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Kino

Donnerstag, 25. Februar 2010
(Sächsische Zeitung)

Verwurste Fellini!


Rob Marshalls Film-Musical „Nine“ verkümmert an seiner eigenen Belanglosigkeit.

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Daniel Day-Lewis als Guido Contini dort, wo er sich am liebsten aufhält. Foto: Senator

Nun sind sie also zwei. Zwei angesehene und erwiesenermaßen begnadete Schauspieler, die zuletzt ritterlich scheiterten, nachdem man sie aufforderte zu singen: Pierce Brosnan basste in „Mamma Mia!“, um Meryl Streep zu bezirzen. Es klang einfach nur jämmerlich. Jetzt erwischt es Sparflammen-Arbeiter Daniel Day-Lewis, der seine Leiden zu Tönen macht. Schrecklich, einfach nur schrecklich! Und undankbar. Hätten es beide bleiben lassen, nicht wenig Schmäh wär’ ihnen erspart geblieben. Doch, wie sagte schon der Edelsignore des Cinemas, Federico Fellini: „Träume sind die einzige Realität. Keiner von uns nimmt die Welt so wahr, wie sie wirklich ist.“ Träumen wir also, „Nine“ von Rob Marshall sei eine gelungene Adaption des Broadway-Musicals, das einst aus Fellinis „8 ½“ von 1963 hervorging. Fantasieren wir uns alle Schauspieler und Schauspielerinnen so zurecht, als hätten sie nicht nur Namen zu haben, und demgemäß auszuschauen, sondern auch zu spielen. Packend. Mitreißend. Das, was bei Marshalls „Chicago“ vor acht Jahren noch funktionierte, oder auch in „Moulin Rouge“ – von „All That Jazz“ in den späten 1970ern ganz zu schweigen – gerät jetzt einfach nur bieder, langatmig, gestelzt. Ein Eigenleben ist so gut wie nicht zu erkennen.

Rob Marshall lässt eine flache Vorlage (das letzte Drehbuch Anthony Minghellas) zu einzelnen Nummern zerbröseln, in denen natürlich gesungen, getanzt und kunterbunt kostümiert wird, wo Muster-Beine fliegen und grelle Furien leuchten. Alles sehr überzogen, weil es italienisch ist, besser, sein soll. Day-Lewis gibt Filmregisseur Guido Contini, der am Beginn von Dreharbeiten für einen neuen Streifen steht. Die Kulissen sind gebaut, die Hauptdarstellerinnen gelockt, die Presse geladen. Was fehlt, ist das Script. Contini hat schlichtweg noch keins. Schreibblockade aufgrund von Liebeswirrwarr. Contini flüchtet kurzerhand vom ratlosen Set ins paradisische Exil am Meer, denkt schweren Gemüts übers Dasein nach, über Vergangenheit und ein wenig auch über die Zukunft. Dabei kommen dem schönen Mann all die schönen Frauen seines ach so kümmerlichen Lebens wahrhaftig oder als Eingebung in die Quere. La Mamma (Sophia Loren), Geliebte (Penélope Cruz), Muse (Nicole Kidman), eine Journalistin (Kate Hudson), die treue Ausstatterin (Judi Dench) und jene Rassigkeit namens Sarraghina (Stacy Ferguson), die Knäblein Guido dereinst zeigte, wo alle böse Lust ihren schnöden Anfang nimmt. Die Ehefrau (Marion Cotillard) lässt auch nicht locker.

Aus dieser kaum überraschend choreografierten Revue wird nie ein homogenes Ganzes. Weil die Musical-Talente der Beteiligten arg differieren (Cotillard top, Dench flop. Hudson gar nichts) oder die Figuren wenig über Befindlichkeitsgedöns hinausreichen dürfen. Da wird das knackige „Be Italian!“ am Strand, geschmettert von Black-Eyed-Pea Fergie, zur einzigen Ahnung eines Höhepunkts. Und Daniel Day-Lewis? Sein Scheitern liegt nicht nur am Gesang, der keiner ist. Andreas Körner

Cinemaxx, UCI, Ufa, DD


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