Kino
Donnerstag, 25. Februar 2010
(Sächsische Zeitung)
(Sächsische Zeitung)
Wer hat Angst vorm Kunststoff?
„Plastic Planet“
Komm’ raus, ws Plastik ist: Eine Familie zeigt alles. Foto: Farbfilm
Vor polemischen Hieben schreckt Regisseur Werner Boote nicht zurück. Irgendwann fragt er: „Bin ich der Einzige, der vor der Plastik Angst hat?“ Ist er natürlich nicht.
Es gibt so etwas wie Tradition im Genre aufklärerisch-unterhaltender Dok-Filme: Selbstversuche im Burger-Essen, Nagelproben bei Wein und Barsch, und Michael Moore dreht ja auch noch. Boote kommt eindeutig vom Visuellen und hat ein gesundes Sendungsbewusstsein, was ihn nicht – wie Michael
Glawogger – in den Hintergrund, sondern offensiv vor die Kamera treten lässt.
So sieht „Plastic Planet“ zunächst gut aus. Er ist flott geschnitten und bringt jede Menge Fakten, Zahlen, Zeugen, nennt Ross, Reiter und ein Familienmitglied: Bootes Großvater war Pionier der Plastikindustrie. Auf seinem Grab stehen trotzdem echte Blumen. Persönliche Motivation mag Motor genug gewesen sein, ins Universum des Kunststoffs einzutreten. Frappierende Objekte lassen Boote u. a. nach China fahren, eine Weltkugel als Ball führt ihn dorthin. Und sonst? 200 Jahre braucht eine Chemie-Windel, bis sie in ihre Bestandteile zerfallen ist. In den Ozeanen – zur poetischen Sicht siehe besser oben stehenden Artikel – befindet sich heute sechsmal mehr Plastik als Plankton. Und ein Schönheitschirurg erhält den Preis für das beste Zitat. Sinngemäß: „Irgendwann werden vielleicht Außerirdische unsere Gräber öffnen und sich wundern, was da für Plastikteile im Brust- und Gesichtsbereich neben unseren Knochen liegen ...“ Andreas Körner
Schauburg, DD (Donnerstag, 20 Uhr in Anwesenheit des Regisseurs)
So sieht „Plastic Planet“ zunächst gut aus. Er ist flott geschnitten und bringt jede Menge Fakten, Zahlen, Zeugen, nennt Ross, Reiter und ein Familienmitglied: Bootes Großvater war Pionier der Plastikindustrie. Auf seinem Grab stehen trotzdem echte Blumen. Persönliche Motivation mag Motor genug gewesen sein, ins Universum des Kunststoffs einzutreten. Frappierende Objekte lassen Boote u. a. nach China fahren, eine Weltkugel als Ball führt ihn dorthin. Und sonst? 200 Jahre braucht eine Chemie-Windel, bis sie in ihre Bestandteile zerfallen ist. In den Ozeanen – zur poetischen Sicht siehe besser oben stehenden Artikel – befindet sich heute sechsmal mehr Plastik als Plankton. Und ein Schönheitschirurg erhält den Preis für das beste Zitat. Sinngemäß: „Irgendwann werden vielleicht Außerirdische unsere Gräber öffnen und sich wundern, was da für Plastikteile im Brust- und Gesichtsbereich neben unseren Knochen liegen ...“ Andreas Körner
Schauburg, DD (Donnerstag, 20 Uhr in Anwesenheit des Regisseurs)







