Kino
Mittwoch, 2. Dezember 2009
(Sächsische Zeitung)
(Sächsische Zeitung)
Nur der Miesepeter sieht alles
Jörg Peter Löblein
Zurück in New York: Woody Allens entspannte Boulevardkomödie „Whatever Works“.
Ist mal wieder typisch für diese „gescheiterte Spezies“ namens Mensch: Die Leute sehen einfach nichts. Glotzen nur dumm von der Leinwand herab und schütteln verständnislos die Häupter: „Siehst Du jemanden?“ – „Nö, da ist keiner.“ Nur der eierköpfige Herr in den speckigen Shorts hat das ganze Bild im Blick, wie er sagt. Er registriert nämlich als Einziger, dass da vor ihm im Dunklen ein paar Zuschauer sitzen, und wendet sich auch gleich mit einer Tirade über die Nichtigkeit des menschlichen Daseins an selbige, also uns. Die anderen Filmfiguren finden ihn wunderlich. Aber in Wahrheit ist natürlich er – zumindest was die Kino-Situation angeht – der Realist.
Man weiß aus vielen Woody-Allen-Filmen, wie einsam die Einsicht in die Bedingungen der eigenen Existenz das Individuum machen kann. Und dass in der tragikomischen Mitteilsamkeit der Filme diese Einsamkeit gleich wieder ansatzweise bewältigt werden kann. Der alternde, infolge eines Selbstmordversuchs hinkende Misanthrop Boris Yellnikoff (Larry David) fühlt sich freilich zunächst nur massiv belästigt, als sukzessive und nach bester Boulevardkomödien-Manier eine frömmelnde Südstaaten-Familie in sein schmuddeliges New Yorker Zyniker-Idyll hineinplatzt. Zuerst die süße Tochter (Evan Rachel Wood), die so beschränkt ist, dass sie das alte Ekel auch noch heiratet. Dann die Mutter (Patricia Clarkson), die sich anschickt, diese Partnerwahl zu korrigieren. Und schließlich der Vater (Ed Beg-ley Jr.), der zurück zu seiner Frau will. Doch dann verführt der liberale genius loci New Yorks die Landeier unversehens dazu, sich noch einmal erotisch neu zu erfinden – jenseits ihrer bürgerlichen Moralvorstellungen, getreu dem entspannten Motto „Whatever Works“: Hauptsache, es funktioniert.
Nach vier in Europa gedrehten Filmen ist Woody Allen nun also wieder in seine Heimatstadt zurückgekehrt, um dort ein Skript aus den 1970er-Jahren, der Entstehungszeit seiner Klassiker wie „Der Stadtneurotiker“ oder „Manhattan“, zu verfilmen. „Whatever Works“ war für den Komiker Zero Mostel („Frühling für Hitler“) geschrieben, landete nach dessen Tod aber in der Schublade. Manche Kritiker bezeichnen den nun mit Larry David realisierten Film – David ist Autor und Darsteller der TV-Sitcoms „Seinfeld“ – als Allens „beste Komödie seit Langem“. Andere finden, dass die Pointen „ächzen und quietschen wie ein arthritisches Gelenk“. Herrn Yellnikoff mag's wurscht sein. Ob am Ende überhaupt noch Zuschauer im Saal sind, das kann auch er nicht so recht erkennen. Aber es ist immer beruhigend sich vorzustellen, dass irgendwo da draußen in der Einsamkeit ein Woody Allen-Film läuft.
Whatever Works - Programmkino Ost, Schauburg, DD
Man weiß aus vielen Woody-Allen-Filmen, wie einsam die Einsicht in die Bedingungen der eigenen Existenz das Individuum machen kann. Und dass in der tragikomischen Mitteilsamkeit der Filme diese Einsamkeit gleich wieder ansatzweise bewältigt werden kann. Der alternde, infolge eines Selbstmordversuchs hinkende Misanthrop Boris Yellnikoff (Larry David) fühlt sich freilich zunächst nur massiv belästigt, als sukzessive und nach bester Boulevardkomödien-Manier eine frömmelnde Südstaaten-Familie in sein schmuddeliges New Yorker Zyniker-Idyll hineinplatzt. Zuerst die süße Tochter (Evan Rachel Wood), die so beschränkt ist, dass sie das alte Ekel auch noch heiratet. Dann die Mutter (Patricia Clarkson), die sich anschickt, diese Partnerwahl zu korrigieren. Und schließlich der Vater (Ed Beg-ley Jr.), der zurück zu seiner Frau will. Doch dann verführt der liberale genius loci New Yorks die Landeier unversehens dazu, sich noch einmal erotisch neu zu erfinden – jenseits ihrer bürgerlichen Moralvorstellungen, getreu dem entspannten Motto „Whatever Works“: Hauptsache, es funktioniert.
Nach vier in Europa gedrehten Filmen ist Woody Allen nun also wieder in seine Heimatstadt zurückgekehrt, um dort ein Skript aus den 1970er-Jahren, der Entstehungszeit seiner Klassiker wie „Der Stadtneurotiker“ oder „Manhattan“, zu verfilmen. „Whatever Works“ war für den Komiker Zero Mostel („Frühling für Hitler“) geschrieben, landete nach dessen Tod aber in der Schublade. Manche Kritiker bezeichnen den nun mit Larry David realisierten Film – David ist Autor und Darsteller der TV-Sitcoms „Seinfeld“ – als Allens „beste Komödie seit Langem“. Andere finden, dass die Pointen „ächzen und quietschen wie ein arthritisches Gelenk“. Herrn Yellnikoff mag's wurscht sein. Ob am Ende überhaupt noch Zuschauer im Saal sind, das kann auch er nicht so recht erkennen. Aber es ist immer beruhigend sich vorzustellen, dass irgendwo da draußen in der Einsamkeit ein Woody Allen-Film läuft.
Whatever Works - Programmkino Ost, Schauburg, DD








