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Montag, 6. Februar 2012
(Chemnitzer Morgenpost)

Heiliger Schauder


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König Ignaz (Bernd-Michael Baier ) macht sich über Yvonne (Annett Sawallisch) her. Foto: Wuschanski

Chemnitz. Was Hormone so bewirken: „Mein Gott, ist die hässlich“, stöhnt König Ignaz über die Verlobte seines Sohnes. Wenig später sabbert er sich brünstig wie ein Viech direkt unter den Rock dieser „Yvonne, Prinzessin von Burgund“.

Der polnische Zyniker Witold Gombrowicz (1904-1969) schrieb diese Groteske 1935 (uraufgeführt 1957), die slowenische Regisseurin Mateja Koležnik zeigte sie am Freitag im Chemnitzer Schauspielhaus als höchst possierliche Satire auf die Verblödung in der Möchtegern-Gesellschaft: Aus einer Laune heraus schnappt sich der quartalsrenitente Thronfolger Philipp die, sagen wir mal, rustikale Yvonne und führt sie als Verlobte in die verschreckte Familie ein. Zugegeben, diese Braut passt nicht rein, trägt Blümchenkittel, steht gut im Fleisch, sagt wenig. Mehr braucht es nicht, um die Sippe zu enttarnen. „Töten, töten, töten“ wird die Königin krächzen und „Wasch dich erst mal, Alte“ vom Gatten zu hören bekommen.

Wortwitz ohne Ende, eine große wie simple Bühnenidee in Schwarz (zugekippt mit Großballons zum Bewerfen, Zerplatzen, Verstecken, Herausglotzen: Henrik Ahr), uniformähnliche weiße Kostüme (Alan Hranitelj), bedrohliche Musik (Coco Mosquito), auch paar Ungereimtheiten, aber vor allem: Das Ensemble ist ein burgundisch-komödiantischer Leckerbissen. Mit beängstigender Ruhe Annett Sawallisch (Yvonne). Ellen Hellwig und Bernd-Michael Baier machen uns ein verkorkst-präsidiales Königspaar, dazu mit Hinterngewackel Hofdame nebst Kammerherr (Caroline Junghanns/Hartmut Neuber), ein gelangweilter Prinz mit zu allem dienstbereiten Freund (Sebastian Tessenow/Yves Hinrichs).

Den Kammerherrn erfüllt es mal mit „heiligem Schauder“. Uns auch. Bei allen Feixern will man die düstere Botschaft erkennen: Es wird mit uns Menschlein sein wie immer! Passt auf Anstand auf, und auf die Gräten beim Fischgericht! (hap)


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