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Kino

Donnerstag, 3. Juni 2010
(Sächsische Zeitung)

Königspudel trifft Straßenköter


Der Tanzfilm Street Dance 3D bietet keine neue Story, aber mitreißende Bilder.

Carly und Tomas müssen ihre Crews zur Zusammenarbeit motivieren. Foto: Universum

Mal sehen, wie viele Dance Crews sich ab dieser Woche finden werden: Heftig sich in den Hinterhöfen sächsischer Kleinstädte zu lautstarker Hip-Hop-Musik abstrampelnde Gruppen von Teenagern, die sich nichts sehnlicher wünschen, als so tanzen zu können wie Carly und ihre Freunde in „Streetdance 3D“. Wegen des Ruhms, wegen der Coolness und wegen des Waschbrettbauchs. Ältere Semester mögen sich jetzt erinnert fühlen an „Saturday Night Fever“ oder „Flashdance“ oder „Fame“ – in diesem Fall aber bitte ans charmante Original, nicht der billige Abklatsch vom vergangenen Jahr.

In etwa dieser Liga möchte „Streetdance 3D“ spielen und stellt sich für einen Tanzfilm erstaunlich gut an. Das mag daran liegen, dass es der erste in 3-D gedrehte Tanzfilm und noch dazu der erste 3-D-Film aus Europa, aus britischer Produktion, ist. Man gab sich Mühe und ließ Leute ans Steuer, die von der Zielgruppe genug verstehen, um das Lebensgefühl Hip-Hop nicht nur abzubilden, sondern einzufangen und wei-terzugeben: Max Giwa und Dania Pasquini sind bisher nicht als Regisseure leinwandfüllender Großereignisse in Er- scheinung getreten. Ihre mehrfach preisgekrönte Stärke liegt im kleinen, schnellen Format, dem Musikvideo. Drehbuchautorin Jane English bewies bisher Talent als Autorin für Teenager-Serien im britischen Fernsehen. „Streetdance 3D“ ist ihr erster Film.

Um zu erzählen, was zu erzählen ist, griff Frau English allerdings, gelinde gesagt, nicht besonders tief ins Nähkästchen: Carly (Nicola Burley) jobbt in einem Sandwichladen und lebt für den Streetdance. Chef ihrer Truppe, der Crew, und zugleich ihr Freund ist Eddie (George Sampson). Gemeinsam schaffen sie es bis zu den UK Streetdance Meis-terschaften. Doch dann steigt Eddie aus und Carly muss die Tänzer anleiten und motivieren. Zu allem Übel fehlt der geeignete Trainigsraum. Durch Zufall trifft Carly auf Helena (Charlotte Rampling), die ihr anbietet, an der Royal Dance School zu üben. Unter einer Bedingung: Carly soll Ballettschüler ins Team aufnehmen. Klassisches Ballett und der Tanz von der Straße – das ist wie edler Königspudel und kernige Straßenkötermischung – zwei Welten treffen aufeinander. Der Konflikt ist vorprogrammiert. Das Ergebnis nach ausführlich ausgetragenem Hickhack und Snobismus kann sich allerdings sehen lassen. So einfach, so gut.

Dass den Regisseuren bei ihrem Film nicht an Charakterentwicklung gelegen war, zeigt sich bereits beim Casting: Die besten Tänzer Großbritanniens, hierzulande weitestgehend unbekannte Gesichter, treten auf in „Streetdance 3D“. Dass jedoch Charlotte Rampling gewonnen werden konnte für die Nebenrolle der progressiven Ex-Ballerina Helena, spricht für das Konzept. Und es geht auf. Mitreißend ist, was zwischen der Handlung stattfindet. Gedreht in der von James Cameron für „Avatar“ entwickelten Technik, schnell geschnitten und unterlegt mit einem von Kennern zusammengestellten Soundtrack hebt das Regieduo Giwa und Pasquini das Genre Tanzfilm wortwörtlich in eine neue Dimension. Christina Wittich Wertung: x x x x x x
Cinemaxx, Neues Rundkino, UCI, Ufa, DD; Freiberg; Meißen; Pirna, Riesa



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