionschef André Schollbach. Die Mietlast erdrücke den Verein. Gehe der pleite, müsse das Rathaus pro Jahr vier Millionen Euro für ein schmuckes Stadion zahlen „in dem niemand spielt“. Auch SPD-Fraktionschef Peter Lames malte das größtmögliche Schreckensszenario aus: eine leere Arena, die ohne Dynamo zum Millionengrab werde.
Kein normaler Club
Grünen-Fraktionssprecher Jens Hoffsommer stellte im Rückblick fest, dass die Verträge zu Bau und Betrieb des Stadions äußerst blauäugig abgeschlossen worden seien: „Da herrschte einfach das Prinzip Hoffnung.“ Eine Sicht, die auch Vorjohann teilte. „Wir haben Sie damals beraten. Sie haben nur nicht zugehört“, rief er vor allem den linken Stadträten zu.
Letztlich stimmte der Rat aber doch für eine Finanzspritze von rund 1,2 Millionen Euro und die Neuverhandlung der Verträge. FDP-Fraktionschef Holger Zastrow brachte es am eindrucksvollsten auf den Punkt: „Dynamo Dresden ist eben kein normaler Verein.“
Zum Auftakt der Debatte ging Finanzbürgermeister Hartmut Vorjohann (CDU) hart ins Gericht mit dem Verein, aber auch den Dynamo-Lobbyisten im Stadtrat. Zwölf Millionen Euro habe Dresden bislang für das Stadion zugeschossen und mit 40 Millionen Euro für den Bau gebürgt. „Das ist Geld, das vom Steuerzahler kommt.“ Die präzise und scharfsinnige Auflistung des Kämmerers hatte einen Zweck: zu zeigen, dass die Finanzprobleme der Gelb-Schwarzen wegen des Stadions großteils hausgemacht sind. „Niemand kann heute sagen, er hätte von der Kostenentwicklung, die auf uns zuläuft, nichts gewusst.“
Verein droht Insolvenz
Dennoch erkannte Vorjohann an, dass der Verein durch die Verträge zur Stadionmiete insolvenzgefährdet ist. Rund 312000 Euro fehlten den Kickern pro Jahr. Die Stadt, so die Offerte des Kämmerers, erhöhe daher ihre Zuschüsse von jährlich rund 2,1 Millionen Euro an die Stadiongesellschaft. Sogar um rund 528000 Euro. Das entlaste die Gelb-Schwarzen zu Genüge. Vorjohann verwies auf den dreistelligen Millionenbetrag, den Dresden wegen der Finanzkrise in den kommenden drei Jahren einsparen müsse.
Dynamo-Präsident Hauke Haensel hatte es nicht leicht, als er im Anschluss ans Pult trat. Denn der Verein hoffte auf 1,5 Millionen Euro zusätzlicher Stütze. Andernfalls drohe die Pleite. „Wir bitten einzig und allein um eine faire Chance“, sagte Haensel, der im Hauptberuf Banker ist. Dynamo habe sich konsolidiert und die Misswirtschaft der vergangenen Jahre überwunden. Haensel: „Wir haben unsere Hausaufgaben gemacht.“
Dann ging’s rund. „Dynamo gehört zu Dresden wie die Oper“, sagte der ehemalige Balletttänzer Jan Kaboth (Bürgerfraktion). „Am Wettlauf um höhere Zuschüsse werden wir uns nicht beteiligen“, konterte Anke Wagner von der CDU. Ihr Fraktionskollege Georg Böhme- Korn erkannte sogar das „Paradies auf Erden“ für Dynamo. Durch Vorjohanns Vorstoß werde dem Verein quasi die Grundmiete finanziert. „Wenn Sie alle wegblieben, bekommt Dynamo sogar noch was ausbezahlt“, rief er den auf der Tribüne sitzenden Fans zu.
Das war den Fußballfans unter den Stadträten dann doch zu viel. „Wenn wir Dynamo heute nicht helfen, schicken wir den Verein zum Insolvenzrichter“, sagte Linksfraktionschef André Schollbach. Die Mietlast erdrücke den Verein. Gehe der pleite, müsse das Rathaus pro Jahr vier Millionen Euro für ein schmuckes Stadion zahlen „in dem niemand spielt“. Auch SPD-Fraktionschef Peter Lames malte das größtmögliche Schreckensszenario aus: eine leere Arena, die ohne Dynamo zum Millionengrab werde.
Kein normaler Club
Grünen-Fraktionssprecher Jens Hoffsommer stellte im Rückblick fest, dass die Verträge zu Bau und Betrieb des Stadions äußerst blauäugig abgeschlossen worden seien: „Da herrschte einfach das Prinzip Hoffnung.“ Eine Sicht, die auch Vorjohann teilte. „Wir haben Sie damals beraten. Sie haben nur nicht zugehört“, rief er vor allem den linken Stadträten zu.
Letztlich stimmte der Rat aber doch für eine Finanzspritze von rund 1,2 Millionen Euro und die Neuverhandlung der Verträge. FDP-Fraktionschef Holger Zastrow brachte es am eindrucksvollsten auf den Punkt: „Dynamo Dresden ist eben kein normaler Verein.“






