Kino
Donnerstag, 26. August 2010
(Sächsische Zeitung)
(Sächsische Zeitung)
Gekneteter Geniestreich
Jede Wette: Die wundervolle Geschichte von „Mary & Max“ wird einer der schönsten Filme des Jahres bleiben
Manchmal kommt der beste Film des Jahres recht unscheinbar daher, ohne viel Werbung, er wird präsentiert von einem kleineren Verleih in eher wenigen Kinosälen. Kathryn Bigelows Oscar-Film „Tödliches Kommando – The Hurt Locker“ war so ein Fall. Jetzt naht aus dem fernen Australien wieder ein Kandidat für höchste Ehren, auch wenn sich die rundum liebenswerte Knetanimation nicht stärker von Bigelows Kriegsdrama unterscheiden könnte.
Schon die Eröffnungstitel von „Mary & Max“ lassen eine Ahnung davon aufkeimen, was den Zuschauer in den nächsten 90 Minuten erwartet. Man taucht in eine Knetlandschaft ein, die mit einer ganz außergewöhnlichen Liebe zum Detail und viel Sinn für schrägen Humor zum Leben erweckt wurde. Man lernt Charaktere kennen, wie man sie so noch nie auf der großen Kinoleinwand erleben durfte. Zunächst einmal wäre da Mary, ein australisches Mädchen, das in der Schule immer gehänselt wird. In seiner Einsamkeit brütet das Kind über vielen essenziellen Fragen des Lebens, zum Beispiel, was die Herkunft der Babys anbetrifft. In Australien, so hat Marys Aufklärung zutage gefördert, findet man den Nachwuchs in Bierkrügen. Aber wie kommen die lieben Kleinen andernorts zur Welt, etwa in den USA? Mary sucht sich eine New Yorker Adresse aus dem Telefonbuch und schreibt einem gewissen Max einen Brief. Es ist der Beginn einer wunderbaren Freundschaft.
Auch Max ist ein einsamer Typ, der sich „für menschliche Wesen interessiert, aber Mühe hat, sie zu verstehen“. Der übergewichtige Mittvierziger hat sich drei große Ziele im Leben gesetzt: einen Freund zu haben, der nicht unsichtbar ist, über einen lebenslangen Vorrat an Schokolade zu verfügen und alle Actionfiguren der Nublets zu besitzen, die die Helden seiner Lieblingsserie sind. Mit der Brieffreundschaft zu Mary ist die Erfüllung des ersten Wunsches in greifbare Nähe gerückt. Aber noch trennt die Freunde ein Ozean. Während Mary jobbt und jeden Dollar für die Reise nach New York spart, wechseln weiter wichtige Fragen den Kontinent: Schuldet der Taxifahrer einem nicht Geld, wenn er rückwärts fährt?
Die Rangfolge auf dem weiten Feld des Animationsfilmes ist klar abgesteckt: erst kommt Pixar und dann eine ganze Weile nix. Nun schicken sich allerdings einige kauzige Knetfiguren aus Down Under an, den warmherzigen und vor Fantasie sprühenden Meisterwerken à la „Oben“ ernsthaft Konkurrenz zu machen. Autor, Regisseur und Ober-Kneter Adam Elliot ist ein Genie. Seine brillante, in dezenten Braun- und Grautönen gehaltene Außenseiter-Geschichte „Mary & Max“ brennt auf der Leinwand ein unablässiges Feuerwerk der Ideen ab. Mit Sicherheit ein neuer Kultfilm, den zum ersten Mal auf der großen Leinwand erlebt zu haben man sich unbedingt rühmen können sollte. André Wesche
Wertung: xxxxxx
Schauburg, DD
Schon die Eröffnungstitel von „Mary & Max“ lassen eine Ahnung davon aufkeimen, was den Zuschauer in den nächsten 90 Minuten erwartet. Man taucht in eine Knetlandschaft ein, die mit einer ganz außergewöhnlichen Liebe zum Detail und viel Sinn für schrägen Humor zum Leben erweckt wurde. Man lernt Charaktere kennen, wie man sie so noch nie auf der großen Kinoleinwand erleben durfte. Zunächst einmal wäre da Mary, ein australisches Mädchen, das in der Schule immer gehänselt wird. In seiner Einsamkeit brütet das Kind über vielen essenziellen Fragen des Lebens, zum Beispiel, was die Herkunft der Babys anbetrifft. In Australien, so hat Marys Aufklärung zutage gefördert, findet man den Nachwuchs in Bierkrügen. Aber wie kommen die lieben Kleinen andernorts zur Welt, etwa in den USA? Mary sucht sich eine New Yorker Adresse aus dem Telefonbuch und schreibt einem gewissen Max einen Brief. Es ist der Beginn einer wunderbaren Freundschaft.
Auch Max ist ein einsamer Typ, der sich „für menschliche Wesen interessiert, aber Mühe hat, sie zu verstehen“. Der übergewichtige Mittvierziger hat sich drei große Ziele im Leben gesetzt: einen Freund zu haben, der nicht unsichtbar ist, über einen lebenslangen Vorrat an Schokolade zu verfügen und alle Actionfiguren der Nublets zu besitzen, die die Helden seiner Lieblingsserie sind. Mit der Brieffreundschaft zu Mary ist die Erfüllung des ersten Wunsches in greifbare Nähe gerückt. Aber noch trennt die Freunde ein Ozean. Während Mary jobbt und jeden Dollar für die Reise nach New York spart, wechseln weiter wichtige Fragen den Kontinent: Schuldet der Taxifahrer einem nicht Geld, wenn er rückwärts fährt?
Die Rangfolge auf dem weiten Feld des Animationsfilmes ist klar abgesteckt: erst kommt Pixar und dann eine ganze Weile nix. Nun schicken sich allerdings einige kauzige Knetfiguren aus Down Under an, den warmherzigen und vor Fantasie sprühenden Meisterwerken à la „Oben“ ernsthaft Konkurrenz zu machen. Autor, Regisseur und Ober-Kneter Adam Elliot ist ein Genie. Seine brillante, in dezenten Braun- und Grautönen gehaltene Außenseiter-Geschichte „Mary & Max“ brennt auf der Leinwand ein unablässiges Feuerwerk der Ideen ab. Mit Sicherheit ein neuer Kultfilm, den zum ersten Mal auf der großen Leinwand erlebt zu haben man sich unbedingt rühmen können sollte. André Wesche
Wertung: xxxxxx
Schauburg, DD








