Kino
Mittwoch, 10. März 2010
Über Mauern und Abgründe
Christina Wittich
„Parkour“: Wie es ist, wenn man über Wände klettern kann, aber am Alltag scheitert.
Im Internet
Dies ist kein Film über eine angesagte Sportart, auch wenn er „Parkour“ heißt. Zwar legt der Titel nahe, es handle sich um den innerstädtischen Hindernislauf – immer auf dem direktesten Weg über Mauern und Abgründe zum Ziel, schnell, präzise und waghalsig. Aber Regisseur und Co-Autor Marc Rensing fasst den Begriff weiter. Den Sport nutzt er als Klammer und Metapher. Klammer ist er für die Freunde Richie (Christoph Letkowski), Nonne (Marlon Kittel) und Paule (Constantin von Jascheroff), die gemeinsam trainieren. Parkour ist Metapher für Richies Leben und für sein Scheitern an sich selbst, an den alltäglichen Hürden.
Dabei geht’s ihm gut. Glücklich scheint er mit Freundin Hannah (Nora von Waldstätten), er hat eine eigene Gerüstbaufirma mit zwei Angestellten. Seinen Traum von der Eigentumswohnung teilt Hannah nicht unbedingt. Die junge Frau holt gerade ihr Abitur nach, um später studieren zu können – vielleicht in einer anderen Stadt. Auch der Betrieb könnte besser laufen: Einer der Großkunden zahlt nicht. Richie muss das Gehalt seiner Männer Frankie (Arved Birnbaum) und Janko (Georg Friedrich) vor- strecken. Aber das alles kann den kräftigen Kerl doch nicht umhauen.
Wenn da nicht permanent und penetrant Kollege Janko in breitestem Wiener Schmäh über die Untreue der Frau als solche faselte. Richie, der versucht, wegzuhören, kann es dann doch nicht, gerät in eine Spirale aus Eifersucht und Misstrauen, und es baut sich in seinem Inneren ein Druck auf, den der Mann nach Außen mit coolen Sprüchen gut zu tarnen weiß. Bis er Janko vom Gerüst fallen lässt und damit auch das eigene Gleichgewicht verliert.
Marc Rensing schafft den Parkour mit Bravour. Für sein Spielfilmdebüt hat sich der Regisseur eine kleine schlagkräftige Mannschaft hochmotivierter Nachwuchsschauspieler zusammengestellt. Unter seiner Anleitung gelingt es Christoph Letkowski, aus Richie einen Typen zu machen, der sich zwar wie ein Arschloch verhält – aber wie eines, das man versteht, weil man die Probleme kennt und trotzdem anders reagieren würde – womöglich – weil nichts so aussichtslos und absolut ist, wie Richie es glauben machen will.
Es ist ein Glück, dass Rensing trotz schneller Schnitte und wackliger Kamera nicht abdriftet in einen platten Sportfilm – obwohl man „Parkour“ ansieht, dass es dem Regisseur schwer gefallen sein muss, der Versuchung zu widerstehen. Sein Plot bleibt so überraschend wie schlüssig bis zum offenen Ende, das dann doch auch eine Liebeserklärung ans Parkourlaufen ist.
„Parkour“: Cinemaxx, Kino in der Fabrik, DD
Dabei geht’s ihm gut. Glücklich scheint er mit Freundin Hannah (Nora von Waldstätten), er hat eine eigene Gerüstbaufirma mit zwei Angestellten. Seinen Traum von der Eigentumswohnung teilt Hannah nicht unbedingt. Die junge Frau holt gerade ihr Abitur nach, um später studieren zu können – vielleicht in einer anderen Stadt. Auch der Betrieb könnte besser laufen: Einer der Großkunden zahlt nicht. Richie muss das Gehalt seiner Männer Frankie (Arved Birnbaum) und Janko (Georg Friedrich) vor- strecken. Aber das alles kann den kräftigen Kerl doch nicht umhauen.
Wenn da nicht permanent und penetrant Kollege Janko in breitestem Wiener Schmäh über die Untreue der Frau als solche faselte. Richie, der versucht, wegzuhören, kann es dann doch nicht, gerät in eine Spirale aus Eifersucht und Misstrauen, und es baut sich in seinem Inneren ein Druck auf, den der Mann nach Außen mit coolen Sprüchen gut zu tarnen weiß. Bis er Janko vom Gerüst fallen lässt und damit auch das eigene Gleichgewicht verliert.
Marc Rensing schafft den Parkour mit Bravour. Für sein Spielfilmdebüt hat sich der Regisseur eine kleine schlagkräftige Mannschaft hochmotivierter Nachwuchsschauspieler zusammengestellt. Unter seiner Anleitung gelingt es Christoph Letkowski, aus Richie einen Typen zu machen, der sich zwar wie ein Arschloch verhält – aber wie eines, das man versteht, weil man die Probleme kennt und trotzdem anders reagieren würde – womöglich – weil nichts so aussichtslos und absolut ist, wie Richie es glauben machen will.
Es ist ein Glück, dass Rensing trotz schneller Schnitte und wackliger Kamera nicht abdriftet in einen platten Sportfilm – obwohl man „Parkour“ ansieht, dass es dem Regisseur schwer gefallen sein muss, der Versuchung zu widerstehen. Sein Plot bleibt so überraschend wie schlüssig bis zum offenen Ende, das dann doch auch eine Liebeserklärung ans Parkourlaufen ist.
„Parkour“: Cinemaxx, Kino in der Fabrik, DD







