Chemnitz
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der Chemnitzer Morgenpost
zur Verfügung gestellt
Mittwoch, 10. März 2010
(Chemnitzer Morgenpost)
(Chemnitzer Morgenpost)
TU fahndet nach Opas Hightech
Zum Jubiläum: Historische Rechenmaschine und Ur-Thermoskanne schon gefunden
Mandy Schneider
Weil die Chemnitzer Universität bald 175. Geburtstag feiert, trägt Historiker Stephan Luther (47) Hightech aus zwei Jahrhunderten zusammen - und entdeckt dabei manche Überraschung.
Die wertvollsten Stücke verwahrt der Leiter des Uni-Archivs alarmgesichert im Stahlschrank: ein Thomas Arithmometer von 1867. „Eine ähnliche Rechenmaschine hat beim Auktionshaus Sotheby’s 600000 Pfund erzielt.“
In einer unscheinbaren Schachtel liegt der Nachbau der Ur-Thermoskanne, einer Erfindung des Chemnitzer Physikers Adolf Ferdinand Weinhold. Daneben stehen Demonstrationsgeräte, die Weinhold entwarf, um Studenten zu erklären, wie die Naturwissenschaft funktioniert. Der berühmte Chemnitzer Professor hatte unendlich viel Sinn für die Wissenschaft - und wenig für seine Garderobe, wie Briefe seiner Frau Helene belegen. „Die ermahnte ihn, sich doch mal eine neue Jacke zu kaufen, wenn der König nach Chemnitz kommt“, weiß Stephan Luther.
Auch zwei der drei Rektorenketten liegen im Stahlschrank. „Nach der dritten suchen wir gerade.“ Die Kette der einst zur TU gehörenden Pädagogischen Hochschule wird in Zwickau vermutet.Ein komplettes Universitätsmuseum, das bis in die Gründungszeit als Königliche Gewerbeschule 1836 zurückreicht, gibt es in Chemnitz nicht (mehr). Deshalb pilgert der Archivleiter von Fakultät zu Fakultät, um für eine Jubiläumsausstellung bei Kollegen in Schränke und Depots zu schauen.
Bei den Chemikern fand er einen Lehrgerätekoffer aus den 60ern, auf dem Flur der Maschinenbauer Demonstrationsmodelle der Firma Max Kohl nach Wein- hold’schen Entwürfen. Die Informationstechnik steuerte den ersten Mikrorechner- Arbeitsplatz aus den 70er-Jahren bei. In der Universitätsbibliothek stieß Luther auf etwa 100 königsblaue Pappkisten, an die sich die Mitarbeiter dort nur erinner- ten, „weil sie ständig im Weg waren und umgeräumt werden mussten“.
Ein Schatz für Luther: „Darin verbarg sich die Mustersammlung eines Textilingenieurs mit Hunderten Stoffproben aus der Zeit zwischen 1920 und 1990.“ Bei seinen Streifzügen entdeckte Luther nicht nur interessante Exponate - sondern auch unieigene Bräuche, die im Verborgenen gedeihen. „Die Werkstofftechniker richten sehr spezielle Promotionsfeiern aus, die in den 60er-Jahren an der Hochschule für Maschinenbau entstanden sind.“
Die mit einem selbst gebastelten Doktorhut, Kette und Talar ausstaffierten Doktoranden wurden damals auf geschmückten Wagen durch die Innenstadt gezogen. Heute gibt’s statt des Umzugs für die frischgebackenen Doktoren garstige „Prüfungs“-Aufgaben, bei denen sie zum Vergnügen aller Zuschauer ins Schwitzen kommen.
In einer unscheinbaren Schachtel liegt der Nachbau der Ur-Thermoskanne, einer Erfindung des Chemnitzer Physikers Adolf Ferdinand Weinhold. Daneben stehen Demonstrationsgeräte, die Weinhold entwarf, um Studenten zu erklären, wie die Naturwissenschaft funktioniert. Der berühmte Chemnitzer Professor hatte unendlich viel Sinn für die Wissenschaft - und wenig für seine Garderobe, wie Briefe seiner Frau Helene belegen. „Die ermahnte ihn, sich doch mal eine neue Jacke zu kaufen, wenn der König nach Chemnitz kommt“, weiß Stephan Luther.
Auch zwei der drei Rektorenketten liegen im Stahlschrank. „Nach der dritten suchen wir gerade.“ Die Kette der einst zur TU gehörenden Pädagogischen Hochschule wird in Zwickau vermutet.Ein komplettes Universitätsmuseum, das bis in die Gründungszeit als Königliche Gewerbeschule 1836 zurückreicht, gibt es in Chemnitz nicht (mehr). Deshalb pilgert der Archivleiter von Fakultät zu Fakultät, um für eine Jubiläumsausstellung bei Kollegen in Schränke und Depots zu schauen.
Bei den Chemikern fand er einen Lehrgerätekoffer aus den 60ern, auf dem Flur der Maschinenbauer Demonstrationsmodelle der Firma Max Kohl nach Wein- hold’schen Entwürfen. Die Informationstechnik steuerte den ersten Mikrorechner- Arbeitsplatz aus den 70er-Jahren bei. In der Universitätsbibliothek stieß Luther auf etwa 100 königsblaue Pappkisten, an die sich die Mitarbeiter dort nur erinner- ten, „weil sie ständig im Weg waren und umgeräumt werden mussten“.
Ein Schatz für Luther: „Darin verbarg sich die Mustersammlung eines Textilingenieurs mit Hunderten Stoffproben aus der Zeit zwischen 1920 und 1990.“ Bei seinen Streifzügen entdeckte Luther nicht nur interessante Exponate - sondern auch unieigene Bräuche, die im Verborgenen gedeihen. „Die Werkstofftechniker richten sehr spezielle Promotionsfeiern aus, die in den 60er-Jahren an der Hochschule für Maschinenbau entstanden sind.“
Die mit einem selbst gebastelten Doktorhut, Kette und Talar ausstaffierten Doktoranden wurden damals auf geschmückten Wagen durch die Innenstadt gezogen. Heute gibt’s statt des Umzugs für die frischgebackenen Doktoren garstige „Prüfungs“-Aufgaben, bei denen sie zum Vergnügen aller Zuschauer ins Schwitzen kommen.







