Chemnitz
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der Chemnitzer Morgenpost
zur Verfügung gestellt
Montag, 6. Februar 2012
(Chemnitzer Morgenpost)
(Chemnitzer Morgenpost)
Stolz, gütig, fromm und mausetot
Chemnitz. Polizeichef Scarpia tätschelt seinem Spion Spoletta gönnerhaft über den Scheitel, zerzauselt dabei die stramme Untergebenenfrisur: Brav hat der den aufsässigen Maler Mario Cavaradossi ans Messer geliefert. Jetzt fehlt dem (schon mal im Hosenschlitz fummelnden) Chef nur noch eins: Floria Tosca, Sängerin, Traumfrau und sehr, sehr fromm.
Das Liebes- und Künstlerpaar Tosca/Cavaradossi - stolz, gütig und schließlich mausetot - ist in die Hände eines unerbittlichen Machtapparates geraten. Historischer Hintergrund: Zwei Juni-Tage im alten Rom des Jahres 1800 (Koalitionskriege).
Jakob Peters-Messer hat mit seiner Inszenierung der Oper „Tosca“ von Giacomo Puccini (1858-1924, Uraufführung 1900 in Rom) am Sonnabend in Chemnitz einen ziemlich modernen Fünf-Sterne-Politthriller über jede denkbare Diktatur geliefert. Gucker, Horcher, Kirchendiener arrangieren sich, sind zu Diensten, tragen dunkle Augenringe, während Machthaber an Austern und Frauen schlabbern.
Nacktes Stahlgerüst für den Maler in der Kirche, stilvoller Glasschreibtisch für den Polizeichef, schlicht-weitläufige Treppe für eine Hinrichtung: Alles glasklar schwarz-weiß, eiskalt, blitzsauber und mit all diesem Bösen, Dummen und Mörderischen gar nicht so weit weg von uns (Bühne: Markus Meyer). Nur der verkrabbelt-enge Einstieg in die Folterkammer - das geht besser.
Aufrüttelnd: Bedrohliche Todesengel und dumpfe Geistlichkeit, mit einem gewaltigen Chor (Ende des 1. Akts). Ergreifend: Toscas berühmte Arie „Nur der Liebe weihte ich mein Leben“, zu der ein weiß gekleidetes Mädchen durch den Zuschauerraum wandelt (3. Akt). Überwältigend: Die Robert-Schumann-Philharmonie mit Generalmusikdirektor Frank Beermann. Imponierend: Claudia Sorokina als Tosca, César Auguste Gutiérrez als Cavaradossi und Oliver Zwarg als Polizeichef Scarpia, weiter André Eckert, Martin Gäbler, André Riemer, Andreas Kindschuh. Überraschend: ein Buh-Aufschrei aus dem Publikum: „Das ist nicht Wagner, sondern Puccini“. Heftige Diskussionen schon in der Pause. Mehr Anerkennung geht fast nicht. Lautstarker Beifall für das gesamte Ensemble am Schluss. (Ch. Hamann-Pönisch)
Das Liebes- und Künstlerpaar Tosca/Cavaradossi - stolz, gütig und schließlich mausetot - ist in die Hände eines unerbittlichen Machtapparates geraten. Historischer Hintergrund: Zwei Juni-Tage im alten Rom des Jahres 1800 (Koalitionskriege).
Jakob Peters-Messer hat mit seiner Inszenierung der Oper „Tosca“ von Giacomo Puccini (1858-1924, Uraufführung 1900 in Rom) am Sonnabend in Chemnitz einen ziemlich modernen Fünf-Sterne-Politthriller über jede denkbare Diktatur geliefert. Gucker, Horcher, Kirchendiener arrangieren sich, sind zu Diensten, tragen dunkle Augenringe, während Machthaber an Austern und Frauen schlabbern.
Nacktes Stahlgerüst für den Maler in der Kirche, stilvoller Glasschreibtisch für den Polizeichef, schlicht-weitläufige Treppe für eine Hinrichtung: Alles glasklar schwarz-weiß, eiskalt, blitzsauber und mit all diesem Bösen, Dummen und Mörderischen gar nicht so weit weg von uns (Bühne: Markus Meyer). Nur der verkrabbelt-enge Einstieg in die Folterkammer - das geht besser.
Aufrüttelnd: Bedrohliche Todesengel und dumpfe Geistlichkeit, mit einem gewaltigen Chor (Ende des 1. Akts). Ergreifend: Toscas berühmte Arie „Nur der Liebe weihte ich mein Leben“, zu der ein weiß gekleidetes Mädchen durch den Zuschauerraum wandelt (3. Akt). Überwältigend: Die Robert-Schumann-Philharmonie mit Generalmusikdirektor Frank Beermann. Imponierend: Claudia Sorokina als Tosca, César Auguste Gutiérrez als Cavaradossi und Oliver Zwarg als Polizeichef Scarpia, weiter André Eckert, Martin Gäbler, André Riemer, Andreas Kindschuh. Überraschend: ein Buh-Aufschrei aus dem Publikum: „Das ist nicht Wagner, sondern Puccini“. Heftige Diskussionen schon in der Pause. Mehr Anerkennung geht fast nicht. Lautstarker Beifall für das gesamte Ensemble am Schluss. (Ch. Hamann-Pönisch)








