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Kino

Donnerstag, 25. Februar 2010
(Sächsische Zeitung)

Laufsteg unter Wasser


Die Dokumentation „Unsere Ozeane“ zeigt Medusenqualle, Zahnlippfisch und Löcherkrake.

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Sieht schon komisch aus, der Zahnlippfisch. Foto: Universum

Ach, diese Kinderfragen! „Was ist ein Ozean?“, will der Enkel vom Großvater wissen. Da hat sich der Junge an den Richtigen gewandt: Denn Opa Jacques Perrin ist Spezialist für Naturfilme. Anstatt eine kurze und bündige Antwort zu geben, hat er sich vier Jahre vorbereitet und dann zwei Jahre lang mit drei Teams an 54 Orten der Weltmeere gedreht. Die filmische Antwort dürfte nicht nur den Enkel zufriedenstellen. Denn „Unsere Ozeane“ bietet eine Sinfonie aus Bild und Klang, die das Geschehen in den Meeren zum Laufsteg der Ästhetik macht. Nach „Mikrokosmos“ und „Nomaden der Lüfte“ liefert Perrin damit ein drittes Meisterwerk ab. Wieder verzichtet er auf lange Erklärungen, zum Glück auch auf jede Vermenschlichung der Tiere, konzentriert sich in perfekter Bildqualität und nie gehörter Klangfinesse nur auf das Meer und seine Hauptdarsteller – der Mythos des „stillen Ozeans“ dürfte fortan Geschichte sein.

Denn egal ob ein Einsiedlerkrebs gegen eine Krabbe kämpft, Haie hinter Robben herjagen oder Delfine oder andere Wale miteinander kommunizieren – lautlos ist das alles nicht, und Perrin und sein Ko-Regisseur Jacques Cluzaud fangen die Töne mit diffizilen Methoden und feinsten Mikrofonen ein. Und in der spektakulären Begegnung zweier riesiger Krabbenarmeen, die im Verkehrsstau über- und untereinander herklettern, wächst sich das feinen Staksen der einzelnen Tiere zum regelrechten Krach aus. Die technische Perfektion macht auch das Sehen bekannter Bilder zum Genuss. Selbst das gnadenlose Spiel des Fressens und Gefressenwerdens bekommt eine Schönheit, die den Atem stocken lässt, etwa wenn Albatrosse wie Torpedos in Fischschwärme stoßen, die sich in immer neuen Formationen wieder zusammenfinden. Oder wenn Rochen, Medusenquallen oder japanische Löcherkraken im ewigen Blau ihre Bahnen ziehen. Kommt der obskur-komische Zahnlippfisch mit seiner Beule auf der Stirn und dem absurd vorgewölbten Unterkiefer ins Blickfeld, könnte man meinen, sein Schöpfer sei am Tag seiner Erfindung völlig besoffen gewesen.

Wer Inspiration in Form oder Farbe sucht, der ist hier demnach genauso richtig, wie Naturfreunde oder einfach alle Menschen, die das Staunen nicht verlernt haben. Als eine „Oper der Wildnis“ beschreibt Perrin sein Werk, mit dem er die Zuschauer emotional fassen wolle, um sie für die Zerstörung der Natur zu sensibilisieren. Die Bilder, die die Ausbeutung und Verschmutzung der Meere zeigen, sind zurückhaltend eingesetzt, aber umso wuchtiger. Schildkröten, die sich in Netzen verheddern und eine Robbe, die auf dem Meeresboden skeptisch einen Einkaufswagen aus dem Supermarkt beäugt – sinnfälliger kann man den Zusammenhang zwischen Konsum und Zerstörung nicht bringen. Bilder wie diese brennen sich in die Seele ein. Auch solche, die die Kraft der Wassermassen zeigen, etwa wenn große Schiffe in Sturmwellen aussehen, als wären sie Nussschalen in der Badewanne. Das alles, lieber Enkel, das alles ist der Ozean. Valeria Heintges

Cinemaxx, PK Ost, UCI, Ufa, DD; Freiberg


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