Kino
Donnerstag, 5. August 2010
Syndrome mit und ohne
Andreas Körner
In „Me Too“ verlieben sich Männer und Frauen wie es sich gehört – einfach so.
Im Internet
Ein leichter Schauer des Entsetzens lässt sich anfangs nicht vermeiden: Daniel Sanz, ein sehr offensichtlich vom Down-Syndrom heimgesuchter Mittdreißiger, hält eine Ansprache, sagt hehre Worte über den unbefriedigenden Zustand der ausgrenzenden Gesellschaft. Nun, er darf das, aber muss er es auch? Die Kröte im Film des spanischen Regieduos Àlcaro Pastor und Antonio Naharro ist sehr früh zu schlucken. Danach wird es schnell besser, weil die Handlung nie wieder so plakativ sein wird, sondern gediegen mit Klischees von „Behinderten“ und Filmen über „Behinderte“ spielt. Letztes Ärgernis ist der deutsche Untertitel. „Me Too – Wer will schon normal sein?“ Welch freundliche Ausladung zum Kinobesuch!
Natürlich ist ein Knopf zu viel von Lauras Bluse geöffnet, als sie sich über den Schreibtisch beugt und in Daniel zunächst keinen Kollegen, sondern einen Bedürftigen vermutet. Doch nun arbeiten beide im städtischen Büro für Behindertenangelegenheiten in Sevilla. Sie schon etwas länger, er ganz frisch. Nichts kann Daniel bald von seinen Gefühlen abhalten, nicht das offensichtliche Buhlen eines anderen Mannes um Laura, die Warnungen des Bruders und der Eltern, ja, nicht einmal das eigene Wissen um dieses eine Chromosom, das er zu viel hat – er hat sich verliebt, und zwar nicht in eine „Betroffene“, sondern in eine, die er wahrscheinlich nie bekommen wird, nicht so jedenfalls, wie er es sich wünscht.
Laura ist nach außen hin eine Fesche, nach innen eine Gebeutelte, die es nach ordentlichen Portionen Alkohol oft genug bei flüchtigem Sex belässt, ihre Wohnung selten nach Norm putzt und sich auch noch mit ihrer Familie überworfen hat. Alles hat seine Gründe.
Alles. Laura fühlt sich nicht minder zu Daniel hingezogen, doch auf eigene Art. Eine Freundschaft wächst heran und etwas mehr, das keinen schnellen Namen kennt. Beide schenken sich gemeinsame Zeit, doch dass hier Zerwürfnisse, Missverständnisse und kaum einzulösende Erwartungen lauern, liegt auf der Hand – auf Daniels wie auf Lauras.
Daniel hadert, und er hadert zu Recht. Denn oft ist er einfach nur einsam, nicht immer hilft ihm sein einnehmendes, starkes Wesen. Natürlich kreist der Subtext der Handlung mehr und mehr ums „Normale“ und „andere“, ist das Ziel der Regisseure eindeutig. Nicht nur weil sie eine weitere Ebene mit einer zweiten, dann reinen Liebesgeschichte zwischen zwei tanzenden „Down-Syndromern“ erzählen. Doch entscheidend sind hier immer die eingefangenen Momente eines starken Stücks Leben, das nicht zu sehr in Märchennähe rückt, nicht zu dicht an eine konstruierte Katastrophe.
Denn was am Ende bleibt, ist vor allem dieses wunderbare Lachen von Pablo Pineda (Daniel) und Lola Duenas (Laura), seine Keckheit, ihr Geradeaus. Und so nimmt „Me Too“ den Geist der besten Filme dieser Art mühelos auf, Filme wie „Station Agent“ oder „Am achten Tag“, die das vermeintlich Schwere des Andersseins etwas leichter erscheinen lassen, ohne es künstlich einzudampfen. Die einfach erzählen, wie es ist oder sein könnte.
Me Too - Kino in der Fabrik, Programmkino Ost, DD
Natürlich ist ein Knopf zu viel von Lauras Bluse geöffnet, als sie sich über den Schreibtisch beugt und in Daniel zunächst keinen Kollegen, sondern einen Bedürftigen vermutet. Doch nun arbeiten beide im städtischen Büro für Behindertenangelegenheiten in Sevilla. Sie schon etwas länger, er ganz frisch. Nichts kann Daniel bald von seinen Gefühlen abhalten, nicht das offensichtliche Buhlen eines anderen Mannes um Laura, die Warnungen des Bruders und der Eltern, ja, nicht einmal das eigene Wissen um dieses eine Chromosom, das er zu viel hat – er hat sich verliebt, und zwar nicht in eine „Betroffene“, sondern in eine, die er wahrscheinlich nie bekommen wird, nicht so jedenfalls, wie er es sich wünscht.
Laura ist nach außen hin eine Fesche, nach innen eine Gebeutelte, die es nach ordentlichen Portionen Alkohol oft genug bei flüchtigem Sex belässt, ihre Wohnung selten nach Norm putzt und sich auch noch mit ihrer Familie überworfen hat. Alles hat seine Gründe.
Alles. Laura fühlt sich nicht minder zu Daniel hingezogen, doch auf eigene Art. Eine Freundschaft wächst heran und etwas mehr, das keinen schnellen Namen kennt. Beide schenken sich gemeinsame Zeit, doch dass hier Zerwürfnisse, Missverständnisse und kaum einzulösende Erwartungen lauern, liegt auf der Hand – auf Daniels wie auf Lauras.
Daniel hadert, und er hadert zu Recht. Denn oft ist er einfach nur einsam, nicht immer hilft ihm sein einnehmendes, starkes Wesen. Natürlich kreist der Subtext der Handlung mehr und mehr ums „Normale“ und „andere“, ist das Ziel der Regisseure eindeutig. Nicht nur weil sie eine weitere Ebene mit einer zweiten, dann reinen Liebesgeschichte zwischen zwei tanzenden „Down-Syndromern“ erzählen. Doch entscheidend sind hier immer die eingefangenen Momente eines starken Stücks Leben, das nicht zu sehr in Märchennähe rückt, nicht zu dicht an eine konstruierte Katastrophe.
Denn was am Ende bleibt, ist vor allem dieses wunderbare Lachen von Pablo Pineda (Daniel) und Lola Duenas (Laura), seine Keckheit, ihr Geradeaus. Und so nimmt „Me Too“ den Geist der besten Filme dieser Art mühelos auf, Filme wie „Station Agent“ oder „Am achten Tag“, die das vermeintlich Schwere des Andersseins etwas leichter erscheinen lassen, ohne es künstlich einzudampfen. Die einfach erzählen, wie es ist oder sein könnte.
Me Too - Kino in der Fabrik, Programmkino Ost, DD








