Kino
Donnerstag, 21. Oktober 2010
(Sächsische Zeitung)
(Sächsische Zeitung)
Kunst kommt auch von künstlich
Von Andreas Körner
„Banksy – Exit Through The Gift Shop“ ist eine herrliche Satire über das Vermarkten von Künstlern.
Straßenkünstler Banksy bleibt in jedem Falle unerkannt, hier beim Besprühen einer Grenzwand in Palästina. Foto: alamode
Selten so gelacht in letzter Kino-Zeit, und das über einen Film, der sich offensiv, geschickt und vergnüglich über Genregrenzen aalt. Was zunächst aussieht wie eine ernst gemeinte Dokumentation, wird erst zur Satire, dann zur Farce, an deren Ende man überhaupt nicht mehr weiß, was wahr ist, was erfunden und ob man nicht doch die ganzen 90 Minuten über in einem eher veräppelnden Spielfilm saß. Urheber, Regisseur, Autor, Zentrum – Banksy. Das muss genügen.
Wer Banksy ist? Das wüssten viele nur zu gern. Natürlich gibt sein Film alles andere als eine Antwort darauf. Das nahezu Einzige, das sich nicht in Mutmaßungen erschöpft, ist seine Kunst: Banksy ist ein politisch wacher, scharfsinniger Straßenkünstler, ein „wahrer Volksmaler“, wie ihn die britische „Times“ nannte. Intensiv gesucht von der Polizei, besprüht er seit Jahren
Flächen in aller Welt und fällt mit Ins-tallationen auf, immer dann vor allem, wenn es Kommentare sind oder außergewöhnliche Orte. Im besetzten Westjordanland malt er Löcher in die Mauer, in Disneyland hängt er eine als Guan-tanamo-Häftling verkleidete Puppe neben die Achterbahn, auf Graffitis werfen Demonstranten schon mal mit Blumen statt Molotows. Gibt es eine offizielle Ausstellung von ihm – vorrangig in Metropolen wie London, Los Angeles oder New York City – strömen die Besucher heran als sei der grüne Esel in der Stadt. Er selbst fehlt.
Nun aber die Wahrheit, das Bekenntnis? Haha! Und ha! Banksy erscheint – falls er es ist – mit heruntergelassener Kapuze oder gepixeltem Gesicht, seine Stimme ist verstellt. Es sollte eigentlich ein Film über ihn werden, nun aber drängt sich ein windiger, leicht kaputter, hyperaktiver Chaot in den Vordergrund: Thierry Guetta, in den USA lebender, französischstämmiger Hobby-Videot, der über seinen Cousin alle bedeutenden Straßenkünstler mit zum Teil wahnwitzigen Aktionen schon vor die Kamera bekam. Mehr noch: Thierry wird anerkanntermaßen zum Komplizen in einem nicht ungefährlichen Künstleralltag. Das nährt einen gewissen Ruf, den auch Banksy vernimmt. Thierry Guetta darf ran. Leider ist das Resultat ein freilich dilettantisches und kaum zeigbares Machwerk. Da dreht Banksy den Spieß einfach um: Er übernimmt die Regie und inszeniert Guetta. Bis es sich verselbstständigt.
Denn Thierry macht aus der Notgeburt mehr als eine Tugend, werkelt emsig als Mr. Brainwash herum, klöppelt, spraydosiert, klebt im öffentlichen Raum, ohne genau zu wissen, was er da macht. Dafür aber macht er es so, dass er nach und nach zum schwer angesagten Star der Szene in L.A. geriert, indem er „die Banalisierung banalisiert“. Kunst kommt eben manchmal auch von künstlich. Banksy kann nur noch entsetzt staunen.
„Exit Through The Gift Shop“ ist eine Hommage an alle Street-Artisten, an die wirklich freie Kunst, eine grellbunte Watsche fürs zeitgenössische Kunstmarktgebaren und auch für all die selbst ernannten Kenner im Westentaschenformat. Vor allem aber ist es ein spannender wie rasanter Kinospaß.
Wertung: x x x x x x; Programmkino Ost, Schauburg, DD
Wer Banksy ist? Das wüssten viele nur zu gern. Natürlich gibt sein Film alles andere als eine Antwort darauf. Das nahezu Einzige, das sich nicht in Mutmaßungen erschöpft, ist seine Kunst: Banksy ist ein politisch wacher, scharfsinniger Straßenkünstler, ein „wahrer Volksmaler“, wie ihn die britische „Times“ nannte. Intensiv gesucht von der Polizei, besprüht er seit Jahren
Flächen in aller Welt und fällt mit Ins-tallationen auf, immer dann vor allem, wenn es Kommentare sind oder außergewöhnliche Orte. Im besetzten Westjordanland malt er Löcher in die Mauer, in Disneyland hängt er eine als Guan-tanamo-Häftling verkleidete Puppe neben die Achterbahn, auf Graffitis werfen Demonstranten schon mal mit Blumen statt Molotows. Gibt es eine offizielle Ausstellung von ihm – vorrangig in Metropolen wie London, Los Angeles oder New York City – strömen die Besucher heran als sei der grüne Esel in der Stadt. Er selbst fehlt.
Nun aber die Wahrheit, das Bekenntnis? Haha! Und ha! Banksy erscheint – falls er es ist – mit heruntergelassener Kapuze oder gepixeltem Gesicht, seine Stimme ist verstellt. Es sollte eigentlich ein Film über ihn werden, nun aber drängt sich ein windiger, leicht kaputter, hyperaktiver Chaot in den Vordergrund: Thierry Guetta, in den USA lebender, französischstämmiger Hobby-Videot, der über seinen Cousin alle bedeutenden Straßenkünstler mit zum Teil wahnwitzigen Aktionen schon vor die Kamera bekam. Mehr noch: Thierry wird anerkanntermaßen zum Komplizen in einem nicht ungefährlichen Künstleralltag. Das nährt einen gewissen Ruf, den auch Banksy vernimmt. Thierry Guetta darf ran. Leider ist das Resultat ein freilich dilettantisches und kaum zeigbares Machwerk. Da dreht Banksy den Spieß einfach um: Er übernimmt die Regie und inszeniert Guetta. Bis es sich verselbstständigt.
Denn Thierry macht aus der Notgeburt mehr als eine Tugend, werkelt emsig als Mr. Brainwash herum, klöppelt, spraydosiert, klebt im öffentlichen Raum, ohne genau zu wissen, was er da macht. Dafür aber macht er es so, dass er nach und nach zum schwer angesagten Star der Szene in L.A. geriert, indem er „die Banalisierung banalisiert“. Kunst kommt eben manchmal auch von künstlich. Banksy kann nur noch entsetzt staunen.
„Exit Through The Gift Shop“ ist eine Hommage an alle Street-Artisten, an die wirklich freie Kunst, eine grellbunte Watsche fürs zeitgenössische Kunstmarktgebaren und auch für all die selbst ernannten Kenner im Westentaschenformat. Vor allem aber ist es ein spannender wie rasanter Kinospaß.
Wertung: x x x x x x; Programmkino Ost, Schauburg, DD







