Kino
Donnerstag, 21. Januar 2010
Stadt der Ferngesteuerten
Christina Wittich
Bruce Willis ermittelt in „Surrogates - Mein zweites Ich“ auf künstlicher Basis.
In welche Richtung bewegt sich eine Welt, in der Freundschaften auf Internetportalen verwaltet und gepflegt werden, in der ein Mensch sich als Profil präsentiert, ein Charakter auf Stichworte und Äußerlichkeiten auf das vorteilhafteste Foto beschränken? „Second Life“ wäre die Antwort. Auf dieser Internetplattform haben sich bereits mehr als 15 Millionen Menschen ein Profil angelegt und bewegen pixelige Figuren durch einen virtuellen Raum, begegnen Menschen und besuchen Sehenswürdigkeiten wie die Galerie Alte Meister, ohne dabei auch nur einmal das Sofa zu verlassen.
Die Autoren und Grafiker Robert Venditti und Brett Weldele drehen das Rädchen nun noch ein Stück weiter. In weit ausholenden Schritten, behaupten sie, marschiert die Menschheit in eine Zukunft, in der sie ihre fleischliche Hülle ganz real ersetzt hat durch ferngesteuerte Kunstkörper, so genannte „Surrogates“. Auf dieser Idee basiert ihre nach diesen lebensechten Puppen benannte Graphic Novel. Regisseur Jonathan Mos-tow nutzt sie als Grundlage für seinen gleichnamigen Science-Fiction-Thriller.
Die Entwicklung verlief schmerzlos und schnell: Zuerst gab es Ersatzteile, die es körperlich Behinderten ermöglichten, sich mittels Gedankenkraft wieder frei zu bewegen, dann wurde es Mode, sich einen Surrogate anzuschaffen, ihn zu gestalten, auf Arbeit oder in den Krieg zu schicken und selbst zu Hause im bequemen Steuersessel zu bleiben und nur noch zu denken, was zu tun ist. Der Mensch lebt durch seine Puppe. Geht die kaputt, kauft er eine neue. Kriminalität und Gewalt gehen. Dann wird eines Tages nicht nur der Surrogate eines Studenten tot aufgefunden, sondern auch dessen Besitzer – umgebracht durch eine Technik, die beide gleichzeitig und endgültig auslöscht.
Bruce Willis spielt den ermittelnden FBI-Agenten Tom Greer in guter alter, handfester Manier. Seit dem Tod ihres Sohnes begegnen sich Greer und seine Frau Maggie (Rosamund Pike) nur noch in künstlicher Form. Er flüchtet sich in die Arbeit. Sie geht aus. Der Fall des ermordeten Studenten führt den Ermittler in ein Reservat für Technik-Verweigerer. Hier herrschen – ganz im Gegensatz zur Stadt der Ferngesteuerten – das Chaos und der „Prophet“ (Ving Rhames). Mit Predigten gegen die Künstlichkeit beherrscht der die Massen. Greer verliert in der Auseinandersetzung seinen Kunstkörper und fünf Kollegen. Fortan ermittelt der Mann ohne Technik weiter.
Die Geschichte ist spannend und mit hervorragenden Darstellern und viel Liebe ins Detail umgesetzt: Die Schauspieler agieren in Doppelrollen – Bruce Willis als blonder Schönling und kahles Raubein. Rosamund Pike als perfekt zurecht gemachte Haus- und Ehefrau und physisch wie psychisch mitgenommene Mutter. Der Hintergrund vor dem „Surrogates“ spielt, bietet letztendlich aber viel mehr Potenzial als nur für einen Krimi: Gesellschaftskritik, Schönheitswahn, Rassismus, Überwachung, die Entwertung des Menschen als Gesamtpaket. Bis zu dessen pompösem Ende deutet Mostow vieles davon in seinem Film an. Mehr aber auch nicht.
Surrogates - Mein zweites Ich - UCI, Ufa, DD
Die Autoren und Grafiker Robert Venditti und Brett Weldele drehen das Rädchen nun noch ein Stück weiter. In weit ausholenden Schritten, behaupten sie, marschiert die Menschheit in eine Zukunft, in der sie ihre fleischliche Hülle ganz real ersetzt hat durch ferngesteuerte Kunstkörper, so genannte „Surrogates“. Auf dieser Idee basiert ihre nach diesen lebensechten Puppen benannte Graphic Novel. Regisseur Jonathan Mos-tow nutzt sie als Grundlage für seinen gleichnamigen Science-Fiction-Thriller.
Die Entwicklung verlief schmerzlos und schnell: Zuerst gab es Ersatzteile, die es körperlich Behinderten ermöglichten, sich mittels Gedankenkraft wieder frei zu bewegen, dann wurde es Mode, sich einen Surrogate anzuschaffen, ihn zu gestalten, auf Arbeit oder in den Krieg zu schicken und selbst zu Hause im bequemen Steuersessel zu bleiben und nur noch zu denken, was zu tun ist. Der Mensch lebt durch seine Puppe. Geht die kaputt, kauft er eine neue. Kriminalität und Gewalt gehen. Dann wird eines Tages nicht nur der Surrogate eines Studenten tot aufgefunden, sondern auch dessen Besitzer – umgebracht durch eine Technik, die beide gleichzeitig und endgültig auslöscht.
Bruce Willis spielt den ermittelnden FBI-Agenten Tom Greer in guter alter, handfester Manier. Seit dem Tod ihres Sohnes begegnen sich Greer und seine Frau Maggie (Rosamund Pike) nur noch in künstlicher Form. Er flüchtet sich in die Arbeit. Sie geht aus. Der Fall des ermordeten Studenten führt den Ermittler in ein Reservat für Technik-Verweigerer. Hier herrschen – ganz im Gegensatz zur Stadt der Ferngesteuerten – das Chaos und der „Prophet“ (Ving Rhames). Mit Predigten gegen die Künstlichkeit beherrscht der die Massen. Greer verliert in der Auseinandersetzung seinen Kunstkörper und fünf Kollegen. Fortan ermittelt der Mann ohne Technik weiter.
Die Geschichte ist spannend und mit hervorragenden Darstellern und viel Liebe ins Detail umgesetzt: Die Schauspieler agieren in Doppelrollen – Bruce Willis als blonder Schönling und kahles Raubein. Rosamund Pike als perfekt zurecht gemachte Haus- und Ehefrau und physisch wie psychisch mitgenommene Mutter. Der Hintergrund vor dem „Surrogates“ spielt, bietet letztendlich aber viel mehr Potenzial als nur für einen Krimi: Gesellschaftskritik, Schönheitswahn, Rassismus, Überwachung, die Entwertung des Menschen als Gesamtpaket. Bis zu dessen pompösem Ende deutet Mostow vieles davon in seinem Film an. Mehr aber auch nicht.
Surrogates - Mein zweites Ich - UCI, Ufa, DD








