Chemnitz
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freundlicherweise von
der Chemnitzer Morgenpost
zur Verfügung gestellt
Mittwoch, 20. Juli 2011
(Chemnitzer Morgenpost)
(Chemnitzer Morgenpost)
Joëls letzter Weg war einsam
Traurig, erschütternd, unwürdig - Begriffe, die Joëls Beerdigung beschreiben sollen, lassen sich nur schwer finden. Wen hat der Abschied von dem Säugling gestern interessiert? Drei (!) Trauernde gaben Joël am Mittag auf dem Friedhof in Hohenstein das letzte Geleit. Sie nahmen Abschied, obwohl sie dem Jungen nicht nahe standen.
Hohenstein-E./Chemnitz. Der Tod des Jungen in Niederwürschnitz ging durch die Medien - ebenso der lange Weg bis Joël gestern endlich seinen Seelenfrieden fand. Auch die Morgenpost berichtete über das Baby, welches sechs Monate lang tiefgekühlt in der Chemnitzer Rechtsmedizin lag. Erst dem Großmut des Chemnitzer Antea-Bestattungschefs Andreas Morgenstern ist es zu verdanken, dass Joël beigesetzt werden konnte.
Einsam und verlassen war ein weißer Sarg gestern in der Kapelle des Hohensteiner Friedhofs aufgebahrt. Doch außer Andreas Morgenstern, seinem Mitarbeiter und dem stellvertretenden Friedhofsmeister Reinhard Schüppel (54), der auch die Trauerrede hielt, waren weit und breit keine Menschen zu finden. Keiner wollte Joël das letzte Geleit geben. Weder der Bürgermeister von Lugau, der mit dem „Fall Joël“ beauftragt war, noch Verwandte der Todesmutter oder ihr Freund ließen sich blicken. „Es ist traurig, dass niemand Anteil nehmen wollte“, so der Antea-Bestattungschef. Ein Morgenpost-Leser hätte gerne Abschied genommen, konnte arbeitsbedingt nicht und schickte stattdessen ein Gesteck, das am Grab niedergelegt wurde.
„Dass niemand auf dem Friedhof war, zeigt den Abstand unserer Gesellschaft zu solchen Tragödien. Alle haben mit dem Finger auf die Mutter gezeigt, doch wir alle tra-gen Mitschuld“, so Reinhard Schüppel. (ary)
Einsam und verlassen war ein weißer Sarg gestern in der Kapelle des Hohensteiner Friedhofs aufgebahrt. Doch außer Andreas Morgenstern, seinem Mitarbeiter und dem stellvertretenden Friedhofsmeister Reinhard Schüppel (54), der auch die Trauerrede hielt, waren weit und breit keine Menschen zu finden. Keiner wollte Joël das letzte Geleit geben. Weder der Bürgermeister von Lugau, der mit dem „Fall Joël“ beauftragt war, noch Verwandte der Todesmutter oder ihr Freund ließen sich blicken. „Es ist traurig, dass niemand Anteil nehmen wollte“, so der Antea-Bestattungschef. Ein Morgenpost-Leser hätte gerne Abschied genommen, konnte arbeitsbedingt nicht und schickte stattdessen ein Gesteck, das am Grab niedergelegt wurde.
„Dass niemand auf dem Friedhof war, zeigt den Abstand unserer Gesellschaft zu solchen Tragödien. Alle haben mit dem Finger auf die Mutter gezeigt, doch wir alle tra-gen Mitschuld“, so Reinhard Schüppel. (ary)








