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Montag, 22. März 2010
(Chemnitzer Morgenpost)

Göttliches Gackern und berauschtes Kichern

Kohlrabenschwarzes Vergnügen im Chemnitzer Schauspielhaus


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„Menschen bei der Arbeit“: irre Satire in der Kleinen Bühne im Schauspielhaus. Foto: Wuschanski/Theater

CHEMNITZ - Einen gehäuften Teelöffel Arsen, dazu Strychnin und eine Prise Zyankali auf einen Liter Holunderwein - das beste Mittel gegen Einsamkeit im Alter, meinen die Brewster-Schwestern und lassen gütig alleinstehende Herren ihr letztes Gläschen kuddeln.

Sterbehilfe nach gutem alten Hausrezept: Kay Neumann inszenierte die Kultkomödie „Arsen und Spitzenhäubchen“ als sehr bekömmlichen Humor-Cocktail und ließ am Sonnabend im Chemnitzer Schauspielhaus das Publikum kosten. Das überlebte berauscht kichernd und begeistert klatschend.

Eigentlich lässt Autor Joseph Kesselring dieses Giftmassaker 1941 in Brooklyn stattfinden. Doch auch diverse deutsche Probleme im Jahre 2010 - Überalterung, Renten-, Sozialkassendilemma, Ins-Heim-oder-nicht-ins-Heim - wären nach dem Rezept der beiden Seniorinnen rasch lösbar. Huch, was für dunkle Gedanken löst dieses kohlrabenschwarze Kaffeekränzchen der alten Damen aus, die göttlich gackernd wie zwei Hühnchen zwischen Küche, Keller und Weinkaraffe herumflattern und vergnügt Hüte ihrer Opfer zählen. Man ließe sich dennoch bedenkenlos bewirten: Hier die untenrum mopslige Abby, da die steckendürre, wuselnde, aristokratische Martha - ein geradezu theatergeschichtsträchtiger Hochgenuss mit Bernd-Michael Baier und Tilo Krügel. Wie Baier verträumt-spitzmäulig Kekse mampft und Krügel aufgeregt zur Seite hopst, dürften es Frauen in den Rollen künftig schwer haben.

Kaum Klamotte, kein Klamauk: Das Getüttel am Teetisch, das Gekussel in Familie, das Geschleppe mausetoter Männer geschieht ganz normal wie bei Hempels auf dem Sofa. Ein mordsmäßig aufgedrehtes Ensemble ist holunderweinmäßig wie auf Droge und präsentiert unvergessliche Typen: Dirk Lange (großartig als Mortimer) sucht verschreckt nach Worten für die mörderischen Taten und nennt das dann eine „irgendwie schlechte Angewohnheit“. Marius Marx dümmlich-gefährlich mit zerhackter Visage (Jonathan Brews-ter), Michael Pempelforth als verhuscht-gebückter Schönheits-Chirurg, Yves Hinrichs als Neffe Teddy mit mittelschwerer Macke reitet bekloppte Attacken, weiter inbrünstig dabei Caroline Junghanns, Urs Rechn, Bernhard Conrad, Klaus Schleiff - auch Altschauspielchef Hartwig Albiro lässt sich ein Glas reichen.

Alle treffen aufeinander in einer recht zeitlosen Behausung mit Treppe, Fahrstuhl, Empore, alles hübsch schwarz oder grau (sehr dienliche Ausstattung: Günter Hellweg). Lebend kommen davon: zum Beispiel ein Schwerverbrecher, ein dummer Polizeileutnant, ein doof-eitler Theaterkritiker. Ach, hat den Pfarrer noch jemand gesehen? Ch. Hamann-Pönisch


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