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Kino

Mittwoch, 3. März 2010

Wen guckst du?

Andreas Körner

„Männer, die auf Ziegen starren“ darf einfach nur ein köstliches Vergnügen sein.

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„Jedi-Krieger“ Lyn Cassady (George Clooney, r.) trainiert seine mentalen Fähigkeiten an einer Ziege. Foto: Kinowelt

Hochkonjunktur für drei Schauspieler, an denen man sich einfach nicht satt sehen will: Jeff Bridges, Ewan McGregor und George Clooney. Als sei es ein besonderes Glück, sind ausnahmslos alle derzeitig aufgeführten Kinostücke mit ihnen nicht nur sehens- sondern vor allem lohnenswert. Beste Unterhaltung.

Im Falle „Männer, die auf Ziegen starren“ – der den inoffiziellen Hauptpreis für den besten Titel schon so früh im Jahr „geschossen“ hat – darf sogar das pure köstliche Vergnügen siegen. Trotz eines so ernsten Hintergrunds. Einfach, weil ironische Blenden und Persiflagen auf das Dümmste, was Menschen je eingefallen ist, so schwer umzusetzen sind. Kriege sind Alltag. Durch Filme wie diesen werden sie nicht hübscher. Wenn da nicht das Aber wäre ...

Sozusagen die Angst des Zuschauers beim amüsierten Zuschauen. Bislang hat ihn noch jede gute Kriegssatire in diesen Zwiespalt geschickt. Grant Heslovs „Ziegen“ sind ein nachgerade vortreffliches Beispiel dafür. „Der Film ist komisch“, sagt der Regisseur, „Angst einflößend, ernst und liebenswert. Er spielt mit der gesamten Skala der Gefühle.“ Über allem steht jedoch der seltsam uneingeschränkte Spaß am Wortwitz, an teilweise perfiden Überraschungseiern und dem verzückten Spiel nicht nur der Hauptdarsteller. Das ist im Kinosessel, wer wüsste es nicht, mehr als die halbe Eintrittskarte wert.

Bob Wilton (McGregor) will als Provinzjournalist gern ein Held sein. Vielleicht bekäme er als solcher seine Frau zurück. „Embedded Reporter“ im Irak würde verdammt gut klingen, klappt aber nicht. Von der kürzlichen Begegnung mit Ex-Soldat Gus Lacey (Stephen Root) weiß er auch nicht, was er halten soll. Lacey gab sich als ehemaliges Mitglied der so genannten „New Earth Army“ aus, einer Spezialsektion innerhalb der US-Army, „sponsored by“ der CIA, die sich auf psychologische und paranormale Kriegsführung spezialisiert hatte. Ein gewisser Lyn Cassady sei dabei der Begabteste gewesen, leite jetzt wohl ein Tanzstudio. Sie versuchten durch Wände zu gehen und den Gegner allein durch Anstarren zu töten. Heute kippt nur Laceys Hamster um. Aber er kippt.

Wie durch ein Wunder schließt sich in Kuwait ein erster Kreis. Schreiber Wilton ist längst desillusioniert, als er in der Hotelbar auf einen seltsamen Mann trifft – Lyn Cassady (Clooney). Der nimmt ihn mit über die Grenze, allein der Grund ist obskur: Wilton hatte aus lauter Langeweile ein Magisches Auge in sein Notizbuch gekritzelt, das Zeichen der Jedi-Krieger, das Zeichen der Spezialeinheit – das Zeichen einer Bestimmung. Apropos: Ewan McGregor und Jedi? War da nicht mal was mit „Sternenkrieg“?

Gemeinsam fahren Wilton und Cassady in die Wüste, und hier beginnt dieser so geniale, fast an Slapstick erinnernde Mix aus Erlebnissen und Rückblenden so richtig aufzugehen. Bill Django (Bridges) erscheint samt zynischem Gegenspieler Larry Hooper (Kevin Spacey). Django hatte im Vietnamkrieg eine Erleuchtung und durfte seinen esoterisch-hippieesken Forschungstrip danach auch offiziell durchführen. Schließlich „gibt es das Gerücht, die Amis würden es machen, also machen es die Russen. Und dann müssen es schließlich auch die Amis tun.“ Das ist nur eins von unzählig zündenden Zitaten, die sich paaren mit kleinsten visuellen Ideen und komisch-zotigen Situationen en masse. Absurd. Aberwitzig. Nicht zu fassen. Zu gut, um ausgedacht zu sein. Und siehe da: Der Film beruht auf einem Buch von Jon Ronson. Es ist ein Sachbuch …

Männer, die auf Ziegen starren - Cinemaxx, Neues Rundkino, Programmkino Ost, Schauburg, UCI, Ufa, DD


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