Kino
Donnerstag, 12. Januar 2012
(Sächsische Zeitung)
(Sächsische Zeitung)
Lüge in der Lüge
Andreas Körner
„Das traurige Leben der Gloria S.“ wird zur überraschenden Farce über gesellschaftliche und soziale Realitäten.
Zehn, vielleicht 15 Minuten lang muss man einfach nur durch. Nein, meldet sich das eigene Unbehagen, bitte nicht schon wieder Film im Film! Bitte nicht entnervte Schauspielerinnen, die über sich selbst jammern, keine Regisseure, die Kollegen in die Pfanne hauen! Kein Szene-Kino, bitte, nicht, ich bin doch nur williger Zuschauer, einfach nur Zuschauer! Doch, als wäre durch ein Zauberohr der Hilferuf erhört worden, wird aus „Das traurige Leben der Gloria S.“ eine bissige Satire, ja eine Farce über gesellschaftlich-soziale Realitäten und darüber, wie sie in den Medien dargestellt werden. 75 Minuten – und es hat Zoom gemacht.
Charlotte landet in der Nobelkrise. Gerade hat die Regisseurin ein nächstes erfolgreiches Werk zur Premiere gebracht, schon meldet sich eine eigenartige Lust auf Realität statt Fiktion, Dok statt Blök. Wie wäre es, Hartz-IV-Frauen zu porträtieren? Randgruppe statt Caipi-Zirkel. Die Charlotte als Andrea Dresen? Das sollte kaum gutgehen. Geht es auch nicht, denn beim Casting für das Projekt gerät sie an Gloria Schneider: alleinstehend, benachteiligt in ihrer Einraumwohnung, traurig. Aber mit starkem Gesicht! Der Dreh beginnt, eine schwangere Tochter kommt hinzu, Glorias Ex-Mann, der alte Schläger. Was Charlotte noch nicht, der Zuschauer aber längst weiß: Gloria Schneider spielt nur, ihre „Familie“ spielt mit, denn sie sind eine erfolglose Off-Theater-Truppe. Und als nach knapp einer Stunde alles auffliegt, ist der Film noch lange nicht vorbei.
Die Regisseurinnen Ute Schall und Christine Groß verdichten ihre schwarze Komödie immer deutlicher mit Sarkasmus auf eine Wirklichkeit, der man in TV und Kino allzu leichtfertig trauen mag. Oder eben nicht.
„Das traurige Leben der Gloria S.“: kino im dach, DD
Charlotte landet in der Nobelkrise. Gerade hat die Regisseurin ein nächstes erfolgreiches Werk zur Premiere gebracht, schon meldet sich eine eigenartige Lust auf Realität statt Fiktion, Dok statt Blök. Wie wäre es, Hartz-IV-Frauen zu porträtieren? Randgruppe statt Caipi-Zirkel. Die Charlotte als Andrea Dresen? Das sollte kaum gutgehen. Geht es auch nicht, denn beim Casting für das Projekt gerät sie an Gloria Schneider: alleinstehend, benachteiligt in ihrer Einraumwohnung, traurig. Aber mit starkem Gesicht! Der Dreh beginnt, eine schwangere Tochter kommt hinzu, Glorias Ex-Mann, der alte Schläger. Was Charlotte noch nicht, der Zuschauer aber längst weiß: Gloria Schneider spielt nur, ihre „Familie“ spielt mit, denn sie sind eine erfolglose Off-Theater-Truppe. Und als nach knapp einer Stunde alles auffliegt, ist der Film noch lange nicht vorbei.
Die Regisseurinnen Ute Schall und Christine Groß verdichten ihre schwarze Komödie immer deutlicher mit Sarkasmus auf eine Wirklichkeit, der man in TV und Kino allzu leichtfertig trauen mag. Oder eben nicht.
„Das traurige Leben der Gloria S.“: kino im dach, DD








