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Dresden
Mittwoch, 8. Dezember 2010
(Sächsische Zeitung)

Die Schloßstraße entsteht wieder neu

Von Bettina Klemm

Bis zum Frühjahr 2012 baut die Baywobau Dresden für 100 Millionen Euro ein Hotel, ein Appartementhaus und Wohnungen. Damit entstehen wieder alte Stadtstrukturen.

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Im Frühjahr 2012 soll der Blick in die Schloßstraße wie auf der oberen Visualisierung aussehen. Foto: Baywobau

Die Ansicht auf der Bautafel lässt erahnen, wie die Schloßstraße in einem reichlichen Jahr aussehen wird. Gegenüber vom Schloss baut die Baywobau Dresden ein Fünf-Sterne-Hotel für die Schweizer Swissôtel-Gruppe mit weitgehend historischen Fassaden.

Neben dem Fünf-Sterne-Hotel mit 235 Zimmern und Suiten entstehen auch die kurfürstliche Schmiede mit 23 Appartements und direkt am Stallhof die Wohnresidenz Löwenhof mit Zwei- bis Fünf-Zimmerwohnungen zwischen 75 und 200 Quadratmetern Größe. Alle drei Projekte auf einer 5.700 Quadratmeter großen Fläche zwischen Schloßstraße und Schössergasse zusammen kosten fast hundert Millionen Euro.

Alte Gassen entstehen neu

Mit dem historischen Stadtbild entstehen auch wieder die typischen Neumarkt-Gassen. Das Bauprojekt schließt nach mehr als 65 Jahren eine der letzten Kriegswunden im Herzen der Stadt, sagt Baywobau-Chef Berndt Dietze, der beharrlich für das Projekt und dessen Finanzierung gekämpft hatte.

Auch bei dem gegenwärtigen Schneetreiben drehen sich die drei Kräne an der Schloßstraße. „Wir liegen mit dem Bau im Plan. Im April 2012 will die Swissôtel-Gruppe ihr neues Haus eröffnen. Im zweiten Quartal 2012 sollen auch die anderen Häuser fertig sein“, sagt Claus Fiebiger. Der Prokurist der Schlosshotel GmbH erläutert den Bauablauf: Die Zwischendecken wurden bereits in einem frühen Baustadium geschlossen. So können die Bauleute, wenn sie derzeit aus Sicherheitsgründen nicht auf dem Dach arbeiten, in der künftigen Tiefgarage bereits die Versorgungstechnik einbauen. Etwa 85 Arbeiter sind derzeit auf der Baustelle im Einsatz, beim Endausbau werden es mehr als 200 sein.

Das dritte Obergeschoss ist bereits im Bau. „Im hinteren Teil an der Kanzleigasse haben wir schon die endgültige Höhe erreicht“, sagt Steffen Herzer. Er ist der erste Bauleiter der Firma Dreßler-Bau, die den Auftrag für das gesamte Projekt erhalten hat.

Noch sind am Rohbau aus Beton nur erste Wölbungen erkennbar. Die zwölf Einzelfassaden an der Schloßstraße werden bis auf das Eckhaus zur Sporergasse nach historischem Vorbild errichtet. Dazu gehören beispielsweise zwei Giebel, plastischer Schmuck und ein hölzerner Erker. Beim Hoffmannseggschen Haus mit der Nummer 34, dem ehemaligen Wohnhaus von Zwingerbaumeister Daniel Pöppelmann, handelt es sich um einen Leitbau. Deshalb werden nicht nur die Fassade, sondern auch das Treppenhaus und die Gewölbedecke originalgetreu errichtet.

Historischer Keller einbezogen

Die Keller aus dem Ende des 15./ Anfang des 16. Jahrhunderts blieben erhalten. Deutlich sind die Plänerplatten an den Wänden und die später darüber errichteten Kreuzgratgewölbe zu erkennen. Die Keller wurden stabilisiert, gereinigt und fehlende Teile ersetzt. Vielleicht haben später die Gäste des Wellnessbereiches im künftigen Ruheraum Muße, sich mit der Geschichte zu befassen.

Auch Pöppelmann kommt zu Ehren. Zu seinem 200. Todestag 1936 wurde einst eine lebensgroße Figur am benachbarten Fraumutterhaus angebracht. Ob es damals eine Verwechslung war, oder ob Pöppelmann in dem Haus seine Dienstwohnung hatte, ist nicht exakt belegt. „Von der Figur gibt es noch einige Originalteile. Sie dienen als Grundlage für die neue Plastik“, sagt Claus Fiebiger.

Leitbauten an der Schössergasse sind das Bosesche und das Löwenhaus, Nummer 16 und 18, sowie das Zechsche Haus Nummer 27. Vier Fassaden werden modern gestaltet. Darunter ist ein Haus, das an die große Tänzerin Gret Palucca erinnern soll. Nach dem Entwurf der Dresdner Architektin Heike Böttger werden fünf lebensgroße Tänzerinnen in der sogenannten Beton-Matritzentechnik in die Fassadenplatte geritzt. Bisher schützen noch blaue Planen die Gerüste. Wahrscheinlich Ende Januar, so kündigt es Prokurist Fiebiger an, werden sie durch Visualisierungen ersetzt, dann erhalten die Passanten einen Vorgeschmack auf das künftige Hotel.



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