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Kino

Donnerstag, 9. Dezember 2010
(Sächsische Zeitung)

Pause für die Gebrüder Grimm

Von Christina Wittich

Mit „Rapunzel – Neu verföhnt“ liefert Disney seinen 50. und letzten klassischen Märchenfilm.

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Rapunzel trägt das Haar offen und ist mit Flynn auf der Flucht. Foto: PR

Der Titel ist behämmert: „Rapunzel – Neu verföhnt“, das konnten sich nur Marketingstrategen ausdenken, die kindlichen Humor mit infantilem Wortwitz verwechseln. „Tangled“, so der englische Name des Originals, bedeutet so viel wie verwickelt, verworren – da hätte sich was draus machen lassen. Zumal Freunde des klassischen Grimm-Märchens zu Recht vollkommen verwirrt von dieser Disney-„Rapunzel“-Interpretation aus dem Kino kommen werden. Wie immer also. Denn für seine 50. und, wie angekündigt, letzte klassische Märchenverfilmung – man möchte sich von nun an zeitgemäßeren Stoffen widmen – hat das Studio seine altbewährte Trickkiste nicht extra ausgetauscht. Vielmehr haben die Macher sie an den Henkeln gepackt, geschüttelt, ein paar neue Techniken hinzugefügt und dann tief hineingegriffen. Das Ergebnis ist ein 3D-Film, der aussieht wie ein klassisches Disney-Märchen, an dem die Tochterfirma Pixar beteiligt war. Tatsächlich hat Pixar-Urgestein John Lasseter als Produzent mitgewirkt. Und man ahnt seinen Einfluss bei Szenen, die in ihrer Schönheit an den Oscar-prämierten „Oben“ erinnern.

In der Handlung ist Disney bei Weitem nicht so mutig. Sein Rapunzel ist das Märchen einer Prinzessin, die schon als Baby von der Hexe Gothel wegen der verjüngenden Wirkung seiner Haare entführt wird und eingeschlossen in einen Turm aufwächst. Niemals darf Rapunzels Haar geschnitten werden, denn dann verliert es seine wundersame Heilkraft. Mit inzwischen 18 Jahren hat das Mädchen darum eine meterlange, goldblonde Mähne, die es wahlweise sehr geschickt nutzt als dritten Arm, Waffe oder Seil. Ihre größte Sehnsucht: Zu den schwebenden Lichtern zu gehen, die sie einmal im Jahr hinter den Bergen aufsteigen sieht. Flynn Rider wird ihr diesen Wunsch erfüllen. Der charmante Dieb verirrt sich auf seiner Flucht vor den Palastwachen in Rapunzels Turm. Sie fesselt ihn an sich mit ihrem Haar – wenn man so will.

Es ist eine Geschichte von Selbstfindung, Erwachsenwerden und Liebe, gewürzt mit reichlich Action und Abenteuer. Es wird gesungen und getanzt; ein ehrgeiziger Polizeihengst und ein mimisch hochbegabter, stummer Gecko sind die tierischen Sidekicks und streckenweise weit unterhaltsamer als die eigentlichen Helden. Disney übertrifft sich hier nicht selbst, es liefert solide, was es eben gut kann. Doch reiht es sich diesmal weit hinter ungleich einfallsreicheren Trickfilmen wie „Shrek“, „Toy Story“ & Co ein. Wahrscheinlich ist es wirklich an der Zeit, neue Wege zu gehen. Die Gebrüder Grimm könnten auf jeden Fall eine Pause gut vertragen.

Rapunzel: Cinemaxx, Neues Rundkino; UCI, Ufa, DD; Freiberg; Meißen; Pirna; Riesa


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