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Mittwoch, 10. März 2010
(Chemnitzer Morgenpost)

‚Ich wäre Sigourney Weaver beinah aufs Kleid getreten´

Die Erlebnisse des Dresdner Schauspielers Christian Friedel in der Oscar-Nacht


LOS ANGELES/DRESDEN - Mal für ein Wochenende nach L.A. rüberjetten, an der Oscar-Verleihung teilnehmen, berühmte Leute beschnuppern und dann wieder zurück - was für den Normalbürger nie mehr als ein Traum sein wird, kann für einen Schauspieler wahr werden. Christian Friedel vom Dresdner Staatsschauspiel hat es erlebt. Seit gestern ist er wieder da und von den Eindrücken der wilden Tage in Hollywood noch immer ganz high.

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Alles war Oscar in Hollywood: Christian Friedel neben einem lebensgroßen Modell der Trophäe. Foto: Sachsen-Anhalt heute

Beinah hätte Friedel sogar einen Oscar gewonnen. Nicht persönlich zwar, wäre doch der Preis an Michael Haneke gegangen, Regisseur des vielfach ausgezeichneten und auch hier nominierten Films „Das weiße Band“, aber indirekt eben doch, denn Friedel ist Hauptdarsteller des Films. Mit dem Oscar wurde es nichts, was Friedels Mitspieler Burghart Klaußner „zehn Minuten“ traurig gemacht habe, den jungen Schauspieler aus Magdeburg mit Wahlheimat Dresden aber nicht weiter gewurmt hat.

„Andere sind enttäuschter gewesen als ich“, sagt Friedel. Mit Tahar Rahim, dem Hauptdarsteller des französischen Films „Ein Prophet“, der als Hauptkonkurrent im Wettbewerb um den Auslands-Oscar galt, habe er daumendrückend Seite an Seite gesessen, als die Entscheidung fiel - für einen Film aus Argentinien als lachendem Dritten.

Natürlich, den Oscar zu gewinnen wäre schön gewesen, aber auch ohne war das Erlebte für Christian Friedel gewaltig. „Ich dachte nur: Wahnsinn, du sitzt hier im Kodak Theatre für einen Film, der für den Oscar nominiert ist und schon vorher allerhand gewonnen hat! Für mich war der schönste Preis ohnehin, in diesem Film dabei sein zu dürfen. Ich glaube, ich bin in Hollywood die ganze Zeit mit einem Honigkuchenlächeln herumgelaufen.“

Im Schlepptau der Produktionsfirma X-Filme war Friedel mit dem Regisseur und anderen Schauspielern des Films nach Los Angeles gereist. Dort hatten die Produzenten auf ihre Oscar-Tickets verzichtet, um den Künstlern den Eintritt zu ermöglichen.

Der rote Teppich vorm Kodak Theatre, dazu Berühmtheiten, die man sonst nur von der Kinoleinwand und aus dem Fernsehen kennt. Christian Friedel schwärmt: „Dann stehen dort plötzlich Meryl Streep, Helen Mirren oder Sigourney Weaver, die ich sehr bewundere. Beinah wäre ich ihr aufs Kleid getreten.“ Im Waschraum traf er auf Zac Efron, den Star aus „Highschool Musical“ und „Saturday Night Life“.

Für seinen Auftritt in „Das weiße Band“ habe er wohl viel Lob geerntet, Kontakte für seine Filmkarriere habe er aber keine geknüpft, gibt Friedel bescheiden zu. „Ich bin nicht der Typ, der Visitenkarten verteilt, ich hab ja noch nicht mal welche.“ Und die Stars einfach anzusprechen, habe er sich nicht getraut. Was das Erlebnis für ihn nicht im Mindesten beeinträchtigt. Der Trip nach Hollywood sei ein unglaublicher und faszinierender Ausflug gewesen, sagt Christian Friedel: „Ich habe jede Sekunde genossen!“


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