Kino
Donnerstag, 14. Januar 2010
Ossis in Amerika
Martin Schwickert
„Friendship!“ von Markus Goller offenbart gute Ideen, aber eine durchschaubare Umsetzung.
Wo vorn ist, entscheiden wir: Matthias Schweighöfer und Friedrich Mücke in den Staaten. Foto: Buena Vista
Auch wenn man das Gefühl hat, dass Matthias Schweighöfer seit „Der rote Baron“ seine Rollen in einem ähnlichen Betriebsmodus spielt, strahlt er auf der Leinwand eine virile Lebensenergie aus, wie sie zurzeit kein zweiter deutscher Schauspieler verkörpert. Gerade hat er in „Zwölf Meter ohne Kopf“ den Haudegen Gödeke Michels an der Seite Klaus Störtebekers gegeben und vermittelte einen Großteil der anarchistischen Energie, die Sven Taddikens Piratenfilm-Hommage kennzeichnete. Schweighöfers Rolle in „Friendship!“ ist durchaus ähnlich angelegt, nur dass sich unter die Abenteuerlust noch ein gerüttelt Maß ostdeutscher Nachwende-Naivität mischt.
Berlin, 9. November 1989. Die Mauer fällt. Die Grenze ist offen. Die Welt liegt den beiden Freunden Tom (Matthias Schweighöfer) und Veit (Friedrich Mücke) zu Füßen. Veit will nach San Francisco, weil es westlicher einfach nicht geht. Dahinter kommt ja nur noch Asien, aber das ist ja eigentlich schon wieder Osten. Und da kommt man schließlich gerade her. Tom schlägt ein, auch wenn das bisschen Begrüßungsgeld und die spärlichen Westgeldreserven nur für ein Flugticket nach New York reichen. Trotzdem werden der alte NVA-Rucksack geschnürt, ein paar Schachteln Kekse und ein Super-8-Filmprojektor eingepackt. Schließlich sind die beiden bekennende Hobby-Filmemacher und hoffen mit ihren Underground-Filmen in den USA ein wenig Geld verdienen zu können.
Die erste Ernüchterung folgt gleich an der Zollkontrolle: „We are from East Germany“, sagt Tom mit seinen rudimentären Sprachkenntnissen dem amerikanischen Zollbeamten stolz: „You know, communists.“ Ganz falsche Begrüßung. Da heißt es erst einmal mitkommen und nackt an die Wand stellen. Selbst der alte, etwas ungelenk ins Englische übersetzte FDJ-Gruß „Friendship!“ hilft hier nichts. Auch der Fahrkartenkauf am Bahnschalter misslingt, da sich die US-Tarife doch deutlich von den Reichsbahn-Preisen unterscheiden. Also geht es per Anhalter Richtung Westen.
Mit „Friendship!“ entwirft der in den USA lebende deutsche Regisseur Markus Goller ein klassisches amerikanisches Roadmovie mit zwei Ossis als Helden. Die Idee ist nicht schlecht, auch wenn man aus dem Aufeinanderprallen der grundverschiedenen Kulturen mit mehr Liebe zum ostdeutschen Detail größeres Kapital hätte schlagen können. Was den Film zusammenhält, sind die beiden grundsympathischen Hauptfiguren, die sich mit naiver Sorglosigkeit ins Abenteuer stürzen und von Matthias Schweighöfer und Friedrich Mücke weitgehend ohne die üblichen Ossi-Klischees gespielt werden. Allerdings verlässt sich „Friendship!“ zu sehr auf die typische Kumpelkonstellation, bei der die Charaktereigenschaften zwischen dem Draufgänger Tom und dem eher schüchternen Veit etwas eindimensional verteilt sind. Die übersichtliche Stationendramaturgie wird auch durch Veits Suche nach seinem aus der DDR in die USA geflüchteten Vater nicht wirklich aufgewertet. Zwar gibt der finale Twist der Story noch ein wenig zeitgeschichtlichen Tiefgang, aber das sind nur wenige Minuten, in denen der Film wirklich berührt.
Ansonsten sorgen der erste Drogentrip, ein misslungenes Liebesabenteuer mit jungen, willigen Amerikanerinnen, die obligatorischen Auseinandersetzungen mit US-Gesetzeshütern, ein Auftritt in einer Strip-Bar oder die Vorführung echter DDR-Underground-Filme in der amerikanischen Provinz für durchaus komische, aber vollkommen vorhersehbare Unterhaltungseffekte. Man merkt „Friendship!“ deutlich an, dass er nicht nur auf dem deutschen, sondern auch auf dem amerikanischen Markt funktionieren will und sich deshalb mehr den US-Kino-Konventionen unterwirft, als es der Geschichte gut tut.
Friendship - Cinemaxx, Neues Rundkino, UCI, Ufa, DD; Freiberg; Meißen; Pirna; Riesa
Berlin, 9. November 1989. Die Mauer fällt. Die Grenze ist offen. Die Welt liegt den beiden Freunden Tom (Matthias Schweighöfer) und Veit (Friedrich Mücke) zu Füßen. Veit will nach San Francisco, weil es westlicher einfach nicht geht. Dahinter kommt ja nur noch Asien, aber das ist ja eigentlich schon wieder Osten. Und da kommt man schließlich gerade her. Tom schlägt ein, auch wenn das bisschen Begrüßungsgeld und die spärlichen Westgeldreserven nur für ein Flugticket nach New York reichen. Trotzdem werden der alte NVA-Rucksack geschnürt, ein paar Schachteln Kekse und ein Super-8-Filmprojektor eingepackt. Schließlich sind die beiden bekennende Hobby-Filmemacher und hoffen mit ihren Underground-Filmen in den USA ein wenig Geld verdienen zu können.
Die erste Ernüchterung folgt gleich an der Zollkontrolle: „We are from East Germany“, sagt Tom mit seinen rudimentären Sprachkenntnissen dem amerikanischen Zollbeamten stolz: „You know, communists.“ Ganz falsche Begrüßung. Da heißt es erst einmal mitkommen und nackt an die Wand stellen. Selbst der alte, etwas ungelenk ins Englische übersetzte FDJ-Gruß „Friendship!“ hilft hier nichts. Auch der Fahrkartenkauf am Bahnschalter misslingt, da sich die US-Tarife doch deutlich von den Reichsbahn-Preisen unterscheiden. Also geht es per Anhalter Richtung Westen.
Mit „Friendship!“ entwirft der in den USA lebende deutsche Regisseur Markus Goller ein klassisches amerikanisches Roadmovie mit zwei Ossis als Helden. Die Idee ist nicht schlecht, auch wenn man aus dem Aufeinanderprallen der grundverschiedenen Kulturen mit mehr Liebe zum ostdeutschen Detail größeres Kapital hätte schlagen können. Was den Film zusammenhält, sind die beiden grundsympathischen Hauptfiguren, die sich mit naiver Sorglosigkeit ins Abenteuer stürzen und von Matthias Schweighöfer und Friedrich Mücke weitgehend ohne die üblichen Ossi-Klischees gespielt werden. Allerdings verlässt sich „Friendship!“ zu sehr auf die typische Kumpelkonstellation, bei der die Charaktereigenschaften zwischen dem Draufgänger Tom und dem eher schüchternen Veit etwas eindimensional verteilt sind. Die übersichtliche Stationendramaturgie wird auch durch Veits Suche nach seinem aus der DDR in die USA geflüchteten Vater nicht wirklich aufgewertet. Zwar gibt der finale Twist der Story noch ein wenig zeitgeschichtlichen Tiefgang, aber das sind nur wenige Minuten, in denen der Film wirklich berührt.
Ansonsten sorgen der erste Drogentrip, ein misslungenes Liebesabenteuer mit jungen, willigen Amerikanerinnen, die obligatorischen Auseinandersetzungen mit US-Gesetzeshütern, ein Auftritt in einer Strip-Bar oder die Vorführung echter DDR-Underground-Filme in der amerikanischen Provinz für durchaus komische, aber vollkommen vorhersehbare Unterhaltungseffekte. Man merkt „Friendship!“ deutlich an, dass er nicht nur auf dem deutschen, sondern auch auf dem amerikanischen Markt funktionieren will und sich deshalb mehr den US-Kino-Konventionen unterwirft, als es der Geschichte gut tut.
Friendship - Cinemaxx, Neues Rundkino, UCI, Ufa, DD; Freiberg; Meißen; Pirna; Riesa








