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Kino

Donnerstag, 15. Juli 2010

Nichts passiert

Von Christina Wittich

Die „Twilight“-Filmreihe um den sexy Vampir Ed Cullen geht in Runde drei. Aber auch in „Eclipse. Bis(s) zum Abendrot“ bleibt es bei züchtigen Zärtlichkeiten.

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So eine Liebe – und so ein nobler Verzicht: Bella (Kristen Stewart) mit ihrem Lieblingsvampir Edward (Robert Pattinson) in dem Kinofilm „Eclipse. Bis(s) zum Abendrot“ Foto: PR

Ach der Robert! Robert Pattinson ist gemeint, der junge Brite, der in „Harry Potter und der Feuerkelch“ den sportlichen Schönling Cedric Diggory gab und sterben musste. Millionen Mädchen haben furchtbar gelitten. Seinetwegen, nicht wegen Harry, dem ollen Streber. Es war ihr großes Glück, dass Pattinson schon drei Jahre später, 2008, wieder auferstehen sollte als Vampir Edward Cullen in der laufenden „Twilight“-Reihe. Deren dritter Teil „Eclipse – Bis(s) zum Abendrot“ startet heute in den Kinos. Jeder Film war bisher ein Blockbuster. Das ist auch darauf zurückzuführen, dass Pattinson darin noch stärker als bei Harry P. zum Fixpunkt adoleszenter Weiblichkeit modelliert und zurechtgestutzt wurde. So viel Sex ohne Beischlaf kann kein Zauberlehrling bieten. So viele Versprechen auf Romantik und ewige Liebe kein Harry halten.

Pattinson sagte man nach seinem einmaligen Potter-Auftritt eine große Laufbahn als Leinwandstar voraus. Zwischen seinen Engagements als schmachtender Vampir Edward Cullen spielte er in fünf weiteren Filmen mit, unter anderem im erst in diesem Jahr angelaufenen „Remember me“.

Meistenteils auf den romantischen Jüngling abonniert, brach das Ex-Modell nur 2009 in „Little Ashes“ aus dieser Rolle aus. Leider fiel die filmische Betrachtung zu Salvador Dalis verhinderter Affäre mit dem Schriftsteller Frederico Garcia Lorca lediglich ein paar Kritikern und schwulen Filmfans auf. Denn, und das ist die traurige Gemeinsamkeit der beiden hübschen Briten Radcliffe und Pattinson, sie werden ihre Rollen vorerst nicht los. Nun also kommt der dritte „Twilight“-Teil ins Kino, und der vierte ist bereits in Arbeit. Fünf Romane hat die Autorin Stephenie Meyer geschrieben. Pattinson ist mittlerweile offiziell mit seiner Hauptdarsteller-Kollegin Kristen Stewart liiert.

Permanente Leidensmiene

Man darf davon ausgehen, die beiden wissen etwas mehr miteinander anzufangen als Edward Cullen und Bella Swan. Es passiert nämlich wieder nichts. Außer ein bisschen Fummeln und Knutschen. Das ist insofern erwähnenswert, weil nämlich auch sonst nichts passiert in „Eclipse“, was in etwa genauso viel Handlung ergibt wie in den beiden zuvor verfilmten Titeln. Auf das Wesentliche reduziert, erzählen der erste, der zweite und der dritte Teil der Saga von zwei Jungen, die sich um ein Mädchen streiten und dabei ihre Familien involvieren. Interessanterweise bleibt doch nur der Vater des Mädchens im Unklaren über das hormonell aufgeschäumte Treiben um seinen Nachwuchs. Wären die beiden jungen Männer nicht jeweils ein stets sehr leicht bekleideter Werwolf und ein sehr geschmackvoller Vampir, „Eclipse“ (Regie: David Slade) liefe unter dem Etikett „Highschool-Romanze“.

So aber finden dieser vor bezaubernder Naturkulisse gedrehte Hochglanzfilm und seine Vorgänger ihre Berechtigung in ihrer Einmaligkeit. Zumindest bisher. Liefert die Reihe doch mit Edward einen Vampir, der – obwohl sehr eindringlich dazu aufgefordert – seine Liebe nicht, beziehungsweise erst nach der Hochzeit beißen will. Damit nimmt die Mormonin Meyer dem Blutsauger seine in Jahrhunderten erarbeitete Erotik und kreiert einen Unsterblichen mit permanenter Leidensmiene. Geht es doch anderthalb Stunden lang um nichts anderes als ums Beißen und Gebissenwerden und dessen Vermeidung, sprich Enthaltsamkeit. Und entziffert man diese nur oberflächlich verschlüsselte Sprache, dann findet im Kopf bald ein viel aufregenderer Film statt als auf der Leinwand.

Denn dort muss sich Bella nicht nur mit dem Liebeswerben von Werwolf Jacob (Taylor Lautner) herum- und Edwards Heiratsanträge ausschlagen. Es formt sich auch bald im nahen Seattle eine Armee frisch Gebissener, deren Anführer nichts anderes im Sinn hat, als Bella zu schaden, um Edward und seinem Clan mal so richtig eins auszuwischen. Werwölfe und Vampire müssen nun zusammenhalten, um die junge Frau nicht zu verlieren. Es gibt einen Showdown auf der Waldlichtung, bei dem Edward vor allem jedoch um seine Aufsichtspflicht besorgt ist.

Getarnter Kontrollzwang

Das und seine krampfige Zurückhaltung machen den Part des Robert Pattinson im Übrigen besonders unsympathisch und decken zugleich das antiquierte Weltbild der viel gelesenen Romanautorin auf: Es ist nämlich der Mann, der auf das Wohlbefinden und die Unbeflecktheit seiner Frau zu achten hat. Und Edward lebt seinen Kontrollzwang unter dem Deckmantel der Liebe voll aus. Bella lässt es sich gefallen. Blumenfelder und diamanten glitzernde Haut im Sonnenschein genügen offenbar als Ausgleich.

Ach Robert. Verdirb uns nicht die jungen Frauen.

Der Film startet in Dresden, Bautzen, Görlitz, Großröhrsdorf, Hoyerswerda und Zittau.



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