Kino
Mittwoch, 17. Februar 2010
Hilf, Rugby hilf!
Andreas Körner
Nelson Mandela und die Versöhnung: Clint Eastwoods enttäuschender Film „Invictus – Unbezwungen“
Trotz Fußballweltmeisterschaft in diesem Jahr: Die schönste Nebensache ist in Südafrika Rugby. Jedenfalls im professionellen Bereich. Die Eingangssequenz von Clint Eastwoods Film ist deshalb exemplarisch. Schwarze Kinder kicken auf einem vertrockneten Holperplatz, während sich weiße Jugendliche auf gepflegtem Rasen die Eierkugel zuwerfen. Beide Gruppen halten inne, als sich auf der trennenden Asphaltstraße ein Autotross mit einem Mann nähert, der künftig offiziell zum wichtigsten Mann des Landes wird: Nelson Mandela. An diesem Tag kommt er frei. Nach 27 Jahren Gefängnis.
Clint Eastwood hat keine Mandela-Biografie in Szene gesetzt, keinen weiten Schwung durch bewegte Jahrzehnte, was nicht als Vorwurf zu verstehen ist. Er hat aber auch dem Ausschnitt die Kontur verweigert. Ihm dient der Sport als Krücke, während Mandela den Sport zur „Inspiration“ erklärte, mit dem die „Welt verändert werden könne“. Es ist trotzdem einigermaßen befremdlich, wenn in einem Eastwood-Werk die stärksten Szenen direkt mit Rugby zu tun haben, nicht mit Figuren. Es sind die „Büffelgeräusche“ der rangelnden Männer, gepaart mit spannenden Bildern aus zum Teil abenteuerlichen Perspektiven. „Invictus“, ein braver Sportfilm? Für mehr sind die wichtigsten Charaktere einfach zu schwach gezeichnet, beschränkt sich die Handlung – neben wundersam unmotivierten Entwicklungen hin zum „Guten“ – auf Tatsachen und Fakten, die bereits John Carlins Buchvorlage abgespeichert hatte. Eine eigenständige, Hintergrund vertiefende Annäherung Eastwoods ist nicht zu erkennen, nicht einmal eine eigene Handschrift. Und das ist geradezu schockierend. Dass viele Sätze Mandelas wie Parolen klingen, liegt nicht am Regisseur. Die biedere Art und Weise, mit der er verpackt, schon.
Die dünne Story beschränkt sich auf das Jahr vor dem Worldcup 1995. Die Chancen des Gastgebers stehen sportlich nicht gut, hinzu kommt, dass Südafrika erst am Beginn eines Prozesses der Annäherung steht. Im Rugby läuft alles exemplarisch zusammen. Die Weißen wollen Stand und Status bewahren, das neue Selbstbewusstsein der Schwarzen lässt zunächst nur Abgrenzung zu. Mandela aber will mit großer Geste vereinen und versöhnen, beginnt sogleich im Präsidentenpalast mit dem Durchmischen seiner Sicherheitsmannschaft, setzt es fort mit dem direkten Eingriff in die Vorbereitung der Rugby-Mannschaft, die er glatt zu Symbolträgern erklärt. Der persönliche Kontakt zu Kapitän Francois Pienaar ist da zwangsläufig. So kommt es heran, das Endspiel gegen Neuseeland, ein Spiel, das fast schon kein Spiel mehr ist.
Bis dahin? Protokollarisches Geplänkel, Botschaft, Folklore, der eine oder andere Wortwitz, entschieden zu wenig Futter. Während Morgan Freeman noch versucht, eigene, angemessen verhaltene Facetten neben seine intensiven Mandela-Studien zu stellen, scheitert Matt Damon als Pinaar auf ganzer Linie. Er hat einfach nichts zu tun.
Invictus - Unbezwungen - Schauburg, Ufa, DD
Clint Eastwood hat keine Mandela-Biografie in Szene gesetzt, keinen weiten Schwung durch bewegte Jahrzehnte, was nicht als Vorwurf zu verstehen ist. Er hat aber auch dem Ausschnitt die Kontur verweigert. Ihm dient der Sport als Krücke, während Mandela den Sport zur „Inspiration“ erklärte, mit dem die „Welt verändert werden könne“. Es ist trotzdem einigermaßen befremdlich, wenn in einem Eastwood-Werk die stärksten Szenen direkt mit Rugby zu tun haben, nicht mit Figuren. Es sind die „Büffelgeräusche“ der rangelnden Männer, gepaart mit spannenden Bildern aus zum Teil abenteuerlichen Perspektiven. „Invictus“, ein braver Sportfilm? Für mehr sind die wichtigsten Charaktere einfach zu schwach gezeichnet, beschränkt sich die Handlung – neben wundersam unmotivierten Entwicklungen hin zum „Guten“ – auf Tatsachen und Fakten, die bereits John Carlins Buchvorlage abgespeichert hatte. Eine eigenständige, Hintergrund vertiefende Annäherung Eastwoods ist nicht zu erkennen, nicht einmal eine eigene Handschrift. Und das ist geradezu schockierend. Dass viele Sätze Mandelas wie Parolen klingen, liegt nicht am Regisseur. Die biedere Art und Weise, mit der er verpackt, schon.
Die dünne Story beschränkt sich auf das Jahr vor dem Worldcup 1995. Die Chancen des Gastgebers stehen sportlich nicht gut, hinzu kommt, dass Südafrika erst am Beginn eines Prozesses der Annäherung steht. Im Rugby läuft alles exemplarisch zusammen. Die Weißen wollen Stand und Status bewahren, das neue Selbstbewusstsein der Schwarzen lässt zunächst nur Abgrenzung zu. Mandela aber will mit großer Geste vereinen und versöhnen, beginnt sogleich im Präsidentenpalast mit dem Durchmischen seiner Sicherheitsmannschaft, setzt es fort mit dem direkten Eingriff in die Vorbereitung der Rugby-Mannschaft, die er glatt zu Symbolträgern erklärt. Der persönliche Kontakt zu Kapitän Francois Pienaar ist da zwangsläufig. So kommt es heran, das Endspiel gegen Neuseeland, ein Spiel, das fast schon kein Spiel mehr ist.
Bis dahin? Protokollarisches Geplänkel, Botschaft, Folklore, der eine oder andere Wortwitz, entschieden zu wenig Futter. Während Morgan Freeman noch versucht, eigene, angemessen verhaltene Facetten neben seine intensiven Mandela-Studien zu stellen, scheitert Matt Damon als Pinaar auf ganzer Linie. Er hat einfach nichts zu tun.
Invictus - Unbezwungen - Schauburg, Ufa, DD








