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Donnerstag, 25. März 2010
(Döbelner Anzeiger)

Chemnitzer entstauben DEFA-Ur-Pionier

Wussten Sie das? Einer der Väter des deutschen Films stammt aus der Stadt

Mario Adolphsen

Er gilt als ein Erfinder des deutschen Films und legte den Grundstein für die DEFA. Der Seeberplatz trägt seinen Namen. Doch in seiner Geburtsstadt Chemnitz kennt ihn fast niemand mehr. Das will die Interessengemeinschaft Guido Seeber in diesem Jahr ändern.

Bildergalerie

Chemnitz benannte den Platz neben der Markthalle nach dem Kameramann Guido Seeber. Fotos: Klaus Jedlicka

Ganz in der Nähe des Platzes, der heute seinen Namen trägt, wuchs Friedrich Konrad Guido Seeber (1879-1940) Ende des 19. Jahrhunderts auf. Sein Vater Clemens betrieb dort das erste Fotogeschäft der Stadt. Gemeinsam entwickelten sie ab 1897 den „Seeberographen“, der sogenannte „lebende Photographien“ darstellen konnte. Nach dem Tod des Vaters 1907 ging Guido Seeber mit seinem Wanderkino auf Tour durch Europa. Er strandete 1909 in Potsdam-Babelsberg, gründete ein Filmatelier: der Grundstein für die DEFA-Studios.

Zum 70. Todestag des Filmpioniers im Oktober plant eine Gruppe Chemnitzer Kulturschaffender, Guido Seebers Werke als Filmfestival „Seeber-Tage 2010“ auf die Leinwände seiner Geburtsstadt zu bringen. „Meines Wissens nach sind Seebers Filme in der Stadt noch nie komplett gezeigt worden“, sagt Mitinitiator Lars Neuenfeld. Im Weltecho als Festival-Kino sollen die Stummfilme als „Spagat in die Moderne“ alle mit Livemusik nachvertont werden.

Dabei zählen zu Seebers Filmen - die meisten lagern heute in der Deutschen Kinemathek in Berlin - längst nicht nur expressionistische Kunstwerke. Der Filmpionier drehte anfangs meist Alltägliches wie Schützenfeste oder einen Loktransport Hartmanns 1903, weiß Lars Neuenfeld: „Oft hat er tags-über gedreht und das Ergebnis am selben Abend in Varieté-Theatern oder Festzelten aufgeführt.

Denn mit den Bildern, die plötzlich das Laufen gelernt hatten, amüsierte Seeber breite Bevölkerungsschichten.“
Die Seeber-Tage treffen auch im Museum Gunzenhauser auf reges Interesse. Kurator Thomas Bauer-Friedrich plant, die Filmschau mit einer Sonderausstellung in seinem Museum zu ergänzen: „Wenn die Rahmenbedingungen geklärt sind, können wir uns das sehr gut vorstellen. Seebers künstlerische Anfänge im Bereich des Animationsfilms passen gut zum Sammlungsprofil des Museums Gunzenhauser.“ Es wäre die erste Schau des Hauses, die einem Filmschaffenden gewidmet ist.


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