Kino
Donnerstag, 18. März 2010
Trip eines Unruheständlers
Birgit Roschy
In „Everybody’s Fine“ verliert Robert De Niro als Rentner seine Illusionen.
Der alte Mann mäht den Rasen, wienert sein Haus auf Hochglanz, kauft einen Super-Grill, Steaks und guten Wein. Der Witwer erwartet den Besuch seiner vier wohlgeratenen Kinder. Doch als sie nacheinander telefonisch absagen, packt der herzkranke Rentner sein Köfferchen, um sie seinerseits heimzusuchen. Anders aber als es der Titel besagt, geht es seinen Kindern keineswegs gut. Doch das muss Frank selbst herausfinden.
Der 66-jährige einstige Arbeiter einer Kabelfabrik hat längst den Draht zu seinem Nachwuchs verloren. Doch während er per Zug, Bus, Lkw und Flugzeug vier Stationen von der Ost- bis zur US-Westküste abklappert, beginnen die von ihm verlegten Drähte zu glühen. Seine Sprösslinge warnen sich gegenseitig, denn seit Langem beschönigen sie ihre Lebensverhältnisse, um ihrem stolzen Papa keinen Kummer zu machen. Nun ist etwas passiert, dass sie noch dringender vor ihm geheim halten müssen. Doch Frank hat schon bei seiner ersten Station, vor der Wohnung des Malers David, eine Vorahnung. Es ist der Beginn einer herzzerreißenden Desillusionierung.
Das bittersüße Vaterdrama von Kirk Jones („Lang lebe Ned Devine“) ist ein Remake von Giuseppe Tornatores Tragikomödie „Allen geht’s gut“. Die Rolle von Marcello Mastroianni übernimmt ein leisetreterischer Robert De Niro, Kate Winslet ist eine Agenturchefin mit schicker Villa und scheinbar perfekter Kleinfamilie, Drew Barrymore gibt eine angebliche Tänzerin, Sam Rockwell einen „Dirigenten“, der aber bei der Konzertprobe nur kurz die Trommel schlagen darf.
Sie alle sind beklommen und angeblich total im Stress. Und Frank, der ihre Lügen durchschaut, aber spürbar nicht weiß, wie er mit ihnen reden soll, wird immer stiller. Straßenszenen, in denen der Rentner, seinen Rollkoffer hinter sich her ziehend, überall geschäftigen Leuten im Weg steht, werden zum lakonischen Running Gag. So ist die Tragikomödie nicht nur Sinnbild von Alterseinsamkeit und gestörter Kommunikation, sondern auch ein Generationenporträt. Wie in vielen Familien war die Mutter der Kummerkasten der Kinder, der strenge Vater dagegen das Über-Ich. De Niro als seit acht Monaten verwitweter Vater, dessen fürsorgliche Frau stets familiäre Probleme von ihm fernhielt, verkörpert einen Schaffer der Nachkriegsgeneration: einen unermüdlich rödelnden Ernährer, der seine Wünsche hintanstellte, um den Kindern den Aufstieg zu ermöglichen. Der brave Ruheständler scheint im Gegensatz zum Originalfilm von 1990, der den Kontrast zwischen Nachkriegszeit und Moderne betonte, aus der Zeit herausgefallen.
Diese verspätete „éducation sentimentale“ gefällt durch ihre untheatralische Machart und die weitgehende Vermeidung klebrig-schnulziger Ausrutscher, obwohl sie dem Zuschauer ein halbes Happy End gönnt. Ein kleiner, besinnlicher Film, dessen Botschaft es ist, einander besser zuzuhören – und der den Wunsch weckt, die Eltern zu besuchen.
Everybody’s Fine - Cinemaxx, DD
Der 66-jährige einstige Arbeiter einer Kabelfabrik hat längst den Draht zu seinem Nachwuchs verloren. Doch während er per Zug, Bus, Lkw und Flugzeug vier Stationen von der Ost- bis zur US-Westküste abklappert, beginnen die von ihm verlegten Drähte zu glühen. Seine Sprösslinge warnen sich gegenseitig, denn seit Langem beschönigen sie ihre Lebensverhältnisse, um ihrem stolzen Papa keinen Kummer zu machen. Nun ist etwas passiert, dass sie noch dringender vor ihm geheim halten müssen. Doch Frank hat schon bei seiner ersten Station, vor der Wohnung des Malers David, eine Vorahnung. Es ist der Beginn einer herzzerreißenden Desillusionierung.
Das bittersüße Vaterdrama von Kirk Jones („Lang lebe Ned Devine“) ist ein Remake von Giuseppe Tornatores Tragikomödie „Allen geht’s gut“. Die Rolle von Marcello Mastroianni übernimmt ein leisetreterischer Robert De Niro, Kate Winslet ist eine Agenturchefin mit schicker Villa und scheinbar perfekter Kleinfamilie, Drew Barrymore gibt eine angebliche Tänzerin, Sam Rockwell einen „Dirigenten“, der aber bei der Konzertprobe nur kurz die Trommel schlagen darf.
Sie alle sind beklommen und angeblich total im Stress. Und Frank, der ihre Lügen durchschaut, aber spürbar nicht weiß, wie er mit ihnen reden soll, wird immer stiller. Straßenszenen, in denen der Rentner, seinen Rollkoffer hinter sich her ziehend, überall geschäftigen Leuten im Weg steht, werden zum lakonischen Running Gag. So ist die Tragikomödie nicht nur Sinnbild von Alterseinsamkeit und gestörter Kommunikation, sondern auch ein Generationenporträt. Wie in vielen Familien war die Mutter der Kummerkasten der Kinder, der strenge Vater dagegen das Über-Ich. De Niro als seit acht Monaten verwitweter Vater, dessen fürsorgliche Frau stets familiäre Probleme von ihm fernhielt, verkörpert einen Schaffer der Nachkriegsgeneration: einen unermüdlich rödelnden Ernährer, der seine Wünsche hintanstellte, um den Kindern den Aufstieg zu ermöglichen. Der brave Ruheständler scheint im Gegensatz zum Originalfilm von 1990, der den Kontrast zwischen Nachkriegszeit und Moderne betonte, aus der Zeit herausgefallen.
Diese verspätete „éducation sentimentale“ gefällt durch ihre untheatralische Machart und die weitgehende Vermeidung klebrig-schnulziger Ausrutscher, obwohl sie dem Zuschauer ein halbes Happy End gönnt. Ein kleiner, besinnlicher Film, dessen Botschaft es ist, einander besser zuzuhören – und der den Wunsch weckt, die Eltern zu besuchen.
Everybody’s Fine - Cinemaxx, DD







