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Donnerstag, 29. April 2010
(Chemnitzer Morgenpost)

Bildungs-Proteste: Studenten gaben Politikern ,Nachhilfe‘

Von Jens Jungmann

Bis 2020 verlassen rund 15 000 Lehrer den Schuldienst und es gibt nicht annähernd genügend Ersatz! Das Lehrerstudium soll jedoch nicht ausgeweitet werden. Im Gegenteil: Die TU Dresden stellt zugunsten der Uni Leipzig im Herbst die Ausbildung ein.

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Schiefe Töne: Das Gejaule der Studenten sollte dem Chaos an den Hochschulen gleichen. Im Herbst müssen sie nach Leipzig wechseln. Fotos: Petra Hornig

Burkhard Naumann, 6. Semester, zählte zu den 350 Studenten, die vor dem Landtag für ein besseres Lehramts-Studium de-monstrierten: „100 Studenten für Grundschulen aus Dresden müssen ab Herbst nach Leipzig wechseln.“ Dort gibt es dann 160 pro Jahrgang. Benötigt würden allerdings 500: Denn ab 2015 gibt es in Sachsen aufgrund von Altersabgängen einen akuten Lehrermangel. „Wir müssten Dresden ausbauen und noch einen dritten Standort in Sachsen öffnen!“

Dies fordert auch Karl-Heinz Gerstenberg (Grüne): „Wir müssten über Nacht die Kapazitäten verdoppeln.“ Und an der TU Chemnitz den Studiengang neu einrichten: „Allein schon aus dem Grund, damit flächendeckende Praktika in ganz Sachsen angeboten werden können, mit zumutbaren Fahrzeiten für die Studenten.“

Schlimmer sieht es bei der Mittelschul-Ausbildung aus, die auch nach Leipzig verlagert wird. Nur 22 Studenten haben 2010 ihr Studium in Dresden begonnen. Doch 2015 werden Hunderte neue Lehrer benötigt! Paradox: In allen Bereichen gibt es viel zu wenige Referendariatsstellen. Viele Studenten versicherten gestern, dass sie sich daher nach dem Studium aus Sachsen wegbewerben müssen. Auch Burkhard Naumann wird wohl nach Bayern gehen.

Wissenschaftsministerin Sabine von Schorlemer stellte sich den wütenden Studenten - blieb bei den Vorgaben des Hochschulpaktes, der Leipzig als alleinigen Studienort vorsieht: „Wir bieten Ihnen so zwei Jahre Planungssicherheit“, sagte sie unter Buh-Rufen. Generell würde aber weiter ergebnisoffen über die künftige Lehrerausbildung debattiert.

In der CDU-Fraktion brodelt es derweil beim Thema Bildung: erst die ungeklärte Tarifsituation der Lehrer, dann die neue Bildungsempfehlung und geplante Schulschließungen - nun auch noch die fehlenden Studenten. Im Kabinett soll es bereits zum Knatsch zwischen Kultus-, Wissenschafts- und Finanzminister über (finanzielle) Lösungen gekommen sein.


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