Kino
Mittwoch, 1. September 2010
(Sächsische Zeitung)
(Sächsische Zeitung)
Party bis zum Abwinken
Rock’n’Roll für Grobmotoriker: In der US-Komödie „Männertrip“ geht es definitiv zu laut z.
Getreu dem Titel ist diese Komödie kein Frauenfilm. Denn wenn sich ein naiver, dicklicher Plattenfirmenangestellter und ein exzentrischer Rockstar mit Tendenz zur Selbstzerstörung auf den Weg von London nach Los Angeles machen, wo besagter Rocker ein Comeback-Konzert geben soll, dann geht es vor allem um Party! Und die besteht, so will es die allgemeine Wahrnehmung, aus Drogen, Suff und wilden Weibern.
Doch anstatt echte Kerle vorzuführen, fällt dieser derbe Klamauk aus der Schmiede des Comedy-Moguls Judd Apatow („Beim ersten Mal“) eher in die Kategorie „Große Jungs, die nicht erwachsen werden wollen – wie bei fast allen Apatow-Erzeugnissen. Oft mit sympathischem Ergebnis, denn Figurenzeichnung ist eine der Stärken des amerikanischen Erfolgsproduzenten, auch wenn er hier seinem Kollegen Nicholas Stoller den Regiestuhl überließ. Stoller inszenierte vor zwei Jahren den Eifersuchts-Schwank „Nie wieder Sex mit der Ex“, in dem „Rockgott“ Aldous Snow noch eine Nebenrolle zukam.
Nun steht Snow, wiederum verkörpert vom britischen Moderator und Schauspieler Russell Brand, im Mittelpunkt seines eigenen Films. Die Figur des schillernden Skandalsängers, der sich gerade mit ausgedehntem Drogenkonsum vom herben Karriereflop seiner neuesten Single erholt, ist maßgeschneidert für Brand, den charismatischen Entertainer. Ihm zur Seite: Apatow-Stammbesetzung Jonah Hill als unbedarfter Künstlerbetreuer Aaron Green, dessen Timing von der exzessiven Unzuverlässigkeit seines ihm anvertrauten Schützlings zunichte gemacht wird.
Schade nur, dass das hektische Drehbuch die humorvolle Chemie der Hauptdarsteller torpediert. Ohne Pause hetzt das ungleiche Duo von einer Etappe zur nächsten. Zeit zum Durchatmen bleibt keine in Anbetracht der wüsten Orgien und vergossenen Körperflüssigkeiten, mit denen der Film auch gelungene Gags bis zum Überdruss ausreizt. Was als knallige Parodie auf den Rock’n’Roll-Lifestyle gedacht war, verflacht in selbstzweckhaftem Radau – da können auch amüsante Gastauftritte von einschlägigen Promis wie Christina Aguilera, Pink oder Metallica-Drummer Lars Ulrich nichts retten.
Nur selten gönnt man den Charakteren hinter der grellen Überzeichnung einen Funken Emotion. Und gerade in diesen Szenen zeigt sich, dass „Männertrip“ durchaus ein Herz hat, das nicht nur für spätpubertären Schweinkram schlägt. Denn aller angestrengten Spaßhysterie zum Trotz fällt es schwer, diese Typen nicht zu mögen.
Ironischerweise ist es aber Sean Combs, in musikalischen Fachkreisen als Puff Daddy oder P. Diddy berühmt-berüchtigt, der hier als egomanischer Plattenfirmenboss (kurz: er selbst) dem Rest des Ensembles die Show stiehlt. Man hätte wohl nie gedacht, dass gerade er einmal der Hauptgrund dafür sein würde, sich einen Film anzusehen. Andreas Dosch
Wertung: xxxxxx
Cinemaxx, UCI, Ufa, DD; Freiberg; Meißen; Pirna; Riesa
Doch anstatt echte Kerle vorzuführen, fällt dieser derbe Klamauk aus der Schmiede des Comedy-Moguls Judd Apatow („Beim ersten Mal“) eher in die Kategorie „Große Jungs, die nicht erwachsen werden wollen – wie bei fast allen Apatow-Erzeugnissen. Oft mit sympathischem Ergebnis, denn Figurenzeichnung ist eine der Stärken des amerikanischen Erfolgsproduzenten, auch wenn er hier seinem Kollegen Nicholas Stoller den Regiestuhl überließ. Stoller inszenierte vor zwei Jahren den Eifersuchts-Schwank „Nie wieder Sex mit der Ex“, in dem „Rockgott“ Aldous Snow noch eine Nebenrolle zukam.
Nun steht Snow, wiederum verkörpert vom britischen Moderator und Schauspieler Russell Brand, im Mittelpunkt seines eigenen Films. Die Figur des schillernden Skandalsängers, der sich gerade mit ausgedehntem Drogenkonsum vom herben Karriereflop seiner neuesten Single erholt, ist maßgeschneidert für Brand, den charismatischen Entertainer. Ihm zur Seite: Apatow-Stammbesetzung Jonah Hill als unbedarfter Künstlerbetreuer Aaron Green, dessen Timing von der exzessiven Unzuverlässigkeit seines ihm anvertrauten Schützlings zunichte gemacht wird.
Schade nur, dass das hektische Drehbuch die humorvolle Chemie der Hauptdarsteller torpediert. Ohne Pause hetzt das ungleiche Duo von einer Etappe zur nächsten. Zeit zum Durchatmen bleibt keine in Anbetracht der wüsten Orgien und vergossenen Körperflüssigkeiten, mit denen der Film auch gelungene Gags bis zum Überdruss ausreizt. Was als knallige Parodie auf den Rock’n’Roll-Lifestyle gedacht war, verflacht in selbstzweckhaftem Radau – da können auch amüsante Gastauftritte von einschlägigen Promis wie Christina Aguilera, Pink oder Metallica-Drummer Lars Ulrich nichts retten.
Nur selten gönnt man den Charakteren hinter der grellen Überzeichnung einen Funken Emotion. Und gerade in diesen Szenen zeigt sich, dass „Männertrip“ durchaus ein Herz hat, das nicht nur für spätpubertären Schweinkram schlägt. Denn aller angestrengten Spaßhysterie zum Trotz fällt es schwer, diese Typen nicht zu mögen.
Ironischerweise ist es aber Sean Combs, in musikalischen Fachkreisen als Puff Daddy oder P. Diddy berühmt-berüchtigt, der hier als egomanischer Plattenfirmenboss (kurz: er selbst) dem Rest des Ensembles die Show stiehlt. Man hätte wohl nie gedacht, dass gerade er einmal der Hauptgrund dafür sein würde, sich einen Film anzusehen. Andreas Dosch
Wertung: xxxxxx
Cinemaxx, UCI, Ufa, DD; Freiberg; Meißen; Pirna; Riesa








